Die Zimmermannstochter

türkisches Volksmärchen (AT 898 + 1442*) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Zimmermannstochter ist ein türkisches Volksmärchen (AT 898 + 1442*).[1]

Handlung

Einst fertigte ein Zimmermann eine große Holzpuppe, die er wie ein Kind liebte. Er schmückte sie und setzte sie bei sich ins Fenster, wo der Sohn des Padischahs sie erblickte und sich in sie verliebte. Als er um sie werben ließ, wussten der Zimmermann und seine Frau nicht, wie sie reagieren sollten, denn wenn sie offenbart hätten, dass das Mädchen leblos war, hätte ihnen wegen Täuschung der Kopf abgeschlagen werden können. Also antworteten sie, dass sie in die Heirat einwilligen, unter der Bedingung, dass niemand die Braut sehen dürfe, bevor sie nicht das Brautgemach betreten hat. Die Hochzeit findet daraufhin ohne sie statt. Danach, auf dem Weg zum Padischah, der über einen Fluss verlief, ersann die Frau des Zimmermanns eine List. Sie fuhr in der Hochzeitskutsche mit, band darin einen großen Stein an die Holzpuppe und schmiss sie anschließend in das Gewässer. Die Leute tauchten sofort nach dem untergegangenen Mädchen und als sie sie an Land zogen, war sie lebendig.

Beim Padischah angelangt schloss sich das Mädchen jedoch in ihrem Zimmer ein, woraufhin sich der Sohn des Padischahs mit der Tochter des Großwesirs vermählte. Diese suchte gleich darauf ihre Nebenfrau auf und wurde ins Zimmer gelassen, wo sie sah, dass diese schön wie eine Peri war. In dem Zimmer zeigte ihr die Schöne ihre Zauberkünste, indem sie den Kaffee dazu brachte, sich selbst zu kochen. Auch schnitt sie sich fünf ihrer Finger ab, die daraufhin zu frischen Salatgurken wurden und köstlich schmeckten. Als die Wesirstochter es ihr jedoch nachtat, starb sie. Der Sohn des Padischahs heiratete daraufhin noch zwei weitere Wesirstöchter, doch auch diese kamen auf ähnliche Weise um, also begann er nachzudenken.

Durch den Rat eines Greises gelang es dem Sohn des Padischahs schließlich, die Tür zum Zimmer der Zimmermannstochter zu öffnen, die, so hatte er es belauscht, nur wohl gestimmt war, wenn er bei solchen Angelegenheiten die Namen ihres Mondvaters und ihrer Sonnenmutter erwähnte. Sie tadelte ihn daraufhin, da auch sie die Tochter eines Padischahs war, doch selbst, wenn sie nur eine Zimmermannstochter gewesen wäre, sie es nicht verdient hätte, dass er sich eine Nebenfrau nahm. Aufgrund des Erwähnens der Namen ihrer Eltern vertrug sie sich aber wieder mit ihrem Mann und es wurde erneut Hochzeit gefeiert.[1]

Hintergrund

Das Märchen wurde erstmals in Zaman zaman içinde (Nr. 9) veröffentlicht und erhielt im Deutschen in Pertev Naili Boratavs Türkische Volksmärchen (Berlin 1970) den Titel Die Zimmermannstochter. Aufgezeichnet wurde es von Boratavs Studentin Ulviye Kiper nach deren Mutter. Nach Wolfram Eberhards und Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953) bekam es den Typ 91 zugeordnet. In selbigem Verzeichnis sind 13 Varianten des Märchens untersucht. Drei weitere, darunter dieser Text, folgten.[1]

Literatur

  • Pertev Naili Boratav (Hrsg.): Türkische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1970, S. 35–40, 346–347. Übersetzung von Doris Schultz und György Hazai.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI