Deutscher Buchhandlungspreis
Auszeichnung der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland für unabhängige inhabergeführte Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland
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Der Deutsche Buchhandlungspreis ist eine Auszeichnung der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland für unabhängige inhabergeführte Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland. Ausgezeichnet werden insbesondere kleine Buchhandlungen,[1] „die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, die innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren“.[2] Es werden jährlich circa 100 Buchhandlungen in mehreren Kategorien ausgezeichnet.

Geschichte
Die 2015 erstmals verliehene Auszeichnung wurde in Zusammenarbeit von Stefan Weidle von der Kurt Wolff Stiftung mit der damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Staatsministerin Monika Grütters, vorbereitet. Für den Preis waren seinerzeit 108 Buchhandlungen nominiert, deren Jahresumsatz jeweils unterhalb einer Million Euro lag.[3]
Teilnahmebedingungen
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird nach Maßgabe schriftlich niedergelegter Teilnahmebedingungen und Vergaberegeln vergeben. Es besteht kein Anspruch auf eine Auszeichnung oder Prämie. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.[4]
Die Auszeichnung unabhängiger und inhabergeführter Buchhandlungen in Deutschland dient dem Ziel, einer zunehmenden Wettbewerbsverschärfung zu Lasten des Kulturträgers „Buchhandlung“ entgegenzuwirken.[4]
Zu den Auswahlkriterien zählen:[4]
- kulturelles Veranstaltungsprogramm (auch digital): z. B. Lesungen und Kooperationen mit anderen Kulturträgern oder Bildungsinstitutionen, durch die das kulturelle Leben vor Ort (und darüber hinaus) bereichert wird;
- besonderes literarisches Sortiment: z. B. breit gefächertes Sortiment mit erkennbarer Verfügbarkeit von Backlisttiteln, breites Angebot kleinerer und unabhängiger Verlage – auch im Kinderbuchbereich –, Ausführungen von Einzelbestellungen, fremdsprachige Literatur;
- Lese- und/oder Literaturförderung: z. B. (digitale) Lesungen, (digitale) Autorenworkshops, (digitale) Lesezirkel, Beteiligung mit (digitalen) Veranstaltungen im bundesweiten Vorlesewettbewerb, Kooperationen mit Bildungsinstitutionen, Kindergärten, Schulen, Kirchen; Bücherkisten/Lesekoffer für Kinder etc.;
- innovatives Geschäftsmodell: z. B. Nutzung digitaler Plattformen, vorbildhaftes Verkaufskonzept zur Verzahnung von E-Commerce und stationärem Buchhandel; herausragende Neugründung mit Nischenkonzept, besondere Kundenbindungsmaßnahmen, Internetauftritt. Dabei muss der kulturelle Bezug sichergestellt sein.
Es werden insgesamt bis zu 118 Buchhandlungen mit dotierten und undotierten Gütesiegeln ausgezeichnet.[4]
Die dotierten Gütesiegel werden in drei Kategorien an Buchhandlungen vergeben, deren durchschnittlicher Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren unter einer Million Euro lag:
- Gütesiegel verbunden mit einer Prämie in Höhe von jeweils 7.000 Euro für bis zu hundert hervorragende Buchhandlungen, die mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet werden.
- Gütesiegel verbunden mit einer Prämie in Höhe von jeweils 15.000 Euro für bis zu fünf Buchhandlungen, die aus den für den Deutschen Buchhandlungspreis nominierten Buchhandlungen besonders herausragen.
- Gütesiegel verbunden mit einer Prämie in Höhe von jeweils 25.000 Euro für die drei besten der für den Deutschen Buchhandlungspreis nominierten Buchhandlungen.
