Wikiwand AI

Die Kakerlake

Roman von Ian McEwan From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kakerlake (englisch: The Cockroach) ist ein satirischer Roman des britischen Schriftstellers Ian McEwan, der sich mit der populistischen Politik Großbritanniens und dem Brexit beschäftigt. Er wurde 2019 vom britischen Verlag Jonathan Cape herausgebracht, die Übersetzung von Bernhard Robben erschien im Diogenes Verlag.

Inhalt

Eine Reihe hochintelligenter Insekten übernimmt die Gestalten vieler britischer Spitzenpolitiker, darunter den Premierminister Jim Sams, der von der titelgebenden Kakerlake gesteuert wird. Das Land befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einer prekären politischen Lage: eine nationalistische, teils militante Bewegung hat sich in der Bevölkerung verbreitet, mit dem Ziel, durch eine Umkehrung der Marktwirtschaft neuen nationalen Reichtum zu gewinnen. Dieser „Reversalismus“ solle die Bürger für getätigte Einkäufe entlohnen und sie für die verrichtete Arbeit bezahlen; gegen das Horten von größeren Mengen Geld würde der Staat mit Gewalt vorgehen. Dieses von Experten als zutiefst schädlich bewertete Projekt wurde in einem Referendum mehrheitlich gewünscht, was das unentschiedene Kabinett um Premier Sams in eine tiefe Krise stürzte.

Die nun mächtigen Insekten setzen es sich zum Ziel, den Reversalismus sofort und kompromisslos durchzusetzen. In diesem Sinne entlässt Jim Sams seinen menschlichen Berater und führt eine Schmierkampagne gegen den menschlichen Außenminister Benedict St John aus. Einen tödlichen Fischerunfall vor der französischen Küste instrumentalisiert er schamlos für Großbritannien, während er sich an den rechtspopulistischen Präsidenten Tupper der USA herantastet und von ihm auf Twitter öffentlich Zuspruch bekommt. Der vollständige Weg zum Reversalismus wird schließlich von seinen Abgeordneten im House of Commons beschlossen und tritt in Kraft, was bei jeglichen internationalen Partnern für Verwirrung und Frust sorgt. Auf die Frage der deutschen Kanzlerin, wieso er so verbissen auf dieses Projekt sei, antwortet er zunächst schlicht: „weil“.

Nach dem Suizid des fälschlich diffamierten Ex-Ministers St John haben die Insekten ihr endgültiges Ziel erreicht und halten eine Kabinettssitzung „auf Pheromon“ ab. Bei ihrem Weg aus dem Regierungssitz wird Sams’ Kollege Trevor Gott, nun wieder in seiner ursprünglichen Form, von einem Müllwagen überfahren. Die anderen Insekten transportieren ihn über die Straße, wobei jeder eines seiner sechs Beine trägt.

Hintergründe

Bei dem Roman handelt es sich um eine Persiflage auf britische Politiker wie Boris Johnson, damaliger Premierminister des Landes

Wie McEwan in einem 2020 erschienenen Vorwort erklärt, handelt es sich bei Die Kakerlake um eine überspitzte Darstellung des Brexit-Referendums und der politischen Reaktionen darauf unter den Premierministern Theresa May und Boris Johnson. US-Präsident Tupper ist eine Satire auf Donald Trump, insbesondere dessen berüchtigte Benutzung von Twitter.

Auch sei der Roman eine Hommage an Franz Kafkas Die Verwandlung, wie die allgemeine Prämisse, der Name „Sams“ (in Anlehnung an Gregor Samsa) und der erste Satz des Buches andeuten. Insgesamt habe er jedoch eher versucht, den Ton und die Wirkung der englischen Politsatire A Modest Proposal einzufangen.

Das Buch ist Timothy Garton Ash, einem Freund McEwans, gewidmet.

Rezeption

Die Reaktionen auf den Roman waren gemischt bis negativ. In einer positiven Kritik im Guardian schreibt Finton O’Toole, der Roman biete „eine gewisse kathartische Befreiung von der bedrückenden Farce“, in die sich der Brexit entwickelt habe.[1] Eine Kritik von Johannes Kaiser in Deutschlandfunk stimmt dem zu und nennt Die Kakerlake zudem einen „leichtfüßigen, kleinen Spaß“.[2]

Negative Rezensionen merken hingegen an, dass der Roman in seiner Kritik flach und thematisch mondän bleibe. In einem Verriss in der New York Times nennt Rezensent Dwight Garner den Roman „zahnlos“ und „so spröde wie das Exoskelett einer Kakerlake“, zudem würde sich McEwan auf das Niveau seiner Gegner herabbegeben, indem er sie als Ungeziefer bezeichnet. Ähnlich negativ äußert sich Robert Shrimsley in der Financial Times. Zwar gäbe es Momente, in denen McEwans Witz und Intelligenz durscheinten, meist sei der Humor in dieser Brexit-Satire platt und der Text wirke, als sei sie „in blinder Wut verfasst“ worden.[3][4] Auch in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau ist zu lesen, dass es dem Roman an Witz und Schärfe fehle.[5]

Ausgaben

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks