Die Frau gegenüber
Film von Hans Noever (1978)
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Die Frau gegenüber ist ein 1977 gedrehtes, deutsches Spielfilmdrama von Hans Noever.
| Film | |
| Titel | Die Frau gegenüber |
|---|---|
| Produktionsland | Bundesrepublik Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1978 |
| Länge | 104 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Stab | |
| Regie | Hans Noever |
| Drehbuch | Hans Noever |
| Produktion |
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| Musik | Robert Eliscu |
| Kamera | Walter Lassally |
| Schnitt | Christa Wernicke |
| Besetzung | |
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Handlung
Simon Schmidt, eine graue Erscheinung mittleren Alters, arbeitet in Berlin als Versicherungsdetektiv. Sein Beruf hat über die Jahre hinweg seinen Charakter, sein Wesen, bestimmt und greift nun auch auf sein privates Umfeld über. Schmidt ist zutiefst allem und jedem gegenüber misstrauisch geworden. Als er eines Abends seinen Arbeitskollegen Janos Kaminski als Gast zu sich nach Hause einlädt, wo er mit seiner deutlich jüngeren Ehefrau Gesine ein bescheidenes und wenig aufregendes Leben führt, meint er zu bemerken, dass seine Gattin Interesse für Kaminski hegt. Von jeher voller Zweifel gegenüber seinen Mitmenschen, traut er auch seiner eigenen Frau nicht über den Weg. Schmidt beginnt, den Kollegen Kaminski zu instrumentalisieren, um sich der Treue Gesines sicher sein zu können und seine eigenen Zweifel zu zerstreuen. Simons aufkeimende Eifersucht führt sogar so weit, dass er Kaminski darum bittet, ein Auge auf seine Frau zu haben, während er, Simon, auf eine mehrwöchige Geschäftsreise gehe. Doch diese Geschäftsreise gibt es nicht, sie ist lediglich vorgetäuscht, um die Standhaftigkeit Gesines zu testen. Denn Schmidt zieht lediglich unter falschem Namen in den Wohnblock gegenüber seiner eigenen Behausung ein, um von dort Gesines Treiben, mit oder ohne Janus Kaminski, mit Fernglas und Abhöranlage zu überwachen.
Für Gesine, die von ihrem väterlichen Ehemann von der Außenwelt geradezu abgeschottet wurde, beginnt erstmals eine Zeit, in der sie frei atmen kann. Es sind kleine Fluchten, kleine Freiheiten, die sie sich nimmt. Sie macht Pläne für banale Unternehmungen wie eine Kaffeefahrt mit anschließender Pelzmodenschau oder auch einen Einkaufsbummel. Janus Kaminski erweist sich, anders als in Simons Befürchtungen, nicht eben als Don Juan oder als sinnliche Versuchung. Unternehmungen mit ihm sind für Gesine ohne erotische Aufregung: Man geht gemeinsam zum Tanz in ein Café von der Sorte „Club der einsamen Herzen“ und isst, als Gipfel ungewöhnlicher Zerstreuung, zusammen Austern. Schmidt protokolliert derweil, wie er es in seinem Beruf gewohnt ist, akribisch all ihre Bewegungen, führt Buch über jede noch so unwichtige Aktivität. An die Wand seiner kargen Behausung hat er seine armselige Maxime verewigt: „Jemand zu lieben, muss man vorläufig vollständig versichert sein, dass nicht die geringsten Zweifel mehr übrig bleiben.“ Da reicht auch schon die unwichtigste Lappalie, um eine Überreaktion zu rechtfertigen. Als Gefangener seines eigenen Misstrauens erschießt er aus sicherer Entfernung seines Verstecks und Horchpostens mit einem eigens mitgenommenen Jagdgewehr Kaminski, als dieser eines Abends nach einem gemeinsamen Abendessen mit Gesine in deren ehelicher Wohnung tanzt. Simon Schmidt kehrt anschließend in seine Wohnung zurück, setzt sich auf das Ehebett und wartet schicksalsergeben auf das Eintreffen der Polizei.
