Deutscher Ärztekalender
Schriftenreihe vom Verlag Urban & Schwarzenberg
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Der Deutsche Ärztekalender war eine Schriftenreihe (Jahrbücher, Kalender) aus dem Verlag Urban & Schwarzenberg.[1] Die erste Ausgabe erschien 1926 für 1927, die letzte [vermutlich] 1981 für das Kalenderjahr 1982 (55. Jahrgang).
Vorübergehend war der Mediziner Kurt Hoffmann aus Bad Godesberg verantwortlich. Kurt Hoffmann und sein Mitarbeiter Herbert Volkmann waren auch zusammen mit Walter Guttmann (alias Walter Marle) Bearbeiter der Medizin-Enzyklopädie Medizinische Terminologie, welche vom selben Verlag in 35 Auflagen von 1902 bis 1951 herausgegeben wurde. Später war Anton H. Schmid „verantwortlich für den Inhalt.“[2] Der 51. Jahrgang wurde 1978 von Joachim Prüfer herausgegeben.
Geschichte
Vor 1933
Der erste Jahrgang erschien 1927 als Deutscher Ärztekalender – Taschenbuch für die tägliche Praxis. Der Vorläufer war von 1850 bis 1926 der Berliner Medizinalkalender und Rezepttaschenbuch für praktische Ärzte[3] aus dem Hirschwald Verlag.
Schon anlässlich der dritten Ausgabe wurde 1929 in einer Buchbesprechung ein Überhandnehmen von gewerblichen Inseraten im Kalender kritisiert.
1933 bis 1945
In der elften Ausgabe für 1937 sind abgedruckt das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes (Ehegesundheitsgesetz) und Ausführungen von Wolfgang Lehmann aus Breslau „aus dem Gebiet der Erb- und Rassenlehre“. Im Anschriftenverzeichnis finden sich zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene, ein Rassenpolitisches Amt der N. S. D. A. P. und der Reichsarzt der S. S.
Im 17. Jahrgang für 1943 findet sich ein sechsseitiger Aufsatz von Sanitätsrat Rudolf Ramm vom Hauptamt für Volksgesundheit der NSDAP über „Die Organisation der Gesundheitsführung des deutschen Volkes“ mit einem Hinweis auf „einen Erlass des Führers vom 28.6.1942.“ Es „wurde ein ‚Generalkommissar des Führers für das Sanitäts- und Gesundheitswesen‘ für Sonderaufgaben und Verhandlungen zwischen dem militärischen und zivilen Sektor des Sanitäts- und Gesundheitswesens bestimmt, der nur dem Führer persönlich unterstellt ist und von ihm unmittelbar Weisungen erhält.“[4]
1943 wurde im Kalendarium jeder zweite Sonntag im Monat (nicht in den Monaten von April bis September) als „Eintopf-Sonntag“ gekennzeichnet. Der 21. Februar 1943 war der Helden-Gedenktag. Der 1. Mai war der Nationalfeiertag des deutschen Volkes. Ein Schutzengelfest wurde für den 5. September 1943 angegeben. Der Führergeburtstag wurde nicht erwähnt.
Nach 1945
In der 21. Ausgabe 1948 findet sich der Gesetzestext der neuen Preußischen Gebührenordnung vom 1. September 1924 für approbierte Ärzte und Zahnärzte (Preugo).
Ein Einlegeblatt (IX.57 / W 195 12 / 18758) in der Ausgabe für 1958 der J. F. Lehmanns Medizinische Buchhandlung in München beschreibt das Werk als „Taschenbuch für die tägliche Praxis“. Es wurde den Ärzten unaufgefordert zur Prüfung („Hiermit legen wir Ihnen den ‚Deutschen Ärzte-Kalender 1958‘ vor und bitten höflichst zu prüfen, wie er Ihnen gefällt.“) zugestellt. Der Preis betrug 7,50 DM und sollte bei Gefallen mittels der beigelegten Zahlkarte überwiesen werden.
Die Kapitel im Jahr 1958 befassten sich mit folgenden Rubriken: Mitarbeiter, Ärztliches Berufsgelöbnis, Kalender-Übersicht, Wissenswerte Anschriften, Heilmittel, Diagnostik und Therapie, Akute lebensbedrohliche Situationen, Arzt und Verkehrsunfall, Diätetik in der Praxis, Prophylaxe, Diagnostische und therapeutische Tabellen und Daten für die ärztliche Arbeit, Arzt und Recht, Firmenverzeichnis zum Anzeigenteil und Beachtenswerte Beiträge früherer Jahrgänge (1958 wurde auf die einzelnen Ausgaben von 1953 bis 1957 verwiesen).
