Die Grablegung Christi (Caravaggio)

Gemälde von Michelangelo Merisi da Caravaggio From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Grablegung Christi von Michelangelo Merisi da Caravaggio ist ein zwischen Anfang 1602 und Ende 1604 entstandenes Gemälde. Es gilt als eines der Hauptwerke Caravaggios und zählt zu den wichtigsten Werken der Barockkunst.

Schnelle Fakten Grablegung Christi ...
Grablegung Christi (Michelangelo Merisi da Caravaggio)
Grablegung Christi
Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1602–1604
Öl auf Leinwand
300× 203cm
Vatikanische Pinakothek, Rom
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Beschreibung

Caravaggio stellt in der „Grablegung Christi“ weder die Kreuzabnahme noch die eigentliche Grablegung dar, sondern den Augenblick, in dem der leblose Leib Christi auf den Stein der Ölung gelegt wird, das heißt auf die Grabplatte, die später das Grab verschießen soll.[1] Er kombiniert dabei die eigentliche Grablegung durch Nikodemus und Johannes (Matthäus 25, 57-60) mit einer Beweinung durch die drei dahinter gestaffelt aufgereihten Marien.[2][3] Die etwas unbeholfene wirkenden, schlicht gekleideten Männer sind ebenso wie die Frauen nicht als Heilige dargestellt, sondern als gewöhnliche Menschen aus dem Volk.[2]

Die sechs Figuren des Gemäldes sind eng aneinander gedrängt angeordnet und agieren auf der über Eck gestellten Grabplatte, die rechts und links auf Steinquadern aufliegt.[3] Den rechten Hintergrund dominiert Maria Kleophae, die, als wolle sie Gott anrufen, verzweifelt und in allerhöchster dramatischer Anspannung ihre Arme gen Himmel streckt.[1][2] Links neben ihr steht mit geneigtem Haupt Maria Magdalena, die mit einem (Taschen)Tuch ihre Tränen abwischt.[3] Die Muttergottes, Maria, ist in einem blauen Nonnengewand als alternde Frau dargestellt. Sie breitet segnend und schützend die Arme aus.[2][3] Im Vordergrund hält der gebeugte Nikodemus, von Johannes (links im Hintergrund) unterstützt, den Leichnam Christi, dessen Leib die gesamte Bildbreite einnimmt. Christus ist nur mit einem weißen Leichentuch bekleidet, das um die Lenden verknotet ist. Seine Gesichtszüge wirken entspannt, doch wird durch die grünliche Gesichtsfarbe unmissverständlich eine Leichnam dargestellt. Die rechte Hand Christi hängt nicht nur schlaff herunter, vielmehr zeigen seine Finger die Segensgeste und berühren dabei die Grabplatte.[3][2] Nikodemus' Blick fordert den Betrachter auf, an ihrem Schmerz teilzuhaben.[4] Um die schwere Last des leblosen Körpers zu tragen, umfasst er mit beiden Armen die Knie Christi und hält dabei mit seiner rechten Hand das Handgelenk der linken. Der linke Ellbogen drängt weit nach vorne, so dass er wie die schräggestellte Grabplatte den Bildraum zu durchstoßen scheint.[3] Die Hand von Johannes, der Christus unter die Arme greift, berührt dessen Seitenwunde.[2] Insbesondere die Gesichter von Mutter Maria und Johannes zeigen tiefen menschlichen Schmerz und die Verzweiflung über den Verlust.[5]

Das Bildmotiv der Grablegung Christi gehört zur Gattung der Andachtsbilder. Es zeigt die Figuren überlebensgroß und entfaltet dadurch eine monumentale Wirkung.

Ausführung

Kompositionslinien laufen zu einem Punkt hin und verleihen dem Gemälde Kraft und Harmonie.

