Die Lösung (Gedicht)

Gedicht von Bertolt Brecht (1953) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lösung ist ein Gedicht des deutschen Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht aus Anlass des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR. Es ist Bestandteil der Sammlung Buckower Elegien.

Inhalt

Das Gedicht nimmt Bezug auf Flugblätter, die nach der Niederschlagung des Aufstands in der Ost-Berliner Stalinallee verteilt worden waren. Diese erhoben die Forderung, die Bevölkerung müsse ihre Arbeit verdoppeln, um das Vertrauen der Regierung zurückzugewinnen. Daraufhin stellt das Gedicht die Frage, ob es nicht einfacher wäre, die Regierung löse das Volk auf und wähle sich ein neues.

Hintergrund

Am 17. Juni 1953 war es in Ost-Berlin zu Arbeiterdemonstrationen gegen Normerhöhungen gekommen, die noch am selben Tag auf die DDR übergriffen und in Forderungen nach einem Ende der Herrschaft der SED im Lande umschlugen. Sie wurden von den sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland unter Beteiligung von DDR-Sicherheitskräften niedergeschlagen. Brecht bekundete in einem kurzen, aus drei Sätzen bestehenden Brief an Walter Ulbricht seine Verbundenheit mit der SED:

„Werter Genosse Ulbricht, die Geschichte wird der revolutionären Ungeduld der sozialistischen Einheitspartei ihren Respekt zollen. Die große Aussprache mit den Massen über das Tempo des sozialistischen Aufbaus wird zu einer Sichtung und zu einer Sicherung der sozialistischen Errungenschaften führen. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen in diesem Augenblick meine Verbundenheit mit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands auszudrücken.“[1]

Beim Abdruck des Briefes im Neuen Deutschland vom 21. Juni 1953 wurde der zweite Satz weggelassen.[2]

Entstehung

Am 20. Juni 1953 erschien im Neuen Deutschland ein auch als Flugblatt verbreiteter Kommentar[3] des Sekretärs des Schriftstellerverbandes, Kurt Barthel[4] (Autorenkürzel: Kuba), zum Aufstand der Bauarbeiter vom 17. Juni mit den Sätzen: „Schämt ihr euch auch so, wie ich mich schäme? Da werdet ihr sehr viel und sehr gut mauern und künftig sehr klug handeln müssen, ehe euch diese Schmach vergessen wird.....Zerstörte Häuser reparieren, das ist leicht. Zerstörtes Vertrauen wieder aufrichten ist sehr, sehr schwer.“[5][6]

Hierauf reagierte Brecht noch im Sommer 1953 mit seinem im Sommerhaus in Buckow verfassten Gedicht Die Lösung; er reflektierte mit Mitteln der Lyrik über die Ereignisse des 17. Juni 1953. Die Überlegung, „die Regierung solle sich ein neues Volk wählen“, hatte Brecht bereits in den 1930er Jahren in seinem Fragment gebliebenen Tui-Roman thematisiert.[7]

Veröffentlichung

Die Lösung fand zu Lebzeiten Brechts keine Veröffentlichung.[8] Von den Buckower Elegien veröffentlichte er nur sechs; Die Lösung war nicht darunter. Das Gedicht wurde zuerst in der westdeutschen Zeitung Die Welt gedruckt (1959), dann in den ersten Buchausgaben der Buckower Elegien, die 1964 in Frankfurt am Main erschienen.[9] In der DDR setzte Helene Weigel nach hartnäckigem Insistieren im Jahr 1969 dessen Aufnahme in die Gedichte Ausgabe im Aufbau-Verlag durch.

Einzelnachweise

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