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Didi (Kunstfigur)

von Dieter Hallervorden verkörperte und mitentwickelte komische Kunstfigur From Wikipedia, the free encyclopedia

Didi ist eine von Dieter Hallervorden verkörperte und mitentwickelte komische Kunstfigur, die vor allem durch die Fernsehserie Nonstop Nonsens populär wurde und später u. a. als übergreifende Persona in verschiedenen Kino-, Fernseh- und Musikproduktionen weitergeführt wurde.[1][2]

Dieter Hallervorden in einem Bühnenprogramm der 1970er Jahre
Dieter Hallervorden in einem Bühnenprogramm der 1970er Jahre

Entstehung

1960 gründete Dieter Hallervorden das politische Kabaretttheater Die Wühlmäuse. Die Didi-Figur hat er dort zunächst in den 1970er-Jahren entwickelt und gespielt.[3] Die Idee für ein Wochenend-Blödelprogramm war schließlich so erfolgreich, dass das Fernsehen auf Hallervorden aufmerksam wurde. Dabei nannte sich die erste Fassung des späteren Nonstop Nonsens-Programms, das auch die Didi-Figur deutschlandweit etablieren sollte, Da kichert die Klamotte.[4] Für die Fernsehaufzeichnungen wurde das Theater schließlich technisch angepasst, bevor der Süddeutsche Rundfunk Nonstop Nonsens unter der Regie von Heinz Liesendahl produzierte.[3][5] Zu Hallervordens langjährigen Weggefährten in dieser Phase gehörte auch der Regisseur Ralf Gregan, der dessen Hinwendung zum Slapstick rückblickend mit dem zuvor jahrelang nur mäßigen wirtschaftlichen Erfolg der Wühlmäuse erklärte.[4]

Nonstop Nonsens

Nonstop Nonsens hatte am 29. März 1975 Premiere und umfasste bis 1980 insgesamt 20 Folgen.[2] Dieter Hallervorden war hierbei auch Erfinder und Co-Texter der populären Serie. Neben verschiedenen Hauptrollen Hallervordens galt Didi Meisenkaiser als eine der zentralen Figuren. In der ersten Folge hieß die Figur hierbei noch Herr Slap, bevor sie anschließend umbenannt wurde.[6] Didi wurde in unterschiedlichen Fortsetzungsgeschichten innerhalb der jeweiligen Folgen gezeigt, in denen er sich unter anderem als Privatdetektiv, Taxifahrer, Strohwitwer oder im Wilden Westen behaupten musste.[2]

Charakterisierung

Didi wird als Tölpel charakterisiert, der mit grundsätzlich viel gutem Willen an neue Situationen herangeht, jedoch regelmäßig in Fettnäpfchen tritt und mit den Tücken des Alltags kämpft. Dabei gehören sein Stolpern, Stammeln und die wandelbare Mimik zu den charakteristischen Elementen seines Auftretens.[7]

Didi und Dieter Hallervorden

Hallervorden äußerte sich in einem 2015 erschienenen Deutschlandfunk-Interview dahingehend, dass in Didi große Teile seiner Persönlichkeit steckten und die Figur viel von dem jungen Dieter sei, zugleich aber sei Didi nicht mit ihm selbst gleichzusetzen. Die Kunstfigur sei für ihn nur ein Teil seines schauspielerischen Schaffens gewesen.[1]

Die Filme

Die Didi-Figur wurde ab den 1980er-Jahren in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen erfolgreich weitergeführt und als Didi-Filme vermarktet.[8][9] Bereits in früheren Produktionen wie der Filmkomödie Mehrmals täglich (1969) und dem Fernsehthriller Der Springteufel (1974) übernahm Hallervorden tragende Rollen; filmportal ordnet den Beginn seiner eigentlichen Didi-Kinophase jedoch erst nach dem Ende von Nonstop Nonsens zu Beginn der 1980er-Jahre ein.[8] Den eigentlichen Auftakt bildete 1980 der Fernsehfilm Mein Gott, Willi!, der auch unter dem weiteren Titel Mein Gott, Didi geführt wurde, bevor ab 1981 eine Reihe von Kinokomödien bis hin zu Alles Lüge im Jahr 1992 folgte.[10][9]

