Die Blechtrommel (Film)

deutscher Spielfilm von Volker Schlöndorff (1979) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Blechtrommel ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Günter Grass durch Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1979. Er ist der erste der mittlerweile vier deutschen Filme, die als Bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Neben anderen Filmpreisen erhielt er auch die Goldene Palme in Cannes.

TitelDie Blechtrommel
ProduktionslandDeutschland, Frankreich
Erscheinungsjahr1979
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Die Blechtrommel
Produktionsland Deutschland, Frankreich
Originalsprache Deutsch, Polnisch, Russisch, Italienisch
Erscheinungsjahr 1979
Länge 142 Minuten
BD Director’s Cut: 163
DVD Director’s Cut: 156 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Volker Schlöndorff
Drehbuch Volker Schlöndorff
Jean-Claude Carrière
Franz Seitz junior
Produktion Anatole Dauman
Franz Seitz junior
Musik Maurice Jarre
Kamera Igor Luther
Schnitt Suzanne Baron
Besetzung
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Handlung

Im Herbst des Jahres 1899 hockt die Danzigerin Anna Bronski, Oskars Großmutter, am Rand eines Kartoffelackers, als plötzlich der Brandstifter Joseph Koljaiczek am Horizont erscheint. Er ist auf der Flucht vor den preußischen Feldgendarmen und bittet sie verzweifelt um Schutz, woraufhin Bronski ihn unter ihrem Rock vor den Gendarmen versteckt. Koljaiczek schwängert sie, und neun Monate später bringt die nun mit Koljaiczek verheiratete Anna eine Tochter zur Welt, die sie Agnes tauft. Koljaiczek gelingt es noch ein Jahr, sich die Behörden vom Hals zu halten, doch als sie ihn finden, flieht er, springt in einen See und wird nie wieder gesehen. Oskar spekuliert, dass er entweder ertrunken oder nach Amerika geflohen ist und in Chicago mit Brandschutzversicherungen zum Millionär geworden ist.

Als junge Frau verliebt sich Agnes in ihren Cousin, den Polen Jan Bronski, heiratet jedoch den Deutschen Koch Alfred Matzerath, ohne ihr Verhältnis mit Bronski zu beenden.

1924 kommt Oskar Matzerath zur Welt. Der intelligente, später frühreife Oskar hat schon als kleines Kind das Bedürfnis, seine Umwelt genau zu beobachten. Zu seinem dritten Geburtstag bekommt er eine Blechtrommel geschenkt, die weiß-rot lackiert ist (wie die Nationalfarben Polens).

Während der Feierlichkeiten zu Oskars dritten Geburtstag beschließt Oskar jedoch, dem Gesaufe und Verhalten der Erwachsenen abgeneigt, nicht mehr zu wachsen und stürzt sich mit Absicht die Kellertreppe hinunter.

Von diesem Tag an hört Oskar auf zu wachsen. Seine Trommel lässt er nicht mehr aus der Hand nehmen und nimmt sie überall mit hin. Zudem entwickelt er einen lauten, schrillen Schrei, mit dem er Glas zerbersten lassen kann.

Von anderen Kindern hält sich Oskar eher fern. Als einige Nachbarskinder im Hinterhof lebende Frösche in kochendes Wasser werfen und mit Urin anreichern, wird er gezwungen, ein paar Löffel des Gebräus zu schlucken. Jeden Donnerstag macht Agnes Matzerath, tatsächlich oder nur vorgeblich, Einkäufe in der Stadt und trifft sich danach zum Sex mit Bronski in einer Pension. Stets gibt sie Oskar währenddessen bei dem jüdischen Spielzeug- und Gemischtwarenhändler Sigismund Markus ab, bei dem er eine neue Trommel bekommt, wenn die alte verschlissen ist. An einem dieser Donnerstage steigt Oskar auf den Stockturm und lässt von dort aus die Fenster des Stadttheaters bersten.

Bei einem Zirkusbesuch 1936 mit seinen Eltern freundet sich der noch immer 94 Zentimeter kleine Oskar mit dem Artisten Bebra an, welcher 52 Jahre alt ist und sein Wachstum mit zehn Jahren eingestellt ist. Bebra, der Oskars Fähigkeiten bewundert und als für einen Zirkus geeignet ansieht, lädt ihn ein, mit ihnen zu ziehen, doch Oskar möchte lieber in Danzig bleiben. Nachdem Alfred Matzerath in die NSDAP eingetreten ist, versteckt sich Oskar bei einer NS-Massenveranstaltung unter dem Rednerpult. Er fängt an, einen Walzertakt zu trommeln, auf den die Musikkapelle einstimmt und die Menschen daraufhin zu tanzen beginnen. Die Veranstaltung muss jedoch wegen plötzlich aufziehendem starken Regen abgebrochen werden.

