Die Eidechsenbraut
nubisches Märchen (AT 409 A: Tierbraut)
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Handlung
Ein Bauer und eine Haarmacherin, die ein fleißiges Ehepaar sind, werden immer ärmer, da die Gefolgsleute des Königs ständig bei ihnen einsteigen und ihnen ihre Habe entwenden. Da bittet die Frau Gott um ein Kind, und sei es nur eine Eidechse, was dieser erhört und ihr das Kind eines Engels gibt. Die sprechende Eidechse, ihre Tochter, bewacht von da an das Haus, sodass die Gefolgsleute des Königs erschrecken, als sie die Stimme der Unsichtbaren hören und fluchtartig das Haus wieder verlassen. Die Eidechse beginnt dann auch den Garten ihrer Eltern zu bewachen, aus dem die Leute des Königs Früchte stehlen und als diese nicht mehr entwendet werden, schlüpft sie jeden Nachmittag aus ihrer Eidechsenhaut, um sie als hübsches Mädchen zu pflücken.
Der Sohn des Königs beobachtet sie eines Tages dabei und erklärt seinem Vater, dass er die Tochter der Haarmacherin heiraten werde. Diese weiß, als Tochter der Engel, darüber Bescheid und trägt ihrer Mutter auf, das Haus zu reinigen, wonach die Engel Seidenstoffe auf den Boden des Hauses ausbreiten sowie Stühle aus Gold und Silber aufstellen. Als dann der König eintrifft, um für seinen Sohn um die Tochter des Bauern anzuhalten, ist er von der Einrichtung und den vorgesetzten Speisen sehr beeindruckt; der Bauer erwidert jedoch, dass er keine Tochter habe, nur eine Eidechse, die er aber gerne hergeben wolle. Anschließend wird als Brautpreis ein Hut voller Gold vereinbart, da für eine Echse nicht mehr zu geben sei. Unter dem Hut jedoch sitzen die Töchter der Engel, die das Gold herausnehmen und es in einen Krug der Haarmacherin legen, sodass der König am Ende seinen ganzen Schatz bezahlt.
Mit dem Gold lässt der Vater der Eidechse, auf ihren Wunsch hin, einen siebenstöckigen Palast errichten, bei dessen Bau die Töchter der Engel behilflich sind. Am Tag der Heimführung erscheint die Eidechse dann mit einem an den Schwanz gebundenen Brautkleid auf dem Tanzplatz, woraufhin die Männer den Prinzen auslachen und ihn fragen, wie er dieses Tier lieben könne. Da schlüpft das Mädchen aus seiner Eidechsenhaut und die Töchter der Engel erscheinen, um zu tanzen, wodurch die Männer, ob soviel Schönheit, in Ohnmacht fallen. Die Braut sticht sich daraufhin in den Finger und weckt mit ihrem Blut die Ohnmächtigen wieder auf, wonach für sie und den Prinzen ein glückliches Leben beginnt.[1]
Hintergrund
Das Märchen wurde 1974 in Maragha bei Dongola von Sakīna Idrīs ‘Abd al-Wadūd erzählt und erhielt in Andreas und Waltraud Kronenbergs Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen (Düsseldorf / Köln 1978) den Titel Die Eidechsenbraut. Eine Variante aus Khandaq südlich von Dongola findet sich in Gertrud von Massenbachs Nubische Texte im Dialekt der Kunūzi und der Dongolawi (Wiesbaden 1962) unter dem Titel Das Mauskind.[1]
Literatur
- Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 132–137, 289–290.