Die Solisten
Dokumentarfilm von Anna Hepp
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Die Solisten ist ein Dokumentarfilm von Anna Hepp über Alleinerziehende. Der deutsche Kinostart des Films war am 29. Januar 2026.
| Film | |
| Titel | Die Solisten |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Länge | 83 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Anna Hepp |
| Drehbuch | Anna Hepp, Stefan Lampadius |
| Produktion | Anna Hepp |
| Musik | Natalie Becker, Namosh |
| Kamera | Oliver Freuwörth, Christian Scholz, Stefan Lampadius |
| Schnitt | Quimu Casalprim |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Zehn Alleinerziehende, acht Frauen und zwei Männer mit und ohne Migrationshintergrund, gekleidet in farblich aufeinander abgestimmter Kleidung, treffen in einem stillgelegten Fabrikgebäude aufeinander.
Sie kommen an unterschiedlichen Stellen der leeren Industriehalle miteinander ins Gespräch und tauschen ihre gemeinsamen Erlebnisse und Probleme aus – z. B. Hürden im Alltag, Diskriminierung, Einsamkeit, Überforderung, Stress, Sorgerechtsstreits, physische und psychische Gewalterfahrungen und Verlust des Lebensgefährten. Ergänzt werden diese Szenen durch Interviews, in denen sie alleine ihre persönliche Situation als Alleinerziehende und die damit verbundenen negativen und positiven Erfahrungen schildern. Zudem denken sie sowohl in den Interviews als auch den Gesprächen untereinander über die Rolle als alleinerziehende Elternteile nach und hinterfragen die klassischen Rollenbilder. Neben diesen Interviews und Gesprächen werden choreografierte Momente, symbolische Bilder und Szenen mit den Protagonistinnen und Protagonisten eingestreut.
Während des Films hört man immer wieder von einem Volksmund gesungene Aussagen. So zitiert der Volksmund – verkörpert durch den Opernsänger Thilo Dahlmann – gängige Vorurteile und Klischees gegenüber Alleinerziehenden. Diese Aussagen spielen beispielsweise ihre Situation herunter oder werfen Alleinerziehenden vor selbst Schuld an dieser zu sein. Der Volksmund tritt gegen Ende des Films selbst ins Bild und stimmt das Lied Party Alone des Musikers Namosh an. Danach tritt er zu den zehn Alleinerziehenden und tanzt schließlich mit ihnen.
Produktion und Hintergrund
Ab dem Jahr 2021 entwickelte Hepp, selbst alleinerziehende Mutter, die Idee für den dokumentarischen Kinofilm über Alleinerziehende, welcher von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert[2] und ihrer Firma Portrait Me produziert wurde. Die Dreharbeiten für den Film fanden an 4 Tagen in ehemaligen Fabrikhallen der Deutz AG in Köln-Kalk im Oktober 2023 statt.[3]
Der Filmverleih déjà-vu film brachte den Film am 29. Januar 2026 in ausgewählte deutsche Programmkinos.[4]
Kritiken
Der Film wurde im Rahmen des deutschen Kinostarts unterschiedlich besprochen.
Cosima Lutz vom Filmdienst kritisiert den Film und spricht von einem „zwischen Dokumentar-, Essay- und Experimentalfilm irrlichternden Werk“. Hepp würde damit ihre eigene Aussage und gute Absicht überkommenen „Stereotypen über alleinerziehende Männer und Frauen etwas entgegenzusetzen und für mehr Wertschätzung zu plädieren“ unterlaufen. Denn so Lutz: „Wenn aber die gute Absicht von Anfang an feststeht und alle inhaltlichen Ambivalenzen aufs kunsthandwerkliche Dekor ausgelagert werden, gehen Argumente im Raunen unter, gerät die Balance zwischen Agitation und Ästhetik ins Ungleichgewicht. Im ungünstigsten Fall untergräbt das auf tragische Weise sogar die gute Absicht, beim Publikum Verständnis für jene zu erzeugen, die von der Gesellschaft oft übersehen oder bewusst oder unbewusst diskriminiert werden. Genau das aber passiert hier.“[5]
Für den Filmkritiker Michael Meyns von Programmkino.de wirke es so, dass die Alleinerziehenden im Film, „die zu Wort kommenden eher aus der bürgerlichen Mittelschicht stammen, wodurch die gesellschaftlichen Extreme, sowohl nach oben wie nach unten ausgespart bleiben.“ Ein Problem des Films wäre auch beim Versuch „eine markante visuelle Form“ zu finden, dass er in so seltsam anmutenden Momenten, in denen die zehn Alleinerziehenden gemeinsame Atemübungen durchführen oder hinter Plastikbahnen zu Schemen verschwinden, „eher aktionistisch als erhellend“ wirken und „nur vom an sich interessanten Kern des Dokumentarfilms“ ablenken würde.[6]
Peter Gütting von kino-zeit.de dagegen lobt den Dokumentarfilm. Er sieht in dem Film „keine klassische Sozialreportage und schon gar keinen „Problemfilm“.“ Die Stimmen der porträtierten Alleinerziehenden würden „sich zu einem vielschichtigen Protokoll zwischen Überforderung und Stolz“ fügen. Auch die Machart des Films bewertet Gutting positiv. Sie wäre „keine selbstverliebte Spielerei, sondern eine gezielte formale Entscheidung mit inhaltlicher Komponente. Durch sie werden bestimmte Klischees vermieden, die sich bei einer klassischen Sozialreportage über vermeintliche Opfer unvermeidlich einstellen würden.“ Den Titel des Films hält er ebenfalls für klug gewählt. So schreibt er: „Eine überwiegende, normale Mehrheit der vollständigen Familien spielt sozusagen im Orchester. Aber das Außergewöhnliche leisten die, die ganz auf sich gestellt sind.“[7]
Falk Straub sieht in seiner Rezension bei film-rezensionen.de wiederum Hepps „großen Stilbewußtsein“ kritisch, aber auch als besonderes Merkmal. Denn zwar lenke einerseits „das Performative zu sehr vom Inhalt ab, andererseits hebt Hepps distinktive künstlerische Handschrift ihren Film aber auch aus der breiten Masse an Dokumentarfilmen heraus.“[8]
Weblinks
- Die Solisten bei IMDb
- Die Solisten bei filmportal.de