Zusätzlich wird ein undotiertes Gütesiegel an bis zu zehn Buchhandlungen vergeben, deren Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren über einer Million Euro lag.[5]
Die auszuzeichnenden Buchhandlungen werden von einer durch den BKM berufenen Jury ausgewählt.[6] Mitglieder können unter anderen Sachverständige aus dem Bereich des Verlagswesens, der Medien, der Literatur- und Buchwissenschaften, der Kurt-Wolff-Stiftung sowie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels angehören. Auf Grundlage einer Mehrheitsentscheidung der Jurymitglieder vergibt der BKM die Gütesiegel und Prämien.[4]
Für den Deutschen Buchhandlungspreis stehen jährlich insgesamt eine Million Euro aus dem Bundeskulturhaushalt zur Verfügung.[7]
Verleihung für das Jahr 2025
Im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Entscheidung des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, erstmalig in der Geschichte des Preises nicht der Entscheidung der Jury zu folgen.[8] Weimer wolle die Verleihung an drei Buchhandlungen verweigern, die von der Jury ausgewählt wurden und die auch zuvor schon mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden waren[9]. Weimer begründete dies mit dem Vorliegen von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ gegen die Buchhandlungen, die er im Wege des umstrittenen[10] sogenannten Haber-Verfahrens bei Anfragen an den Verfassungsschutz erlangt habe. Die betroffenen Buchhandlungen werden als politisch links verortet, während Weimer als rechts-konservativ gilt. Was konkret die ausgezeichneten Buchhandlungen aus Weimers Sicht disqualifiziert hat, wurde weder der Öffentlichkeit noch den betroffenen Buchhandlungen mitgeteilt.
Der Vorgang führte zu einem Eklat. In den Medien wurde Weimers ungewöhnliches Vorgehen teilweise als Versuch wahrgenommen, die Kulturpolitik zu benutzen, um politisch Andersdenkende zu benachteiligen. Er begründete das im Kulturausschuss des Bundestages damit, dass steuerfinanzierte Preisgelder nicht an „Extremisten“ oder Akteure ausgezahlt werden sollten, „die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung betätigen“.[11] Der Grünen-Politiker Sven Lehmann sagte, Weimers Vorgehen schaffe ein „Klima der Vorzensur“.[12] Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kritisierte den Vorgang als „äußerst fragwürdig“.[13] Die betroffenen Buchhandlungen kündigten rechtliche Schritte gegen die Versagung der Preisverleihung an. Der Börsenverein unterstützt sie dabei.[14] Die Rechtsprofessoren Sophie Schönberger[8] und Christoph Möllers[15] hielten das Vorgehen Weimers aus verschiedenen Gründen für problematisch und für rechtswidrig. Ein ebenfalls ausgezeichneter Buchhändler lehnte seinerseits die Annahme des Preises ab. In einem offenen Brief forderte er, die Gründe für die Versagung der Auszeichnung an die drei betroffenen Buchhandlungen klar zu benennen.[16] Die Jury distanzierte sich von dem Ausschluss der drei Buchhandlungen von der Auszeichnung.[17]
Am 10. März 2026 sagte Kulturstaatsminister Weimer die für den 19. März vorgesehene Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse ab, da die Kontroverse um die Vergabe eine „angemessene Würdigung“ der Preisträger „kaum noch möglich“ erscheinen lasse.[18] Im Nachgang wurde bekannt, dass der Bundesbeauftragte die ausgeschlossenen Buchhandlungen aktiv getäuscht hatte: Er hatte ihnen mitgeteilt, sie seien von der Jury nicht ausgewählt worden, obwohl zwei sogar für Hauptpreise vorgeschlagen worden waren.[19] Der Börsenverein und der Hanser Verlag luden zu „alternativen Feiern“ statt der ursprünglichen Preisverleihung ein.[19]
Literatur
- Christina Reinke: Lotsen und Missionare im geistigen Neuland. Zum dritten Mal wurde der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen, in: Buchreport/Magazin, Band 48, 2017, Nr. 10, S. 54–59.
- im Börsenblatt, hrsg. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., Frankfurt am Main: MVB Marketing- und Verlags-Service des Buchhandels:
- Tamara Weise: Unbezahlbar gut. Der Deutsche Buchhandlungspreis startet in seine dritte Runde, Band 184, 2017, Nr. 16, S. 14.
- Stefan Hauck, Tamara Weise: Profil zeigen, gewinnen lernen, Band 184, 2017, Nr. 19, S. 16–17.
- Stefan Hauck: „Geistige Grundversorger“ Deutscher Buchhandlungspreis 2017, Band 184, 2017, Nr. 31, S. 6–8.
- Sabine Schmidt: Informieren, inspirieren. Die Buchhandlung Jos Fritz in Freiburg, Band 184, 2017, Nr. 35, S. 27.