Wikiwand AI

Die Liebenden (Nattier)

Gemälde von Jean-Marc Nattier From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Gemälde, genannt Die Liebenden, auf Französisch Les Amoureux, stammt von dem französischen Maler Jean-Marc Nattier und stellt ein weintrinkendes Liebespaar dar. Das Kunstwerk wird heute, als Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, in der Alten Pinakothek in München ausgestellt.

Schnelle Fakten
Die Liebenden (Jean-Marc Nattier)
Die Liebenden
Jean-Marc Nattier, 1744
Öl auf Leinwand
58× 74cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek, München
Schließen
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/Museum

Bildbeschreibung

Das Gemälde zeigt ein junges Paar, das vor einer parkähnlichen Landschaft dargestellt ist. Die beiden Figuren befinden sich im Vordergrund auf einer Sitzfläche. Der Mann sitzt links im Bild, leicht zurück, nach rechts gelehnt. Er trägt ein helles, lockeres Hemd mit weiten Ärmeln, darüber eine helle, offene Jacke sowie passende helle Kniehosen und Strümpfe. Auf seinem Kopf sitzt ein Hut mit auffälligen roten Federn. Sein rechter Arm ist angehoben, in der Hand hält er eine Karaffe mit rotem Inhalt.

Die Frau sitzt rechts neben ihm und lehnt sich leicht zurück. Sie trägt ein weit geschnittenes Kleid in Blau mit weißen Ärmeln und halboffenem Ausschnitt, welcher ihre Brust teils freilegt. Ein an das Kleid gepinntes Band hält dieses davon ab, komplett von ihrer Schulter zu rutschen. Ihr Haar ist hochgesteckt und mit kleinen Bändern oder Schmuckelementen verziert. Mit ihrer linken Hand hält sie die Hand des Mannes, in ihrer Rechten hält sie ein leeres Glas, in welches der Mann im Begriff ist einzuschenken.

Die beiden blicken sich gegenseitig ins Gesicht und haben je eine neutrale bis positive Mimik. Ihre Wangen sind gerötet und ihre Körperhaltung ist einander zugewandt.

Hinter den Figuren befindet sich ein kleiner Tisch, auf dem mehrere Gegenstände arrangiert sind, darunter eine Karaffe, ein Glas und verschiedene Früchte. Der Hintergrund zeigt eine üppige, grün bewachsene Landschaft mit Bäumen. Warme, weiche Farbtöne dominieren die Szene, während Licht und Schatten die Figuren und Stoffe plastisch hervorheben.

Bildbeschreibung: Die Liebenden, Alte Pinakothek, Obergeschoss, Saal XIIa

Symbolik

Eine zentrale symbolische Geste ist das Einschenken des Weins, durch den Mann, für die Frau. In der ikonographischen Tradition steht das Anbieten von Wein für Verführung und das Lösen von Hemmungen. Die Rolle als Einschenkender signalisiert sein aktives Werben um die Zuneigung der Dame.[1] Wein wurde auch als Ermöglicher der Liebe verstanden, Sine Cerere et Baccho friget Venus, ist ein Terenz-Zitat, welches mit „Ohne Kost und ohne Wein kann die Liebe nicht gedeihn“[2] übersetzt werden kann. Dies war ein sehr beliebtes Bildmotiv, welches hier durch den Wein und den mit Obst gedeckten Tisch gezeigt ist. Der Wein selbst ist klassisch mit Bacchus/Dionysos in Verbindung und symbolisiert Lust, Hingabe und Verlangen. In der Kunst erscheint er häufig in Szenen der Verführung und des Werbens als ein Mittel, die Kluft zwischen Anstand und Leidenschaft zu überbrücken.[1] Die Trauben, oben links an den Zweigen, weisen erneut auf Bacchus/Dionysos hin. In der europäischen Kunst vom 15. bis 17. Jahrhundert waren Trauben mit Trunkenheit und Sexualität verbunden. Außerdem wird die Geste des Traubenpressens über einem Becher als Zeichen von Exzess, Trunkenheit und sexueller Einladung oder sexuellem Spiel gesehen[3], hier könnte man das Wein einschenken als eine abgewandelte Version dessen in das Bild hineininterpretieren.

