Die Töchter Egalias
Roman von Gerd Brantenberg
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Die Töchter Egalias (im Original: Egalias døtre) ist ein Roman der norwegischen Autorin Gerd Brantenberg, der erstmals 1977 auf Norwegisch veröffentlicht wurde. Wie viele weitere Werke der Autorin bricht der Roman mit Normen, indem die traditionelle Rolle der Frau in der Gesellschaft in sozialer, existentieller und erotischer Hinsicht hinterfragt wird. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und wird als Klassiker der feministischen Literatur betrachtet.[1][2][3] Die deutschsprachige Übersetzung erschien erstmals 1980 im Verlag Olle & Wolter.
Der Name der ehemaligen südkoreanischen feministischen Gruppierung Megalia basierte zum Teil auf dem Titel dieses Romans.
Inhalt
Die Handlung spielt im fiktiven Land Egalia, in dem Geschlechterrollen auf den Kopf gestellt werden, indem Frauen und das Weibliche als Norm angesehen werden und Männer und das Männliche als das abweichende, untergeordnete Geschlecht. Der Protagonist des Romans ist der 16-jährige Petronius, Sohn der angesehenen Direktorin Bram. Petronius und seine Geschlechtsgenossen müssen jeden Tag erfahren, dass sie, im Gegensatz zu Frauen, als junge Männer vielen Einschränkungen unterliegen. Frauen sind Direktorinnen, Ingenieurinnen, Politikerinnen und Seefrauen, das höchste Lebensziel eines Mannes in Egalia besteht darin, ein Kind von einer möglichst mächtigen und gut gestellten Frau zu bekommen und sich darum zu kümmern. Der Roman begleitet Petronius durch Stationen und Hürden, die viele junge Männer in Egalia nehmen müssen, auf dem Weg, die ihnen zugeteilte Rolle als glücklicher und umsorgender Familienvater und Hausmann einzunehmen. Eingeschränkt durch die weiblichen Gesellschaftsnormen, engagiert er sich im Kampf für eine geschlechtergerechte Gesellschaft und um seinen Traum zu erfüllen, Seefrau zu werden. Trotz dass er manchmal fantasiert, ein ruhiges, friedvolles Leben mit einer starken Frau an seiner Seite, die sich um ihn kümmert, zu führen, setzt er seinen Kampf für eine bessere Zukunft für Männer fort. In dem Roman werden diverse Beispiele für das vorherrschende Matriarchat angeführt: Petronius wird dazu genötigt, einen sogenannten „PH“ („Penishalter“, vgl. BH) zu tragen, erlebt einen gewalttätigen sexuellen Übergriff und lernt die Antibabypille für Männer kennen. Im Spannungsfeld zwischen Liebe, Schmerz und politischem Aktivismus sucht er als werdender Mann nach seinem Platz in einer von Frauen dominierten Gesellschaft.[4]
Sprache
Die Sprache des Romans ist entscheidend für seine Wirkung und die Übersetzungen ins Deutsche, Englische und andere Sprachen versuchen, dem norwegischen Original gerecht zu werden. Der Roman kehrt traditionelle patriarchale Sprachnormen um, indem weibliche Bezeichnungen der Standard sind und männliche die Abweichung, so werden beispielsweise in der deutschen Übersetzung Personen grundsätzlich als „Wibschen“ (anstatt „Menschen“) bezeichnet und Gruppen- oder Berufsbezeichnungen sind generell weiblich (z. B. „Schülerinnen“, „Fischerinnen“, „Taucherin“, „Seefrau“). Darüber hinaus wird „dam“ statt „man“ verwendet, „Herrlein“ statt „Fräulein“, „frauschen“ statt „herrschen“, oder „Selbstbefrauschung“ statt „Selbstbeherrschung“.
Die Nomenklatur in dem Buch erstreckt sich auf viele sprachliche Kategorien, so auch beispielsweise auf Personennamen, wobei hart klingende, kurze Namen oder Spitznamen an Wibschen vergeben werden (z. B. Ba, Gro und Rut; vergleichbar mit Max, Tom, Ralf) und männliche Wibschen längere, melodiösere Namen erhalten, die nicht abgekürzt werden (z. B. Petronius, Fandango und Syprian; vergleichbar mit Rosalie, Viktoria, Penelope).
Rezeption
In einem Artikel zu einer Podcastfolge von Subject Woman. Frauenperspektiven aus aller Welt des österreichischen Senders radio AGORA zu einer Lesung aus dem Roman wird betont, dass das fiktive Land Egalia von der Autorin nicht als Utopie, sondern als eine Form von Geschlechterapartheid dargestellt wird und dass der Roman dem in unserer Gesellschaft vorherrschenden Patriarchat einen Spiegel vorhält. Weiters wird erwähnt, dass es der Autorin dabei auch sehr gut gelingt, aufzuzeigen, welche absurden und diskriminierenden Frauenrollen und Bilder nach wie vor in unserer Gesellschaft existieren und wie einseitig Frauen in Geschichten und Erzählungen nach wie vor dargestellt werden.[5]
Literatur
- Gerd Brantenberg: Die Töchter Egalias. Frauenoffensive, München 1987, ISBN 3-88104-163-X
Weblinks
- Luise von Flotow, Ida Hove Solberg, Enora Lessinger. Laughing at “normality”: Gerd Brantenberg’s Egalias døtre in translation. In: Lexis. Journal of English Lexicology. OpenEdition Journals, 17 | 2021 (online)