Die Auflehnung
Film von Manfred Stelzer (2010)
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Die Auflehnung ist ein Fernsehfilm, den Manfred Stelzer nach der Vorlage des gleichnamigen Romans von Siegfried Lenz, der 1994 erschien, drehte.
| Film | |
| Titel | Die Auflehnung |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Länge | 90 Minuten |
| Produktionsunternehmen | Aspekt-Telefilm |
| Stab | |
| Regie | Manfred Stelzer |
| Drehbuch | Lothar Kurzawa |
| Produktion | Markus Trebitsch |
| Musik | Jörg Lemberg |
| Kamera | Wedigo von Schultzendorff |
| Schnitt | Bernd Schriever |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Frank Wittmann ist Fischmeister in einem norddeutschen Teichgebiet. Er wollte die Fischwirtschaft von seinem Vater nicht übernehmen, aber wurde dazu gezwungen. Er beneidete und beneidet seinen Bruder Willy, der in die weite Welt gehen konnte. Nun lebt er mit seiner Frau Sophie und der Tochter Ute auf dem väterlichen Hof, der juristisch zur Hälfte seinem Bruder Willy gehört. Das Auskommen als Fischmeister ist schwer erarbeitet. Nicht nur, dass es vorkommt, dass Virenbefall die Fischausbeute von Teichen drastisch reduzierte. Jetzt sind es die Kormorane, die gerade die Jungfische wegfressen und so für ihn einen gewaltigen Schaden verursachen. Schießen darf er sie nicht, weil sie durch Naturschutzverordnungen geschützt sind. Aber daran kann er sich nicht halten. Er muss durch Abschuss abschrecken und verhindern, dass sie über seine Teiche herfallen.
Frank Wittmann hat inzwischen große finanzielle Probleme. Seine Idee, einen Teil der Hofes zu Gästewohnungen auszubauen, hat große Mengen Geldes verschlungen. Aber Gäste stellten sich nicht ein. Nun sitzt ihm die Bank im Nacken, die die Rückzahlung der Kredite fordert.
Auch sein Bruder Willy hat inzwischen große Probleme. Er war ein geachteter und wichtiger Teeverkoster für ein großes Hamburger Teekontor, was ihm einiges Vermögen und viele Weltreisen einbrachte. Nun hat er seinen Geschmackssinn für die Teesorten verloren. Er kündigt, was seine Frau aufbringt. Sie versteht seine ehrliche Gradlinigkeit nicht. Er solle doch seine hohe Stellung ausnutzen und wenigstens große Abfindungssummen erreichen. Sie verlässt ihn, als er seinen Weg fortsetzt, der ein Abbruch seines bisherigen Lebens darstellt. So kehrt Willy für eine Auszeit auf den väterlichen Hof zurück. Für Frank ist das eine Zumutung, es ist nicht nur der alte Neid auf das Leben des Bruders, es ist auch die Angst, der Bruder könnte nun auch noch Geld fordern. Aber seine Frau Sophie und die Tochter Ute empfangen ihn herzlich und quartieren ihn in der Gästewohnung ein.
Es gibt noch einen Konflikt in der Fischwirtschaft von Frank. Gleich am Beginn ist zu sehen, wie Frank Bernhard Drews unbarmherzig jagt, der nur tote Fische am Teichufer sammelte. Bernhard Drews lebte, nachdem seine Eltern gestorben waren, neun Jahre auf dem Hof. Frank muss für ihn fast zum Vaterersatz geworden sein. Doch dann verdächtigte Frank Bernhard des Betrugs beim Handel mit den Fischen. Den Lohnabzug fand Bernhard ungerecht, so dass er tatsächlich begann, Fische auf eigene Rechnung zu verkaufen. Dann jagte Frank ihn vom Hof. Bernhard wurde für ihn zur Unperson. Auch Willy, den Bernhard um Vermittlung bittet, kann gegen diesen Hass nichts ausrichten. Bernhard hat eine Nerzfarm aufgebaut. Für die Nerze braucht er Fisch als Futter. Ute steckt ihm die Fischreste vom Hof heimlich zu. Die beiden sind heimlich ein Paar und wollen heiraten.
Die Vielheit der Konflikte um Frank kulminiert: Es werden immer mehr Kormorane. Die Bank hat keine Geduld mehr. Henning Holmsen von der örtlichen Polizeiwache jagt ihn wegen der Abschüsse. Bernhard macht Anschläge auf seine Teiche und gibt ihm das Geheimnis preis, dass er und Ute zusammen sind und heiraten wollen. Dazu noch plädiert Willy dafür, dass Frank, seine Tochter nicht an den Hof binden sollte, wie es sein Vater mit ihm gemacht hatte: Er solle ihr ermöglichen, in die Stadt zu gehen und zu studieren.
Zur Katastrophe kommt es, als Ute bemerkt, dass Bernard sie betrügt. Sie fühlt sich von Bernhard verraten, gar in seiner Auseinandersetzung mit Frank instrumentalisiert. So lässt sie in Wut die Nerze aus Bernhards Nerzfarm frei. Bernhard ruiniert zeigt Ute und Frank an.
Frank möchte, dass sich Ute bei Bernhard entschuldigt, so dass dieser die Anzeige zurückzieht. Ute will dies tun und gar mit ihrem Ersparten eine Wiedergutmachung leisten. Sie geht zu Bernhard. Doch Bernhard kommt mit seinen Gefühlen nicht klar. Er vergewaltigt Ute am Ende. Ute schießt auf ihn, absichtlich aber daneben. Dann flieht sie. Als Frank Ute abholen will, sieht er Bernhards Haus und die Nerzfarm lichterloh brennen. In der Meinung, Ute wäre noch ihm Haus, stürzt er in den Brand und rettet Bernard aus dem Feuer. Wieder zu Hause erfährt Frank von Willy, dass Ute in der Gästewohnung ist. Zärtlich tröstet er sie dort, wohl ihrem Wunsch nachgebend, zum Studium in die Stadt zu gehen. Willy wird ihre Arbeitskraft ersetzen, zumal Willy mit seinem Vermögen die Schulden des Hofes übernommen hat.
Ganz am Ende kann Frank nun sagen, dass er sich freut, dass Willy auf den Hof zurückgekehrt ist.
Produktion
Der Film wurde im Auftrag der ARD von der Aspekt-Telefilm gedreht. Es ist die dritte Siegfried-Lenz-Verfilmung mit Jan Fedder als Hauptdarsteller. Die Erstaufführung war am 28. Oktober 2010 im Ersten (ARD).
Rezeption
Rainer Tittelbach ist nicht zufrieden: „Der Subtext, die Tragik der sich wiederholenden Familiengeschichte und die Titel gebende Auflehnung in dreifacher Ausführung, findet irgendwo zwischen Roman und Filmhandlung, zwischen Dialogen und Konflikten statt, physisch, sinnlich, in den Bildern spürt man sie nicht. Man hat auch den Eindruck, die Tiefe der Charaktere bleibe unausgeschöpft. Der Film hat durchaus starke Szenen: vor allem für die unbeholfene „Sinnsuche“ von Bruder Willy findet André M. Hennicke stets den passenden Ausdruck. Auch die Besetzung der jungen Frauen, die sich etwas anderes vom Leben erhoffen als die Elterngeneration, mit zwei weitgehend unbekannten Gesichtern, gibt einigen Szenen eine doppelte Frische. Im Ganzen aber wirkt der Film seltsam leblos, unfilmisch, unphysisch – das dramatische und das erzählende Prinzip finden nicht zusammen. Man sollte dankbar sein für jeden Versuch, den herkömmlichen Schicksalsgeschichten und der sich am Krimi orientierenden Dramaturgie etwas entgegenzusetzen. Im Falle von „Die Auflehnung“ ist der Versuch weitgehend gescheitert.“[1]
Jürgen Kirsch lobt die schauspielerische Leistung von Jan Fedder: „...doch schnell merkt man, dass das Schauspiel von Jan Fedder wunderbar in die Rolle des misstrauischen Familienvaters passt, der für sein Geschäft kämpft, koste es was es wolle. Auch die launige Art passt gut in die Teichlandschaft, verspürt man doch hier auch etwas Eintönigkeit.“ Aber er hat auch Probleme mit der Dramaturgie: „Natürlich hat Drehbuchautor Lothar Kurzawa auch einige Anpassungen vornehmen müssen, doch die Grundthematik bleibt dieselbe, denn nahezu jede Figur in dem Film möchte sich gegen sein eigenes Schicksal auflehnen – im stillen Protest oder eben mit brachialer Gewalt. Doch ist dies eben die hauptsächliche Aussage des Dramas, was aber erst zum Ende richtig deutlich wird. Zuvor versäumt man es leider die Figuren genauer zu zeichnen, viel mehr beschäftigt man sich mit ihren Konstellationen, die man aber besser begreifen würde, hätte man die Charakterzeichnung etwas mehr forciert. Die Rebellion der Figuren im Film gegen Natur oder bestehenden Strukturen der Gesellschaft kommt ebenfalls erst in der letzten halben Stunde richtig in Fahrt.“[2]
Zusammengefasst: „Gut gespielter dramatischer (Fernseh-)Film nach einem Roman von Siegfried Lenz. Auch wenn der Reichtum an Motiven nicht konsequent genug verdichtet wird, nimmt er durch seine angenehm spröde Haltung für sich ein.“[3]