Am Karfreitag 1938 fährt die Familie nach Brösen. Am Ufer der Ostsee zieht ein Stauer einen Pferdekopf aus dem Wasser, in dem sich Aale gesammelt haben. Voller Ekel wendet sich Agnes ab und erbricht sich. Alfred hingegen kauft dem Stauer Bündel Aale ab und bereitet zu Hause Aal Grün zu. Noch immer traumatisiert von dem Anblick des Pferdekopfes weigert sich Agnes vehement die Aale auch nur zu probieren, was Alfred nicht hinnehmen will, woraufhin es zum Streit kommt und Agnes weinend aus dem Zimmer flüchtet.

Bronski geht zu ihr, greift der schluchzenden Agnes unter den Rock, um sie zu befriedigen und zu beruhigen. Das Geschehen wird von Oskar beobachtet, der sich im Kleiderschrank des Schlafzimmers versteckt hatte. Als Bronski und Agnes wieder ins Esszimmer kommen, setzt sie sich an den Tisch und verspeist schweigend und mit trotzigem Gesichtsausdruck das bereits erkaltete Aalgericht.

Agnes offenbart ihre von ihr selbst so empfundenen Sünden im Beichtstuhl. Der mitgenommene Oskar klettert auf eine Marienstatue und versucht, ihr Jesuskind zum Betätigen seiner Blechtrommel zu bringen. Da es stumm bleibt, übernimmt Oskar das Trommeln selbst, bis er vom herbeistürmenden Geistlichen verscheucht wird. Danach beginnt Agnes, wahllos Fisch zu verschlingen, nachdem sie, offenbar von Bronski, schwanger wurde. Agnes will das Kind aber nicht. Ihr Mann Alfred zeigt dafür kein Verständnis. Es sei doch egal, von wem das Kind ist. Später stirbt Agnes an einer Fischvergiftung. Als Markus auf ihrer Beerdigung auftaucht, wird er von nazitreuen Trauergästen verjagt.

Im November 1938 verwüsten SA-Männer das Geschäft von Markus, der sich daraufhin das Leben nimmt. Oskar fährt mit Bronski zu Kobyella, dem Hausmeister der polnischen Post, der seine verschlissene Trommel reparieren könnte. Als Bronski und Oskar das Gebäude betreten, wird Bronski zur Verteidigung des Postamts eingezogen. Oskar erspäht eine neue Blechtrommel, die auf dem obersten Brett eines Regales liegt, möchte sie herunterziehen. Als Kobyella ihm dabei helfen will, wird er von Granatsplittern getroffen. Durch die Detonation fällt die Trommel vom Regal und rollt direkt vor Oskars Füße. Das Gebäude wird von den deutschen Angreifern eingenommen, Bronski und weitere Verteidiger werden erschossen.

Da Oskar für die Bedienung der Kundschaft im Kolonialwarenladen seines Vaters nicht geeignet ist, stellt Alfred die Nachbarstochter Maria Truczinski ein. Bei einem ihrer Bade-Ausflüge an die Ostsee schüttet Maria Brausepulver in ihre Hand und vermischt es mit Oskars Speichel. Anschließend leckt sie die aufschäumende Mischung auf. Als Alfred eines Abends zum Feiern der deutschen Kriegserfolge und seiner Beförderung zum Zellenleiter ausgeht, darf Oskar mit in Marias Zimmer übernachten. Die beiden schlafen im selben Bett und wiederholen das Spiel mit dem Brausepulver. Oskar leckt Maria auch welches aus ihrem Bauchnabel, worauf es zum Sex zwischen den beiden kommt. Eines Tages überrascht Oskar Maria in flagranti mit seinem Vater. Als Maria schwanger wird, glaubt Oskar, dass das Kind von ihm ist. Alfred und Maria heiraten, die 1941 einen Jungen zur Welt bringt, der den Namen Kurt erhält.

Oskar lässt sich mit Lina Greff ein, deren Mann sich nach der Aufdeckung seiner Beziehungen zu Hitlerjungen das Leben nahm. Später trifft Oskar wieder auf Bebra, der inzwischen mit seiner Artistentruppe im Dienst des Reichspropagandaministeriums steht. Bebra stellt Oskar die schöne, ebenfalls kleinwüchsige Italienerin Roswitha Raguna vor. Dieses Mal schließt sich Oskar dem Zirkus an und fährt 1944 mit den anderen Kleinwüchsigen nach Frankreich, wo er schnell zum Star der Attraktion wird.