Mitarbeiter
1937 haben mitgearbeitet: Georg Claus (Berlin), W. David (Tilsit), E. Hayward (Berlin), Werner Leibbrand, M. Schlegel (Berlin), Fritz Schoeler (Berlin), Erich Hesse (Breslau), Otto Muntsch, Franz Eberhart (Baden-Baden), Ernst Meyer (Berlin-Spandau), Albert Rapp, Georg Burckhard (Würzburg), Heinrich Gottron, Klaus Halter, W. Franke (Berlin), Paul Eckel, Willy Schumacher (Bonn), Wolfgang Lehmann, W. Schmidt (Berlin), Friedrich Konrich, K. Wuth (Berlin), Kurt Bieling (Friedrichroda).
1943 zählten Herbert Volkmann, Günter Streblow, Kurt Hofmeier, Erich Hesse, G. Ohnesorge, W. David, I. Kucher, E. Hayward, Ernst Navratil, A. Gaedertz, Georg Claus, Agena, Franz Eberhart, Kurt Hoffmann, Martin Brustmann, Marga Hartmann, E. Schütze-Thannhäuser, Rudolf Ramm, A. Bullerdiek und Michael Josef Bauer zu den Autoren.
1948 haben Herbert Volkmann, Erich Hesse (Hamburg), G. Ohnesorge (Hamburg), Karl-Heinrich Römer (München), Heinrich Alexander Gins, Heinrich Hetsch und Walter Goeters (Düsseldorf) mitgewirkt.
Im Anschluss an die Nachkriegszeit zählten unter anderen zu den Mitarbeitern: Jürgen Walter Bösche, Heinrich Bürkle de la Camp, Herbert Elbel, F. Gabl (Innsbruck), Heinrich Alexander Gins, Johannes Jochims, Heinz Lossen, Hellmut Mehnert, Hans Neuffer, Walther Schäfer, Klaus Soehring, Rudolf Wolf,[5] Michael Josef Bauer, Otmar Bauer, Heinrich Cramer, Hans Gummel, Franz Lothar Schleyer, Wilhelm Stepp und Otto Wünsche.[6]
Im 40. Jahrgang 1967 schrieben unter anderen Ernst Fromm, Kurt Hoffmann, Hellmut Mehnert, Walter Paulus, Gerhard Piekarski, W. Roschke (Bad Salzuflen) und Klaus Soehring.
Im 51. Jahrgang wurden 1978 in einer zweiseitigen Liste 50 „Mitarbeiter“ alphabetisch aufgezählt. Die zwölf Kapitel wurden von Christoph Kirschner, Heinz Oehmig, Walter Paulus, Heinz Zumkley, Rudolf Hartung, S. John, Alexander Sturm, H. Eimermacher, H. Pressler, Hans Dieter Pohle, Hans Jochen Rott, Wolfgang Leydhecker, W. Buschmann, W. Linnert, W. Waller, W. D. Schäfer, Z. Duzanec, G. K. Krieglstein, Gerhard Martius, Rudolf Hartung, Hans Jochen Rott, Georg Gerhard Wendt, H.-J. Vogt, Bernd J. Klose, E. Liebhardt, Hellmut Mehnert, L. von Meyer, Wolfgang Spann, Helmut Baark, Joachim Prüfer, Hansjürgen Raettig, W. B. Sachs, Eckard Klein, Wolfram Keup, Volker Lenk, Hans-Philipp Pöhn, Hans Gerhard Schwick, Georg Banzer, Traugott Fuchs, Dietrich Eberhagen, Walter Braun und Jürgen Walter Bösche geschrieben.
Beispiele
Anmerkung: Kalender erscheinen immer im Vorjahr für das jeweils kommende Jahr. In den folgenden Jahrgängen werden nur die Jahre des Jahreskalenders angegeben, also nicht die eigentlichen (im Impressum genannten) Erscheinungsjahre in den jeweiligen Vorjahren.[7]
- 1. Jahrgang 1927[8]
- 3. Jahrgang 1929 (Deutscher Ärztekalender, Verlag von Urban & Schwarzenberg, Berlin N 24, Preis 4 Mark. Rezension: „Der Kalender enthält eine Menge Material; es ist daher in einer kurzen Buchbesprechung nicht möglich[,] alle Kapitel seines Inhalts aufzuzählen. Man kann ruhig sagen: der Inhalt übertrifft die Erwartung. — Leider darf nicht verschwiegen werden, daß die jetzt ja schon übliche Beigabe von Inseraten hier die Grenzen des Erlaubten übersteigt!“[9])
- 11. Jahrgang 1937, Berlin 1937, 416 Seiten plus 114 Seiten Inserate plus Kalender („Tagebuch“, zwei Tage pro Seite) plus 14 Seiten für „Vormerkungen“ plus vier Seiten „Postgebühren“.[10]
- 13. Jahrgang 1939
- 17. Jahrgang 1943, Berlin / Wien 1943, XIV, 432 Seiten plus 179 Seiten Werbung (einschließlich eines „Sach- und Bezugsquellen-Verzeichnis“)
- 18. Jahrgang 1944
- Jahrgang 1945 [vermutlich] nicht erschienen (Dieser Hinweis fehlt im Gesamtkatalog des Verlages.)
