Die Unehelichen

Film von Gerhard Lamprecht From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Unehelichen ist ein deutsches Sozialdrama von Gerhard Lamprecht aus dem Jahr 1926, das er in eigener Firma, der Gerhard-Lamprecht-Film Produktion GmbH., für die National-Film A.G. in Berlin realisierte. Das Drehbuch hatte er zusammen mit Luise Heilborn-Körbitz nach amtlichem Material des „Vereins zum Schutze der Kinder gegen Ausnutzung und Mißhandlung“[1] erstellt.

TitelDie Unehelichen. Eine Kindertragödie
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1926
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Die Unehelichen. Eine Kindertragödie
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1926
Länge 96 Minuten
Stab
Regie Gerhard Lamprecht
Drehbuch Gerhard Lamprecht
Luise Heilborn-Körbitz
Musik Willy Schmidt-Gentner
Kamera Karl Hasselmann
Besetzung
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„Die Unehelichen“ setzte die 1925 mit „Die Verrufenen“ begonnene Reihe seiner „Milljöh“-Filme fort[2], in denen er sich kritisch mit den prekären Lebensbedingungen im proletarischen[3] Berlin beschäftigte[4].

„Kinder, die ein Jahr zuvor in den ‚Verrufenen‘ noch Randfiguren waren, macht Lamprecht hier zu Haupthelden seines Films“.[5] Darauf weist auch der Untertitel seines Films „Eine Kindertragödie“ hin.

Kinderschicksale und Kindergestalten in den Stummfilmen der Weimarer Republik, so wie sie beispielsweise […] in Gerhard Lamprechts „Die Unehelichen. Eine Kindertragödie“ (1926) geschildert werden, stellen als Kontrastfolie zur Lebenssphäre der Erwachsenen die bürgerlich-konservativen Werte und Prinzipien ihrer Umwelt in Frage.[6]

Lamprecht wurde für sein sozialkritisches Werk von dem Grafiker, Maler und Fotografen Heinrich Zille (1858–1929) beraten. Auch während der Dreharbeiten für „Die Unehelichen“ und „Menschen untereinander“ (beide 1926) arbeitete Lamprecht erneut mit Zille zusammen.[7]

Handlung

Die drei Arbeiterkinder Peter, Lotte und Frieda wachsen bei einer hartherzigen Pflegemutter auf und werden von deren Mann, einem brutalen Alkoholiker, regelmäßig geprügelt. Eines Tages tötet er ein Kaninchen, das die Kinder lieben, und jagt sie vorübergehend aus dem Haus in den Regen. Lotte erkrankt an Fieber und stirbt, da die Pflegemutter nicht rechtzeitig nach dem Arzt ruft. Peter trägt auf dem Totenschein heimlich „verhungert“ ein und erreicht so, dass den Pflegeeltern das Sorgerecht entzogen wird. Frieda wird in einer liebevollen Müllersfamilie untergebracht, Peter bei Frau Berndt, wo er endlich zu Ruhe und Sorglosigkeit findet. Sein leiblicher Vater taucht nun auf und versucht ihn als Arbeitskraft zu sich zu nehmen, doch Peter flieht immer wieder von ihm. Schließlich darf er bei Frau Berndt bleiben.[8]

Produktion

Hauptrollen waren wieder mit bereits bewährten Schauspielern wie Paul Bildt und Bernhard Goetzke, Käthe Haack, Margarete Kupfer und Lili Schoenborn besetzt, die Kinder waren Laiendarsteller und spielten sich selbst.[9] Zu einiger Bekanntheit brachte es Fee Wachsmuth als Kinderdarstellerin,[8] sie wurde auch in weiteren Filmen eingesetzt, z. B. 1928 in „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ von Piel Jutzi. Dort heißt sie einfach „Das Kind“.[10]

Die Filmbauten schuf Otto Moldenhauer, Karl Hasselmann fotografierte[11], die Aufnahmeleitung hatte Ernst Körner.

Der Film, der im National-Atelier Berlin-Tempelhof entstand, wurde am 17. August 1926 der Zensur vorgelegt. Premiere war am 6. September 1926 in Berlin. Für die Uraufführung stellte Willy Schmidt-Gentner die Begleitmusik zusammen und dirigierte sie[12]. Das Werk hat eine Länge von 2132 Metern in 7 Akten.

In Amerika wurde der Film zwei Jahre später, am 2. April 1928, in New York uraufgeführt; dort lief er unter dem Titel "Children of No Importance".

Rezeption

‘Unübersehbar aufklärerischen und belehrenden Charakter hat «Die Unehelichen», will das Publikum aufrütteln und zum Handeln bewegen, wirkt ausgesprochen modern in seinem Engagement für Jugendschutz und immer noch bewegend in der Schilderung sozialer Verhältnisse’[13].

In seinen „Milljöh“-Filmen „Die Verrufenen“, „Die Unehelichen“ und „Menschen untereinander“ beschäftigt er sich gesellschaftskritisch mit den ärmlichen Lebensbedingungen der proletarischen Welt und setzt dafür z. T. normale Leute[14] und Kinder als Schauspieler ein. 1925 gründet er die Gerhard Lamprecht-Filmproduktion[15].