Eines Abends nach einem Auftritt hat Oskar Sex mit Roswitha und verliert so seine Jungfräulichkeit. Jedoch muss das Wehrmachtsquartier, wo die Artisten mit untergebracht sind am nächsten Morgen geräumt werden, da es von den vorrückenden Alliierten angegriffen wird. Als Roswitha sich vor der Abreise noch eine Tasse Kaffee aus der Feldküche holt, wird sie hierbei von einer Granate getroffen und getötet.

Oskar kehrt schließlich ins im Trümmern liegende Danzig zurück, wo er von Alfred sichtlich erleichtert empfangen wird. Zu Kurts dritten Geburtstag bekommt er von Oskar, wie versprochen, eine Blechtrommel.

Im Frühjahr 1945 stoßen Soldaten der Roten Armee nach Danzig vor. Als die Russischen Soldaten ihr Haus stürmen versuchen Alfred, Maria, Oskar, Kurt und Lina Greff noch vergeblich, sich im Keller zu verstecken, werden jedoch entdeckt. Lina wird von mehreren der Soldaten vergewaltigt. Alfred muss befürchten, durch sein Parteiabzeichen enttarnt zu werden. Oskars Versuche, seinem Vater zu helfen, sind vergebens. Alfred sieht keinen anderen Ausweg mehr, als sein Parteiabzeichen zu verschlucken, welches ihm jedoch im Halse stecken bleibt, woraufhin er von den Russen erschossen wird.

Der Kolonialwarenladen der Mazeraths wird Herrn Fajngold nach der NS-Kapitulation zugesprochen, dessen Frau und sechs Kinder in Treblinka ermordet wurden. Alfred wird in einem Sarg begraben, welcher notdürftig aus Lebensmittelkisten zusammengezimmert wurde. Während der Beerdigung seines Vaters wirft Oskar seine Trommel in das offene Grab. In diesem Moment wird er von einem Stein am Hinterkopf getroffen, den Kurt geworfen hatte. Oskar stürzt in das Grab, wird aber nur ohnmächtig. Seine Trommel lässt er im Grab zurück. Im Alter von nun 21 Jahren setzt sein Wachstum wieder ein.

Nach Kriegsende 1945 zieht Maria Matzerath mit Oskar und Kurt zu ihrer Schwester ins Rheinland. Die Frau Fajngolds wollte Maria nicht werden, der ihr dies angeboten hatte, um einer möglichen Vertreibung zu entgehen. In der letzten Szene geht die Reise mit dem Zug in eine ungewisse Zukunft. Oskars Großmutter bleibt in der Heimat zurück. Neben den Bahngleisen ist wieder eine Frau, die nun alte Anna Koljaiczek, auf einem Kartoffelacker zu sehen.

Produktionsnotizen

Der Film wurde vom 31. Juli bis zum 17. November 1978 in Zagreb, München, Paris, der Normandie, Danzig und West-Berlin gedreht.[2]

Hintergrund

Vergleich mit der Romanvorlage

Schlöndorff nahm nur das erste und zweite von drei Büchern des Romans in den Film auf. Dadurch ersparte sich Schlöndorff jedoch viele Rückblenden und Sprünge in der Handlungsebene, wodurch der Erzählfluss im Film gelitten und der Film-Oskar dadurch im Vergleich zum Oskar aus dem Buch auch einiges an Charaktervielfalt verloren habe. Schlöndorff entschied sich für oft ans Groteske reichende Szenen. Bildhafte Szenen, für die der Roman bekannt ist, werden im Film entsprechend dargestellt: wie mit einem Pferdekopf Aale gefangen werden, bei deren Anblick Agnes erbrechen muss, wie Oskar mit einer Christusfigur in der Kirche spricht oder wie Alfred Matzerath das NSDAP-Parteiabzeichen verschluckt und indirekt daran stirbt. David Bennent lehnte es ab, an einem zweiten Teil des Films mitzuwirken.[3]

Kontroverse

1997 war der Film Gegenstand eines Gerichtsprozesses in Oklahoma in den Vereinigten Staaten. Ein Richter, dessen Tochter die Videokassette aus der Schule mitbrachte, sah sich den Film an und machte ihm den Vorwurf der „Kinderpornographie“. Der klagende Richter nahm Anstoß an der Szene, in der sich Katharina Thalbach und David Bennent in einer Umkleidekabine am Strand zum Schwimmen umziehen. Angeblich habe an dieser Stelle ein „11-Jähriger Oralsex mit einer erwachsenen Schauspielerin“. In der letzten Instanz wurde das Verbot des Films mit der Begründung aufgehoben, die Gesetze würden zwar Material verbieten, in dem sich Minderjährige sexuell betätigen, davon aber jene Materialien ausnehmen, die zum einen „nicht vorwiegend auf Erregung sexueller Gelüste ausgerichtet“ und zum anderen „echte Kunstwerke“ seien. Im kanadischen Ontario wurde der Film mit der Begründung der „Darstellung minderjähriger Sexualität“ dagegen verboten.

