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Die Summe meiner einzelnen Teile

Film von Hans Weingartner (2011) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Summe meiner einzelnen Teile ist ein deutscher Film des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner aus dem Jahr 2011. In dem Filmdrama steht der psychisch kranke Mathematiker Martin Blunt nach einer stationären Behandlung allein im Leben und sucht notgedrungen eigene Wege zur Bewältigung einer traumatisierenden Kindheit.

TitelDie Summe meiner einzelnen Teile
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2011
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Die Summe meiner einzelnen Teile
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2011
Länge 117 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Hans Weingartner
Drehbuch Hans Weingartner
Cüneyt Kaya
Produktion Jonas Dornbach
Hans Weingartner
Musik Björn Wiese
Kamera Henner Besuch
Schnitt Dirk Oetelshoven
Andreas Wodraschke
Besetzung
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Hans Weingartner, der sich bereits 2001 in seinem Film Das weiße Rauschen mit psychischer Erkrankung befasst hat, siedelt seine Geschichte am Rande der Gesellschaft an, wo der Protagonist zusätzlich mit Armut und Obdachlosigkeit konfrontiert ist.[2]

Handlung

Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in der Psychiatrie erfährt der labile Martin, dass er seine Anstellung als Mathematiker nicht zurückbekommt. Er holt seine Sachen von der Exfreundin ab, isoliert sich und trinkt stark. Als seine Sozialwohnung zwangsgeräumt wird und er keine weitere Hilfe annehmen will, lebt er auf der Straße und nimmt den zehnjährigen ukrainischen Jungen Viktor, der nach dem Tod seiner alkoholabhängigen Mutter ebenfalls obdachlos ist, gegen Schläger in Schutz. Obwohl sie kaum miteinander sprechen können, werden sie Freunde und bauen in einem nahen Wald ein gemeinsames Leben auf, das sie durch Flaschensammeln und kleinere Diebstähle bestreiten. Viktor gibt sich Mühe, Martin vom Trinken abzuhalten. Beim Flaschensammeln findet Martin einen weggeworfenen Brief und gibt ihn der Empfängerin Lena zurück. Sie freunden sich zaghaft an.

Als die zuständige Forstverwaltung die Hütte im Wald abreißen lässt, wobei Viktor unauffindbar verschwindet, wird Martin festgenommen und erneut in die Psychiatrie eingewiesen (diese Szene ist exakt dieselbe wie am Anfang des Films), doch gelingt ihm dieses Mal die Flucht. Dabei entwendet er die Dienstwaffe eines Polizisten und erpresst Geld von einem wohlhabenden Banker, der ihn Monate zuvor angefahren und Unfallflucht begangen hat. Martin möchte mit Viktor und Lena, die ihm zuliebe ihre Ausbildung zur Zahnarzthelferin abgebrochen hat, zu ihrem Ex nach Portugal in eine Hippie-Kommune ziehen. Auf dem Weg dorthin wird er von der Polizei abgefangen. Am Schluss liegt er fixiert in der Psychiatrie, während Lena und Viktor in Portugal am Strand sitzen.

Der Film legt nahe, dass Viktor nur in Martins Einbildung existiert, obwohl er für Martin real ist. Bei Konfrontationen mit der Außenwelt (Kaffee mit Lena, Abriss der Hütte, Festnahme am Schluss) ist Viktor nicht beteiligt. Martins behandelnde Psychologin macht ihn darauf aufmerksam, dass er selbst in Viktors Alter seine russische Mutter verloren hat und von seinem alleinerziehenden Vater geprügelt wurde. Mehrmals ereignen sich Déjà-vus, in denen längst vergangene Szenen erneut erlebt werden, was die Zuverlässigkeit der Erzählung in Frage stellt.

In einem Nebenaspekt bildet Martin ständig Quersummen aus allen Zahlen oder Zahlenreihen, die ihm begegnen, etwa Artikelpreisen beim Einkaufen oder Kalenderdaten. Er meidet alles, was eine 7 enthält. Sein Elternhaus, das er im Film zweimal aufsucht, hat die Hausnummer 70.

Auszeichnungen

Nominierung beim Deutschen Filmpreis 2012 in den Kategorien „Beste Regie“ (Hans Weingartner) und „Beste darstellerische Leistung – männliche Hauptrolle“ (Peter Schneider).

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „Besonders wertvoll“.[3]

Kritik

  • Wie er es bereits so exemplarisch in seinem bekanntesten Werk, „Die fetten Jahre sind vorbei“, vorgeführt hat, übt Weingartner auch in „Die Summe meiner einzelnen Teile“ wieder eine Systemkritik, die sich allzu einfach aus dem Gegensatz von Individuum und Gesellschaft ableitet. Vom prügelnden Vater über die strenge Ärztin bis zu den zupackenden Polizisten sind die „Anderen“ ausnahmslos grobe, roboterhaft agierende Stellvertreter des Falschen. Seine starke, packende Seite aber zeigt der Film da, wo er sich seinen beiden Hauptfiguren zuwendet, auf fast irritierend behutsame, ja zärtliche Weise. Wie sie sich umarmen, gegenseitig beschützen, aufeinander achten – in ihrer Beziehung liegt ein Geheimnis, das Weingartner nach und nach enthüllt. Als man es schließlich begreift, weiß man um Martins „Verrücktheit“, sieht aber auch, wie meisterhaft er sich zu schützen versteht.[4]
  • In seinem neuen Film knüpft Weingartner inhaltlich wie formal an sein Debüt Das weiße Rauschen (2002) an und erzählt erneut die Geschichte eines psychisch Erkrankten und seiner Aussperrung aus der Gesellschaft. Und dort, wo er sich ganz auf die Darstellung der Wahrnehmung seiner Figur verlässt, da ist Die Summe meiner einzelnen Teile richtig stark. (…) Die Bildsprache und Schneiders einfühlsame Darstellung einer desintegrierten Figur entwerfen eine eindrucksvolle innere und äußere Topografie – schade, dass Weingartner es dabei nicht belässt. (…) Generell scheint Die Summe meiner einzelnen Teile am stärksten gefährdet, wenn viel geredet wird. Speziell in den „institutionellen“ Dialogen wie mit Martins früherem Chef, mit dem Gerichtsvollzieher oder mit der Therapeutin kippt der Ton schnell in steife Beweisführung, bei der gerade der offiziellen Seite die Worte wie in den Mund gelegt scheinen. Böswillig könnte man sagen, dem Film tut es gut, dass er sich größtenteils auf das deutsch-russische Radebrechen zwischen Martin und Viktor konzentriert. (…) Doch es mag müßig sein, einem Weingartner-Film seine Weingartnerismen vorzuwerfen.[5]
  • Auch wenn der Film sich streckenweise viel Zeit lässt, nimmt er den Zuschauer mit neuen Ereignissen und Zwischenfällen stets gefangen. Konsequent und präzise schildert Weingartner, Regisseur von DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI, das Schicksal der Protagonisten und macht daran seine prinzipielle Kritik an Institutionen fest. Peter Schneider verkörpert diese gescheiterte Existenz beeindruckend. Ein klug inszeniertes aufwühlendes Drama, das auch durch sein offenes Ende viel Raum für eigene Interpretation und Betrachtungen lässt.[6]

Einzelnachweise

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