Insgesamt entstanden unterschiedliche Filme, die sich jedoch immer weiter von der eigentlichen Figur entfernten, sodass die späteren Filme weniger mit dem klassischen Slapstick und mehr mit Hallervordens satirischer und kabarettistischer Rückkehr gemeinsam haben.[11] Auch in der späteren Rezeption wurden diese Kinofilme weiterhin unter dem Didi-Label zusammengefasst; Deutschlandfunk Kultur bezeichnete die entsprechenden Arbeiten als Hallervordens „kanonisches ‚Didi‘-Werk“.[9] Hallervorden war bei mehreren dieser Produktionen neben seiner Hauptrolle auch kreativ beteiligt und wirkte unter anderem als Drehbuchautor beziehungsweise Drehbuchmitarbeiter mit;[12] bei Didi und die Rache der Enterbten führte er gemeinsam mit Christian Rateuke Regie.[13]

Die Didi-Figur wurde in den Filmen dabei auch nicht mehr als die konkrete Einzelfigur Didi Meisenkaiser eingesetzt, sondern als übergreifender Charakter mit Namen wie Harry App in Ach du lieber Harry (1981),[14] Bruno Koob in Didi – Der Doppelgänger (1984),[15] Dieter „Didi“ Dödel in Didi und die Rache der Enterbten (1985)[16] oder Willi Schulze in Didi – Der Experte (1988).[17] In der Kinokomödie Didi auf vollen Touren (1986) nannte man die Figur jedoch auch Didi.[18]

Filmografie

Weitere Fernsehproduktionen

Neben den Filmen entstanden weitere Fernsehproduktionen, wodurch die Didi-Persona auch im Fernsehen der 1980er-Jahre präsent blieb. So wurden unter anderem Welle Wahnsinn, Didi – Der Untermieter und Die Didi Show produziert.[19][20][21][22]

Serien

Weitere Verwendung

Im Rahmen einer politischen Wahlkampagne der FDP spielte Dieter Hallervorden 1983 als Didi die Hauptrolle in einem Wahlwerbespot der Partei, in dem er für die schwarz-gelbe Regierung warb und die politischen Parteien satirisch kommentierte.[23]

Auch bei Musik- und Comedyveröffentlichungen wurde der Name Didi verwendet. So erschienen unter anderem die Alben Didi für Millionen und Didi – Nonstop Nonsens – Sketche und Lieder (beide 1978) sowie Didis Dussel-Disco (1980).[24][25][26] Besonders der Song Du, die Wanne ist voll mit Helga Feddersen erzielte auch außerhalb des Didi-Kosmos Popularität, erreichte Platz 4 der deutschen Charts und hielt sich insgesamt für 21 Chartwochen in der Hitparade.[27] Lieder wie Mit dem Gesicht oder Ich bin der schönste Mann in unserer Mietskaserne oder Der Würger vom Finanzamt wurden wiederum als Lieder innerhalb der Serien Nonstop Nonsens und Welle Wahnsinn populär.[28][29] Als Konzept vieler Didi-Songs wurden hierbei auch bekannte Coverversionen umgetextet.[30] Darunter Santa Maria zu Punker Maria,[31] Super Trouper zu Super Dudler,[32] Rain in May zu Wo ist mein Toupet?[33] oder Feierabend zu Geisterfahrer.[34]

Rezeption, Bedeutung und Nachwirkung

Dieter Hallervorden auf der Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2025
Dieter Hallervorden auf der Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2025