‘"Die Verrufenen" (1925) nach Heinrich Zille […] oder „Die Unehelichen“ (1926) waren solide Milieubeschreibungen, waren auch erfolgreiche Kinounterhaltung im positiven Sinn des Wortes. Nahezu zwangsläufig stieß er [ Lamprecht ] auf teilweise vehemente Ablehnung einer ideologisch gebundenen[16] Kritik. Die linke Filmkritik sollte später – 1929 bei der Aufführung von Jutzis „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ – mehrfach auf Lamprechts Arbeiten kritisch Bezug nehmen und sie als Beiträge einer bürgerlichen Verkitschung des Elends von Millionen denunzieren.’[17]

Paul Gerhard Zeidler brachte noch im gleichen Jahr das „Buch zum Film“, einen “packenden Roman nach dem gleichnamigen Gerhard Lamprecht-Film” im Orania-Verlag Berlin-Oranienburg auf den Markt.

Der Sozialpsychologe Siegfried Bernfeld widmet den „Unehelichen“ 2012 ein Kapitel im vierten Band seiner Werke, der Arbeiten Bernfelds zur Heim- und Fürsorgeerziehung enthält.[18]

Wiederveröffentlichung

Der Film wurde im November 2012 in der Edition Filmmuseum mit einer Musikbegleitung von Donald Sosin und einem 16seitigen booklet mit Texten von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen auf DVD veröffentlicht[19], die Ausgabe am 28. Januar 2013 von Hans Helmut Prinzler rezensiert.

Literatur

  • Antti Alanen: filmdiary 7. Okt. 2013: DIE UNEHELICHEN Eine Kindertragödie[20]
  • Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen: 16-seitiges dreisprachiges booklet zur DVD in der Edition Filmmuseum Nr. 77 von 2012.
  • Rolf Aurich: Mosaikarbeit. Gerhard Lamprecht und die Welt der Filmarchive. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Edition Text + Kritik, München 2013, 212 Seiten, ISBN 978-3-86916-226-3
  • Jörg Becker: Die besseren Darsteller (Kinder im Film), in: ray magazin 9/10[21]
  • Nadine Bender: Das proletarische Berlin im Film der Weimarer Republik. Magister-Hausarbeit im Fach „Neuere deutsche Literatur und Medienwissenschaft“ beim Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften der Philipps-Universität Marburg, Marburg 2003
  • Siegfried Bernfeld: Sozialpädagogik. Werke, Band 4. Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse. Herausgegeben von Daniel Barth und Ulrich Herrmann. Verlag: Psychosozial-Verlag. 541 Seiten, Broschur, 148 × 210 mm. Erschienen im Juni 2012. ISBN 978-3-8379-2075-8, Bestell-Nr.: 2075[22]
  • Herbert Birett: Stummfilmmusik. Eine Materialsammlung. Deutsche Kinemathek Berlin, Berlin 1970.
  • Sybille Buske: Fräulein Mutter und ihr Bastard: eine Geschichte der Unehelichkeit in Deutschland, 1900–1970 (= Band 5 von Moderne Zeit). Göttingen: Wallstein Verlag, 2004. ISBN 3-89244-750-0. Länge 400 Seiten. Hier: S. 92 u. 384
  • Ioana Craciun-Fischer, Universität Bukarest: »Die Dekonstruktion des Bürgerlichen in den Stummfilmen der Weimarer Republik am Beispiel des Films „Asphalt“ (1929) von Joe May«. Vortrag vor der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. am 12. September 2013[23]
  • Günther Dahlke und Günter Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Henschel Verlag Berlin 1993.
  • DW.DE (Deutsche Welle): Wiederentdeckt: Regisseur Gerhard Lamprecht[24]
  • Walter Gasper: „Berliner Milieufilme“ von Gerhard Lamprecht, bei artCore 28. Februar 2013[25]
  • Michael Hanisch: Der Kalligraph. Der Regisseur und Filmhistoriker Gerhard Lamprecht, in: film-dienst 20/1997[26]
  • Jochen Hardt und Sven Olaf Hoffmann: Kindheit im Wandel – Teil II: Moderne bis heute. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2006 (= Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. Ergebnisse aus Psychoanalyse, Psychologie und Familientherapie 55. Jahrgang. Herausgegeben von Ulrike Lehmkuhl, Berlin, und Annette Streeck-Fischer, Göttingen)
  • Hans-Helmut Prinzler: Der ‘Zillefilm’ von Gerhard Lamprecht. Filmeinführung in der Akademie der Künste 13. März 2008[27]
  • Hans Helmut Prinzler: Zwei Filme von Gerhard Lamprecht, Rezension vom 28. Januar 2013[28]
  • Paul Gerhard Zeidler: Die Unehelichen. Erstausgabe; packender Roman nach dem gleichnamigen Gerhard Lamprecht-Film; Ausgabe 1. bis 5. Tausend; 173 Seiten, ca. 20 × 13 cm; Taschenbuch. Oranienburg, Orania-Verlag, 1926.

Einzelnachweise

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