Mit Hilfe starker Hell-Dunkel-Kontraste (Chiaroscuro) gelingt es Caravaggio die Figuren plastisch herauszuarbeiten, was die emotionale Dramatik der dargestellten Szene verstärkt. Deren Glaubwürdigkeit und Intensität wird durch die anatomisch präzise und realistische Darstellung der Figuren weiter vertieft (Realismus). Die Komposition des Bildes ist komplex. Zum einen bilden die weiß hervortretenden Kleidungsteile der Frauenfiguren zusammen mit dem weißen Leichentuch Christi eine Diagonale die von der linken unteren Ecke des Gemäldes zur rechten oberen Ecke verläuft.[2][5] Zum anderen geht die geometrische Struktur des Gemäldes von einem Punkt an Nikodemus’ linker Ferse aus. „Kraftlinien“ laufen wie Radspeichen von diesem Punkt aus und ordnen die Komposition in mehrere „Diagonale“, welche dem Bild Kraft verleihen und gleichzeitig für Ordnung und Harmonie sorgen.[6]

Symbolik

Links unter der Grabplatte wächst eine zu den Aronstabgewächsen zählende Pflanze, eine Spathiphyllum. Sie galt den Kirchenvätern als Auferstehungssymbol.[3]

Der hängende rechte Arm Christi ist ein Element, das in Reliefs der römisch-griechischen Antike in Darstellungen gefallener Helden anzutreffen ist. Hierzu könnte ein römisches Sarkophag-Relief wie das der „Heimtragung Meleagers“ als Vorlage gedient haben.[3]

Michelangelos Römische Pietà

In der Römischen Pietà von Michelangelo stützt Maria mit dem rechten Arm den Oberkörper Christi und berührt dabei mit den Fingerspitzen fast dessen Seitenwunde. Von dieser Darstellung angeregt berühren bei Caravaggio Zeige- und Mittelfinger des Johannes die Wunde. Dies wird als Hinweis auf den ungläubigen Thomas und die Auferstehung Christi gewertet.[3]

Es ist möglich, dass Caravaggio dem Nikodemus die Gesichtszüge Michelangelos gegeben hat.[3] Maria Magdalena und Maria Kleophas tragen wahrscheinlich die Gesichtszüge von Fillide Melandroni, Kurtisane und Caravaggios Lieblingsmodell in jener Zeit.[7]

Historischer Hintergrund und Provenienz

Caravaggio fertigte das Gemälde im Auftrag von Girolamo Vittrice an. Es war als Altarbild (Retabel) für die Familienkapelle der Vittrices vorgesehen. Diese befindet sich in der in Rom stehenden Oratorianerkirche Santa Maria in Vallicella, die auch Chiesa Nuova genannt wird. Nach dem Italienfeldzug Napoleon Bonapartes wurde das Werk 1797 gemäß dem Vertrag von Tolentino nach Paris gebracht. Seit der Rückgabe 1817 hängt es in der Vatikanischen Pinakothek.[1] In der Kirche Santa Maria in Vallicella hängt heute eine Kopie der Werks,[4] die der Maler Michele Koek anfertigte.

Rezeption

Mit der realistischen Darstellung des Leichnams und der Trauernden setzte das Gemälde neue Maßstäbe in der religiösen Malerei und beeinflusste zahlreiche Künstler der Barockzeit und auch danach.[5] So wurde das Bild bereits drei Jahre nach Caravaggios Tod von Peter Paul Rubens als Vorlage für seine „Grablegung“ genutzt. Rubens hielt sich einige Jahre zuvor in Rom auf und hatte dort das Gemälde studiert. Er verkleinerte die Szenerie und vermied die dramatische Darstellung der Maria Kleophae. Vielmehr verwandelte er deren heftige Geste in stille Trauer.[3][8] Darüber hinaus fügte er am rechten Bildrand in düsterer Farbe die Figur des Josef von Arimathäa hinzu.[3]

Der Maler Guy François orientierte sich bei seiner „Grablegung“ eng am Original von Caravaggio. Bei ihm ist Maria Kleophae mit ausgestreckten Armen dargestellt.

Auch der niederländische Maler Dirck van Baburen hat sich von der Caravaggio inspirieren lassen. In seiner Fassung der „Grablegung“ von 1617/18 rückt das Geschehen noch näher an den Betrachter heran. Die Grabplatte wurde zum Sarkophag und Johannes hält Jesus unter den Achseln damit dieser nicht nach vorne fällt. Nikodemus hält auch hier die Beine Christi, doch ist die Last weniger schwer.[3]

Auch das 1793 von Jacques-Louis David geschaffene Gemälde Der Tod des Marat wird mit Caravaggios Darstellung des Leichnams Christi in Zusammenhang gebracht[3] (siehe auch hier).

Literatur

  • Patrick de Rynck: How to Read a Painting. Decoding, Understanding and Enjoying the Old Masters. Thames & Hudson, London 2005, ISBN 0-500-51200-0 (englisch).
Commons: Die Grablegung Christi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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