- 20. Jahrgang 1947
- 21. Jahrgang 1948, Berlin / München, VIII, 350 Seiten plus Kalender (zwei Tage pro Seite) plus 46 Seiten Inserate. Verantwortlich war Herbert Volkmann.
- 26. Jahrgang 1953
- 31. Jahrgang 1958, XX, 613 Seiten plus Kalendarium (zwei Seiten pro Woche) und sechs leere Seiten für Notizen[11]
- 32. Jahrgang 1959, XXIII, 652 Seiten plus Kalendarium (zwei Seiten pro Woche) und fünf leere Seiten für Notizen
- 33. Jahrgang 1960, XXIV, 668 Seiten plus Kalendarium (zwei Seiten pro Woche) und fünf leere Seiten für Notizen
- 34. Jahrgang 1961, XXIV, 702 Seiten plus Kalendarium (zwei Seiten pro Woche) und sechs leere Seiten für Notizen
- 35. Jahrgang 1962, XXIV, 683 Seiten plus Kalendarium (zwei Seiten pro Woche) und sechs leere Seiten für Notizen
- 38. Jahrgang 1965
- 39. Jahrgang 1966[12]
- 40. Jahrgang 1967, XXVIII, 709 Seiten Text, 112 Seiten Kalendarium und Notizblätter, kl. 8°, München / Berlin / Wien 1966, DM 12,-[13] Verantwortlich war Anton H. Schmid.
- 41. Jahrgang 1968, Urban & Schwarzenberg, München 1968
- 46. Jahrgang 1973
- 51. Jahrgang 1978, München / Berlin / Wien 1978, X, 378 Seiten plus Kalender (sechs Seiten pro Woche) plus Inserate; ISBN 3-541-00118-6; Herausgeber war Joachim Prüfer.
- 54. Jahrgang 1981
- 55. Jahrgang 1982
Ähnliche Kalender
Unabhängig vom Deutschen Ärztekalender gab es auch
- einen Ärzte-Kalender (zum Beispiel für 1913 von der Fürst von Lobkowitzschen Brunnen-Direktion in Bilin),
- einen Reichs-Medizinal-Kalender für Deutschland – Ärztliches Taschenbuch vom Georg Thieme Verlag in Leipzig (1929 im 50. Jahrgang),
- den Beiersdorf-Taschenkalender für Ärzte (1929 im 8. Jahrgang), herausgegeben von der Chemischen Fabrik P. Beiersdorf & Co., A.-G. in Hamburg,
- ein Ärzte-Jahrbuch – Kalender von der Firma Bayer AG in Leverkusen (zum Beispiel für 1959 im 23. Jahrgang),
- seit den 1920er Jahren einen Temmler Ärztekalender (zum Beispiel für die Jahre von 1956 bis 1979) von der Firma Temmler und
- einen Deutschen Zahnärzte Kalender, zum Beispiel für 1989 vom Hanser-Verlag, herausgegeben von Werner Ketterl (ISBN 978-3-446-15353-0), und für 2007 vom Deutschen Zahnärzte Verlag (ISBN 978-3-9342-8092-2).
DDR
In der DDR erschien der Ärztekalender der Deutschen Demokratischen Republik im VEB Verlag Volk und Gesundheit in Berlin, zum Beispiel für 1952, für 1963, für 1965, für 1971, für 1973 bis 1981, für 1982 (für 3,80 Mark) und für 1983.
- Beispiel: Günter Kunz, Siegfried Arkona (Hrsg.): Ärztekalender der Deutschen Demokratischen Republik 1983. 1. Auflage, VEB Verlag Volk und Gesundheit, Berlin 1982, 440 Seiten plus Inserate, 3,80 Mark (DDR).
Österreich
Für Österreich erschien in Wien von 1878 bis 1939 ebenfalls bei Urban & Schwarzenberg der Wiener Medizinal-Kalender und Rezept-Taschenbuch für praktische Ärzte. Die vier ersten Jahrgänge von 1878 bis 1881 wurden noch „unter dem Titel: Rezepttaschenbuch und Kalender der Wiener medizinischen Presse“ herausgegeben. Verlegt wurden „Jahrgang 5/1882 bis Jahrgang 62/1939.“ Von 1940 bis 1944 erschienen die fünf Jahrgänge 63 bis 67 als Deutscher Ärztekalender.
Anschließend wurde für den Jahrgang 68/1949 wieder der vorherige Titel gewählt.[14] Der Kalender erschien zum Beispiel
- 1914 im 37. Jahrgang,
- 1933 im 56. Jahrgang,
- 1937 im 60. Jahrgang[15] und
- 1949 im 68. Jahrgang („Neu bearbeitet und ergänzt. VIII, 473 Seiten. Mit Vormerkkalendarium, kl. 8°, Halbleinen DM 5,-“)[16]
In den vier Jahren von 1945 bis 1948 erschien der Kalender [vermutlich] nicht. Für die Kalenderjahre ab 1950 gibt der Gesamtkatalog des Verlages ebenfalls keine Informationen.