Kritik

„Schlöndorffs brillant inszenierte, weitgehend werktreue Verfilmung des Romans von Günter Grass. Eine opulente Bestseller-Verfilmung voller sinnlicher Kraft.“

„Mit großem Aufwand und Staraufgebot betriebene Verfilmung des Romans von Günter Grass. (Wertung: 3 von 4 möglichen Sternen – sehr gut)“

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“, 1990[5]

Rezeption/Aufführungsverbot in China 2013

2013 konnte Die Blechtrommel auf dem ersten Festival des deutschen Films in Peking ohne Angabe von Gründen nicht in den öffentlichen Kinos gezeigt werden, lief aber in einer deutschen Schule. Seit Anfang der 1980er Jahre ist der Film in China verboten.[6]

Auszeichnungen

Fassungen

  • Die Kinofassung (24 fps) aus dem Jahr 1979 hatte eine Laufzeit von ca. 142 Minuten.
  • Die aus dem Jahr 2001 stammende Kinowelt-DVD (25 fps) hat ohne Abspann eine Laufzeit von 133 Minuten 44 Sekunden (135 Min. 47 Sek. mit Abspann), Bei der DVD handelt es sich wahrscheinlich um die Kinofassung. Für das Master der DVD wurde unter Aufsicht von Volker Schlöndorff direkt vom Originalnegativ abgetastet.[7] Eine Umrechnung der DVD-Laufzeit (mit Abspann) von 25 fps auf die 24 fps der Kinoauswertung ergibt eine Laufzeit von ca. 142 Minuten.
  • Die ARD-Ausstrahlung (25 fps) vom 2. April 2006 hatte eine andere Schnittfassung und ohne Abspann eine Laufzeit von 137 Minuten 5 Sekunden (139 Minuten 4 Sekunden mit Abspann).[8] Woher die ARD-Fassung stammt, ist bisher unbekannt.
  • Am 15. Juli 2010 veröffentlichte Kinowelt einen neuen, ca. 20 Minuten längeren „Director’s Cut“.[9] Die DVD (25 fps) hat eine Laufzeit von 156 Minuten,[10] die Blu-ray (24 fps) von ca. 163 Minuten. Das zusätzliche Material wurde nachsynchronisiert.[11]
  • 1998 erstellte Arte eine Fernsehfassung mit akustischer Bildbeschreibung, gesprochen von Christel Körner.[12]
  • Zum 40. Oscar-Jubiläum wurde der Film in 4K restauriert.

Sonstiges

Kinostart

Der Kinostart der Blechtrommel in der Bundesrepublik Deutschland war am 3. Mai 1979. Im Fernsehen der Bundesrepublik war der Film erstmals am 1. Mai 1984 im Ersten Deutschen Fernsehen zu sehen.[13][14]

Sonderanfertigung der Blechtrommel

Für die im Film verwendete rot-weiße Blechtrommel beauftragte Volker Schlöndorff den Musiker und Musikinstrumentenbauer Bernhard Kolberg. Bei der Trommel handelt es sich um eine eigens entwickelte Sonderanfertigung. Kolberg fertigte mehrere Exemplare als Requisiten an. Jeweils ein Exemplar befindet sich im Filmmuseum Frankfurt und im Filmmuseum Düsseldorf.[15][16] Eine dritte Original-Blechtrommel ist, laut Bernhard Kolberg, in Volker Schlöndorffs Privatbesitz.

Eine Abstraktion dieser rot-weißen Blechtrommel ist heute Bestandteil des Firmenlogos von Kolberg Percussion.[17][18][19]

Literatur

  • Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. Ungekürzte Ausgabe. Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), München 1996, 706 S., ISBN 3-423-11821-0.
  • Volker Schlöndorff, Günter Grass: Die Blechtrommel als Film. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1979, ISBN 978-0-00-003397-0.
  • Hans-Edwin Friedrich: Die Blechtrommel (Günter Grass – Volker Schlöndorff). In: Interpretationen: Literaturverfilmungen. Hrsg. von Anne Bohnenkamp in Verb. mit Tilman Lang. Reclam, Stuttgart 2005 (=RUB 17527). S. 255–263, ISBN 3-15-017527-5.

Einzelnachweise

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