Produktionsnotizen
Die Frau gegenüber entstand zwischen dem 10. Oktober und dem 19. November 1977 in Berlin. Die Uraufführung erfolgte am 24. November 1978 ebenfalls in Berlin.
Kritiken
Robert Fischer und Joe Hembus attestieren Noevers zweitem Spielfilm Die Frau gegenüber in ihrem Buch Der neue deutsche Film eine „einhellig begeisterte Aufnahme“ bei der „internationalen Kritik“. Aus dieser zitieren sie anschließend, wobei der sichere Stil des Regisseurs, die bewusst schmucklosen Schwarzweißbilder des Kameramannes und die wesensdurchdringende Schauspielleistung des Hauptdarstellers bei der „Fabel über das allgemeine Mißtrauen, über die Angst, über das Unbehagen in diesem bequemen, materiellen […] Wertsystem ohne kritische Provokation“ im Vordergrund stehen.[1]
In seiner Zeit-Rezension sah Hans-Christoph Blumenberg in dem Film „eine Studie über Vereinsamung und Eifersucht“, die „fast zwangsläufig mit einem Mord“ endet. Man könne ihn daher als „ausgeklügelten Psycho-Thriller“ verstehen, genauer gesagt „als Beschreibung eines klinischen Falles, einer pathologischen Eifersucht“. Die ausländische Sichtweise mache daraus eine von „öffentlicher Verfolgungsangst und Hysterie“ geprägten „Impression des geistigen Klimas in der Bundesrepublik“. Beide Interpretationen seien berechtigt. Blumenberg hob die „differenzierte Schwarz-Weiß-Photographie“ Walter Lassallys hervor. West-Berlin sei der „Chic ausgetrieben“ worden, stattdessen herrsche „eine Atmosphäre der schäbigen Isolation“, die „die Stadt in ein seltsames, bedrückendes Gefängnis“ verwandle. Sein Fazit: „Ein kleiner, böser, häßlicher, Film: so häßlich wie die Verhältnisse, die er darstellt. Das macht ihn beachtlich.“[2]
Der an Dokumentarfilmen geschulte Noever habe sich, schrieb Wolfgang Limmer im Spiegel, von Oscar-Preisträger Walter Lassally (1965 für Alexis Sorbas) „Schwarzweiß-Bilder“ von Berlin anfertigen lassen, „in denen die sonst trotzig hinter der sklerotischen Glamour-Fassade verborgene Mietskasernen-Tristesse aufscheint“. Nicht minder deprimierend erscheine die inwendige „von Gelsenkirchener Barock und Kulturnippes“ erzeugte Aura von „kleinbürgerlicher Enge“. „Dieses deprimierende Interieur“ sei „geschickter, bisweilen überdeutlicher Ausdruck der zwanghaften Leere in der Beziehung eines Paares“, das unausweichlich auf „Zerstörung durch Eifersucht“ zusteuere. Insgesamt habe Noever mit voller Absicht „so auf Gegenkurs zu den Melodramatikern gesteuert und den leidenschaftlichen Wahn in klammgraue Atmosphäre verpackt“. „Trotz manch unnötig überdeutlicher Symbolismen […], trotz einiger Längen“ sei „ihm doch ein psychologisch spannender Film gelungen, der den unaufhaltsamen Abstieg eines angstgetriebenen Sicherheitswahns in die Selbstzerstörung“ nachzeichne.[3]
Die Filmzeitschrift Cinema gab den Film mit den Worten „[h]intergründiges Drama über die Abgründe der Gefühle“ wieder und bewertete ihn mit drei von fünf möglichen Punkten.[4] Etwas ausführlicher bilanziert das Lexikon des Internationalen Films: „Nur vordergründig ein Thriller, erzählt Hans Noevers gut fotografiertes und darstellerisch überzeugendes Psychodrama von den Verirrungen eines Einzelgängers, der in der Anonymität einer Großstadt zum Voyeur und Mörder wird.“[5]