Die Asche von Bikini

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Die Asche von Bikini (russischer Originaltitel: Пепел Бикини, wiss. Transliteration Pepel Bikini) entstand aus der Zusammenarbeit des späteren Science-Fiction-Autors Arkadi Strugazki und des Journalisten Lev Petrov. Die Powest behandelt die Ereignisse vor und nach dem Atomwaffentest auf dem Bikini-Atoll vom 1. März 1954. Es ist die erste Veröffentlichung von Arkadi Strugazki, der später nahezu ausschließlich gemeinsam mit seinem Bruder Boris schrieb.

Inhalt

Die Geschichte gliedert sich in vier Abschnitte. Im ersten Abschnitt Im stillen Ozean wird die Vorbereitung des Atombombenversuchs beschrieben – zum einen aus der Sicht der verantwortlichen Offiziere, zum anderen aus derjenigen der einfachen Arbeiter, die sich für diese Aufgabe anheuern ließen, um den prekären Verhältnissen zu Hause zu entfliehen, ohne aber den Hintergrund ihrer Arbeit zu kennen. Der Abschnitt endet mit der Zündung der Bombe, deren Auswirkungen stärker waren, als von den Wissenschaftlern erwartet.

Der zweite Abschnitt Der Himmel brennt ist zunächst ein Rückblick auf die Zeit vor der Explosion. Er beschreibt die Probleme der japanischen Fischer, die nach dem verlorenen Krieg von Bankrott und Arbeitslosigkeit bedroht sind. Die bisher erfolglose Besatzung des Bootes „Glücklicher Drache“ beschließt, nahe des militärischen Sperrgebiets zu fischen, um vor der Rückkehr in den Heimathafen eventuell doch noch einen guten Fang einzufahren. Dabei werden die Fischer Zeugen – und Opfer – des Atomwaffentests. Nachdem sie wieder zu Hause angekommen sind, treten erste Anzeichen der Strahlenkrankheit auf.

Der dritte Teil Die Asche des Todes spielt in Tokio. Die verstrahlten Fischer werden im dortigen Krankenhaus behandelt. Neben den japanischen Ärzten bringen sich auch amerikanische Militärärzte ein – in erster Linie aber aus Interesse, die Auswirkungen der Verstrahlungen unmittelbar untersuchen zu können, zum anderen auch deshalb, um die Fischer – gegen Bezahlung – dazu zu bringen zuzugeben, dass sie verbotenerweise in militärisches Sperrgebiet eingedrungen seien. Der Abschnitt endet mit der Beerdigung des Funkers des „Glücklichen Drachen“, der der Strahlenkrankheit erlegen ist. Die Beisetzung wandelt sich zu einer politischen Kundgebung gegen die USA und Atomwaffen im Allgemeinen.

Der abschließende Abschnitt Singende Stimmen ist quasi ein Epilog. Die verantwortlichen amerikanischen Offiziere müssen keineswegs mit negativen Konsequenzen rechnen – im Gegenteil, sie dürfen weiterhin an der Erforschung neuer nuklearer Waffen mitwirken. In Japan hat sich die Gruppe der „Singenden Stimmen“ gebildet, die sich gegen Atomwaffen engagiert.

Entstehung

Die Idee zu dieser Erzählung hatte Lev Petrov. Er war ein Studienkollege von Arkadi Strugazki am Militärinstitut für Fremdsprachen und diente mit ihm zusammen im Fernen Osten in der sowjetischen Armee. Strugazki, der Dolmetscher für Japanisch und Englisch war, verfasste die Geschichte spätestens Ende 1954[1].

Rezeption

Die erste Rezension erschien im November 1956 in der Zeitschrift „Der junge Fernöstler“ [ru: Молодой дальневосточник]. Der Autor, N. Soltan, betonte die Schwierigkeit der Aufgabe, die sich die Autoren gestellt hatten: Sie wollten „die Taten der ausländischen Händler des Todes sowie das moderne Japan, den Kampf seines Volkes um Unabhängigkeit und seinen Wunsch nach Frieden“ nicht in einem Zeitungsartikel, sondern mit den Mitteln der Belletristik – durch die Darstellung menschlicher Charaktere – vermitteln. Das Ergebnis wurde als nicht ganz gelungen angesehen, da die Handlung an sich viel spannender hätte gestaltet werden können. Auch die fehlende dramatische Spannung wurde bemängelt: Trotz der Tragik der Ereignisse fehle es der Erzählung an einem sich steigernden Spannungsbogen[2].

Der polnische Literaturwissenschaftler Wojciech Kajtoch beschrieb Die Asche von Bikini in seiner Monografie über die Strugazkis von 1993 als ein typisches Beispiel „antiimperialistischer Prosa“ jener Zeit. Die Handlung hätte eine spannende Entwicklung, psychologische oder sozialpolitische Analysen ermöglicht, doch die Autoren ließen diese Chancen ungenutzt. Ereignisse werden aufgezählt oder angedeutet, aber nicht durch die Figuren selbst erlebt oder aus ihrer persönlichen Sicht geschildert. Der innere Kosmos der Charaktere ist für die Autoren nicht von Bedeutung – sie denken und sprechen ausschließlich über das, was für die Autoren wichtig ist[3].

Ausgaben

Erstmals veröffentlicht wurde Die Asche von Bikini in der Oktober-Ausgabe des Jahres 1956 der Zeitschrift Der Ferne Osten[1.1]. Ein Jahr später wurde die Geschichte in der Ausgabe 12/1957 der sowjetischen Zeitschrift Jugend nochmals veröffentlicht[4]. In Buchform erschien das Werk 1958 im Verlag für Kinderliteratur Detgiz.

Die drei russischen Ausgaben unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander. Der Strugazki-Biograph Pavel Poljakov verglich die drei Fassungen miteinander. Die umfangreichste ist die Buchausgabe von 1958, während die Veröffentlichung von 1957 erheblich gekürzt ist. In der ursprünglichen Fassung wurden die Erlebnisse der Amerikaner nur angedeutet, während sie in den späteren Ausgaben deutlich mehr Gewicht bekamen[5].

Neben diesen russischen Ausgaben erschien 1958 eine chinesische Übersetzung und 1960 eine Übersetzung in die moldauische Sprache. Eine offizielle deutsche Übersetzung liegt nicht vor.

  • Дальний Восток („Der ferne Osten“) Nr. 5, Chabarovsk, Oktober 1956 (Erstausgabe)
  • Юность (М.) („Jugend“) Nr. 12, Moskau, 1957
  • Детгиз (Detgiz-Verlag) Moskau, 1958
  • 死亡的灰塵 / 比基尼灰尘 (Sǐwáng de huīchén/ Bǐjīní huīchén) („Die Asche des Todes“ / „Bikini-Staub“), Jiangsu Literatur- und Kunstverlag, Nanking 1958

Einzelnachweise

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