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Kunstfigur Didi auch zum geläufigen Spitznamen und Synonym für Dieter Hallervorden, weshalb auch spätere Arbeiten Hallervordens, in denen er andere Charaktere verkörperte, unter diesem Namen wahrgenommen beziehungsweise vermarktet wurden.[6][35] Neben den zentralen Didi-Geschichten enthält auch Nonstop Nonsens eigenständige populäre Sketche wie Palim-Palim oder Die Kuh Elsa, in denen Hallervorden andere Charaktere spielte.[2]

Einen deutlichen Gegensatz bildeten dabei die zeitgenössische Kritik und der Publikumserfolg. Während die Kritiken zu Nonstop Nonsens teilweise sehr negativ ausfielen, erreichte die Sendung Einschaltquoten von über 50 Prozent und bis zu 30 Millionen Zuschauer.[2] Auch international wurde die Didi-Figur vermarktet. So wurde der Kinofilm Didi – Der Doppelgänger (1984) bis 1985 in insgesamt 37 Länder verkauft.[7]

Dieter Hallervorden haftet das Didi-Image bis heute immer wieder an, wobei er schon in den 1990er-Jahren mit der Rückkehr zu seinen kabarettistischen Wurzeln versuchte, sein Blödelimage abzulegen. Hallervorden selbst erklärte dazu, dass er sich irgendwann von Didi habe trennen müssen, da er mit der Figur künstlerisch nicht die Bereiche erzielen konnte, die ihn ebenfalls reizten.[35] Durch regelmäßige Wiederholungen seiner alten Fernsehsendungen wurde dieses öffentliche Ansehen jedoch immer wieder erneuert.[7][28] In einem 2015 mit dem Deutschlandfunk geführten Interview erklärte er auch, dass er der Figur viel verdanke, aber nicht sein gesamtes Leben nur diesen Charakter spielen wolle.[1]

Die Doku Hallervorden – Didi gegen den Rest der Welt, die im Zuge seines 90. Geburtstages 2025 in der ARD ausgestrahlt wurde, greift ein halbes Jahrhundert nach der Entstehung von Nonstop Nonsens auf Didi zurück. Dabei behandelt das Porträt Hallervordens Karriere vom Didi-geprägten Slapstick-Star in Nonstop Nonsens und den Didi-Filmen zum späten Durchbruch als Charakterdarsteller in Filmen und Serien wie Sein letztes Rennen, Honig im Kopf und Mein Freund, das Ekel. Hierbei wird auch die jahrzehntelange Identifikation mit der Didi-Figur aufgegriffen.[36][37]

Heimkinoveröffentlichungen

Turbine Medien veröffentlichte mehrere Didi-Produktionen einzeln sowie gebündelt auf DVD und Blu-ray. Die große Didi-Film Collection umfasst die sieben Kinofilme Ach du lieber Harry, Der Schnüffler, Didi – Der Doppelgänger, Didi und die Rache der Enterbten, Didi auf vollen Touren, Der Experte und Bei mir liegen Sie richtig und erschien sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray.[38] In der großen Didi-Serien Collection wurden Nonstop Nonsens, Didi – Der Untermieter, Die Didi-Show, Zelleriesalat und Gitterspeise, Welle Wahnsinn und Meisterdetektiv Willi Wussel zusammengefasst. Die Sammlung erschien auf 17 DVDs sowie als SD-on-Blu-ray-Ausgabe auf vier Blu-ray Discs.[39]

Einzelne Filme wurden darüber hinaus von Turbine neu restauriert. Didi – Der Doppelgänger und Didi auf vollen Touren erschienen unter anderem in neu restaurierten 4K-Fassungen mit HDR10 und Dolby Vision auf Ultra HD Blu-ray und Blu-ray sowie als limitierte Mediabook-Editionen. Die Veröffentlichungen enthalten zusätzlich umfangreiches Bonusmaterial, darunter Audiokommentare mit Hallervorden und weiteren an den Produktionen Beteiligten sowie Booklet-Texte von Tobias Hohmann.[40][41]

Literatur

Commons: Dieter Hallervorden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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