Die verschränkten Hände des Paares erinnern an das aus der antiken Ikonographie bekannte Motiv der dextrarum iunctio, das in der Kunst traditionell Eintracht, Verlobung oder eheliche Verbundenheit symbolisiert. Dass die Frau die Hand des Mannes hält, während er ihr Wein einschenkt, kann als visuelles Zeichen einer erwiderten Zuneigung gelesen werden.

Die Farbe Blau stand lang, unter anderem als Symbol für Beständigkeit, Treue, himmlische Liebe und Wahrheit und wurde im religiösen Kontext mit der Jungfrau Maria und damit mit weiblicher Unschuld in Verbindung gebracht.[4] Hier könnte es durch das halboffene Kleid auf die gerade verlorene Unschuld der Dame hinweisen. Gleichzeitig war Blau eine Farbe die häufig, auch aus astrologischen Gründen, mit Venus in Verbindung gebracht wurde. Deren Attribute, ein errötetes Gesicht, extravagante Kleidung und erotische Darstellung in grünen Gärten ebenfalls im Gemälde gezeigt sind[5], deuten darauf hin, dass die Frau eine Personifikation der Liebe oder der Venus sein könnte.

Federkopfbedeckungen wurden schon vor Nattier bei Trionien, also bei Figuren verwendet, welche keine realen Personen darstellen.[6] Das Gemälde Die Schäfer und die Stilrichtung fête galante von Watteau zeigen außerdem verkleidete Personen, welche auch durch Kopfbedeckungen mit Federn erkennbar sind. Somit ist der hier Dargestellte unwahrscheinlich eine reale Person, sondern, so wie die Dame eine Personifikation für die Liebe sein kann, ist der Herr diesem Schluss nach eine Personifikation für das Verlangen.

Der Verkaufskatalog von 1763 bezeichnet das Bild als Allianz von Liebe und Wein also als Allegorie,[7] somit unterscheidet es sich von Nattiers üblichen Werken, in denen er historische Personen als mythologische Figuren darstellte.

Provenienz

Die Herkunft des Gemäldes ist über mehrere Stationen dokumentiert. Erstmals verzeichnet wurde es am 27. Juni 1763 in Paris, beim Verkauf des Besitzes von Nattier. Dort wurde es als ein in einem goldenen Rahmen befindliches Gemälde aufgeführt, welches die Allianz von Liebe und Wein, oder auch das Frühstück, darstellt.[7]

Das Bild befand sich 1954 in der Galerie Heim in Paris, nach 1966 war es Teil der Sammlung A.P. in Paris, bis es 1968 durch die Bayrische Hypotheken- und Wechselbank erworben wurde. Seit dem Ankauf befindet sich das Werk als Dauerleihgabe in der Alten Pinakothek in München.[7]

Literatur

  • Publius Terentius Afer: Terenzens Lustspiele. Hrsg.: Friedrich Frommann. Band 1. Wien / Leipzig 1799, S. 175.
  • Philippe More: Uva, ubriachezza e sesso nell’arte europea dal XV al XVII secolo. In: Pierluigi Feliciati, Luca Pierdominici, Amanda Salvioni (Hrsg.): Il capitale culturale. Band 10. Università di Macerata, 2020, ISBN 978-88-6056-669-0, S. 2939 (italienisch).
  • Vivian Jacobs, Wilhelmina Jacobs: The Color Blue: Its Use as Metaphor and Symbol. In: American Speech. Vol. 33, No.1. East Orange, New Jersey Februar 1958, S. 29 (englisch).
  • Rebekah Compton: Venus and the Arts of Love in Renaissance Florence. Hrsg.: Cambridge University Press. South Carolina 2021, ISBN 978-1-108-91339-3 (englisch).

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks