Dezső Ernster
ungarischer Opernsänger (Bass)
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Dezső Ernster (* 23. November 1898 in Pécs, Österreich-Ungarn; † 15. Februar 1981 in Zürich) war ein ungarischer Opernsänger der Stimmlage Bass.

Leben
Geboren in Pécs als Sohn eines Kantors, studierte Ernster in Budapest und Wien. Seine Karriere begann in Plauen, wo er 1924 und 1925 die Rolle des Hermann in Wagners Oper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg sang. Von 1928 bis 1931 trat er in Berlin an der Staatsoper Unter den Linden und in der Krolloper auf, wo er unter anderem in der Uraufführung von Paul Hindemiths Oper Neues vom Tage unter der Leitung von Otto Klemperer sang. Es folgte ein Engagement am Stadttheater Düsseldorf. Bei den Bayreuther Festspielen von 1931 sang er den Reinmar von Zweter im Tannhäuser und den Titurel im Parsifal unter Arturo Toscanini, der ihn sehr schätzte, sowie den Steuermann in Tristan und Isolde unter Wilhelm Furtwängler.[1]
Er musste 1933 Deutschland aufgrund der Rassenpolitik der Nazis verlassen und ging nach Österreich. 1938 reiste er für eine Tournee in die USA und kehrte erst zwei Jahre später nach Ungarn zurück. Mittlerweile herrschte auch dort ein Auftrittsverbot für jüdische Sänger. Nur bei Omike in der Budapester Goldmark-Halle gab es noch die Möglichkeit für jüdische Künstler auftreten zu können. 1944 wurde er ins KZ nach Bergen-Belsen deportiert. Er war in der Gruppe von 1683 ungarischen Juden, die durch die Organisation von Rudolf Kasztner in die Schweiz ausreisen konnten.
Nach dem Krieg sang Ernster in Basel. Im November 1946 debütierte er unter Fritz Busch als König Marke in Tristan und Isolde an der Metropolitan Opera. Hier verabschiedete er sich nach 175 Vorstellungen im Dezember 1963 als Großinquisitor in Don Carlos von seinem New Yorker Publikum.[2] Danach zog er zurück in die Schweiz. In Ungarn trat er zuletzt 1966 als Sarastro in der Zauberflöte, die im Freilufttheater der Margareteninsel aufgeführt wurde, auf.[3] Er starb 1981 in Zürich.[4]
Hauptrollen
- Sarastro (Mozart: Die Zauberflöte)
- Il Commendatore (Mozart: Don Giovanni)
- Daland (Wagner: Fliegender Holländer)
- Hermann Landgraf von Thüringen (Wagner: Tannhäuser)
- Hunding (Wagner: Die Walküre)
- König Marke (Wagner: Tristan und Isolde)[5]
Diskographie
Ein Beispiel ist die Aufnahme aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikverein, 1958
- Joseph Haydn: Die Schöpfung, Dirigent Jascha Horenstein, Gabriel und Eva: Mimi Coertse, Uriel: Julius Patzak, Raphael und Adam: Dezső Ernster, Wiener Volksopernorchester, Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde. turnabout records TV 34184/5 S
Literatur
- Imre Fábián: Ernster Dezső. Zeneműkiadó, Budapest 1969. (Auf Ungarisch mit einer Einleitung von Otto Klemperer.)
- Ernster, Dezso. In: Harold Rosenthal und John Warrack: The Concise Oxford dictionary of Opera. Oxford University Press, Oxford / New York 1979, S. 155
- Luciano di Cave: Mille voci una stella (Tausend Stimmen ein Stern). Carucci Editore, Roma 1985. (Das Werk dokumentiert den Beitrag jüdischer Sänger zur Operntradition.)
- Ernster, Dezsö. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 1353 f
Hörbeispiele
Weblinks
- Tonträger von Dezső Ernster im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Sophie Fetthauer: Dezső Ernster im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM)
- Dezső Ernster bei Discogs
- Dezső Ernster bei IMDb
- Klaus Ulrich Spiegel: „Ein Meistersinger muss er sein“ – Dezsö Ernster: Basso serioso, Herz- und Hirnsänger