Die Geschichte von den zwei Schlauen
äthiopisches Märchen (AaTh 1525 N: Meisterdieb)
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Die Geschichte von den zwei Schlauen ist ein äthiopisches Märchen (AaTh 1525 N: Meisterdieb).[1]
Handlung
Ein Schlauer will einen Krug mit Kuhmist, auf dessen Oberstes er ein wenig Butter gestrichen hatte, als Butter verkaufen. Er setzt sich, am Rand des Marktes, unter einen Schatten spendenden Baum, wo er auf einen anderen Schlauen trifft, der auf das Oberste eines Kruges voll Schlamm weißen Honig gestrichen hatte, und die beiden beschließen zu tauschen. Auf dem Rückweg bemerken beide die Täuschung, also kehren sie um und treffen sich an dem Baum wieder, wo sie sich Vorwürfe machen, lachen und Freunde werden.
Sie werden Nachbarn und beschließen Kaufleute zu werden. Für eine dreitägige Reise zu einem Markt, denkt sich dann jeder für sich, sich von dem Vorrat des anderen zu ernähren. Also weisen sie ihre Frauen an, weiße Asche anstelle von Mehl in die Proviantschläuche zu geben. Später, am Abend, an einer Raststätte, schlägt einjeder der beiden vor, heute den Vorrat des anderen fürs Backen zu nutzen und morgen den eigenen, da die Last ja so schwer sei und somit dem anderen geholfen wäre. Also verbringen sie die Nacht mit aufgeregtem Gerede fastend. Dies wiederholt sich am nächsten Tag zur Mittagszeit, sodass sie ihre Reise sich vor Hunger krümmend fortsetzen müssen. Am Abend dann holen sie ihre Asche heraus und meinen zueinander, dass ihre Frauen ihnen üble Streiche gespielt hätten und beginnen abermals übereinander zu lachen.
Die beiden Schlauen beschließen daraufhin vom Diebstahl zu leben. Als sie dann einen Mann entdecken, der mit zwei Ochsen einen Acker bestellt, trennen sie sich und während der eine aufgeregt schreiend den Ochsenbesitzer von seinen Tieren weglockt, entwendet der andere einen der Ochsen. Bei dem schreienden Schlauen angekommen, fragt der Ochsenbesitzer, was denn los sei und dieser antwortet, dass er noch niemals einen Landmann gesehen habe, der mit nur einem Ochsen pflügt. Da dreht sich der Ochsenbesitzer um und denkt, dass der fehlende Ochse in den Wald gegangen sei und eilt ihm nach, sodass der schreiende Schlaue auch den zweiten Ochsen entwenden kann.
In einer Höhle schlachten die beiden Diebe die Ochsen dann, wobei der eine Feuer holen soll, damit sie einen Braten essen können. Als er zurückkommt hört er seinen Kumpanen flehen ihn nicht alleine zu töten, da sein Freund auch an dem Diebstahl beteiligt war. Im Glauben, dass sein Freund ergriffen worden sei, kehrt er um und geht nach Hause, wo er sich aber überlegt, dass dies eine List seines Nachbarn gewesen sein könnte. So versteckt er sich in einen Sack und lässt diesen von seiner Frau ins Haus des Nachbarn bringen, wobei sie dessen Frau ausrichten soll, dass er das sich darin befindende Salz unterwegs gestohlen habe und die Männer es später unter sich aufteilen wollen. Als der Nachbar später mit dem Ochsenfleisch heimkommt und es gesalzen werden soll, kommen die beiden Freunde hinter die Schliche des jeweils anderen und sie lachen voll Staunen übereinander und teilen das Fleisch.
Am nächsten Morgen beschließen sie Honig zu holen und so vertreiben sie mit Rauch die Bienen vor einer engen Öffnung einer Höhle. Als daraufhin der eine seine Hand in die Öffnung steckt, um Honig herauszunehmen, beißt ihn eine Schlange, sodass er sie schnell wieder herauszieht und unter seinem Rock versteckt. Der andere will daraufhin wissen, was er verstecke, woraufhin ihm der eine sagt, dass er Gold gefunden hätte, was er ihm aber nicht zeigen werde. Also greift auch der andere in die Öffnung und wird ebenfalls gebissen.[1]
Hintergrund
Das Märchen stammt aus Eugen Mittwochs Abessinische Erzählungen für Fabeln (In Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen 16. 1911, 110–123) und trägt in Caspar Detlef Gustav Müllers Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien (München 1992) den Titel Die Geschichte von den zwei Schlauen.[1]
In einer Variante des Märchens wollen die beiden Schlauen, nachdem sie, durch eine Schlange, jeweils eine ihrer Hände verloren haben, die Früchte einer Sykomore pflücken. Da sie nicht klettern können verhilft der eine, der Charibayo heißt, dem anderen, der den Namen Keyribayo trägt, auf den Baum, lässt ihn aber, nachdem er die Früchte erhalten hat, darauf sitzen. Des Nachts versammeln sich dann Ǧinns unter dem Baum, die sich darüber unterhalten, wie die Tochter des Königs zu heilen sei. Keyribayo heilt sie daraufhin, bekommt sie zur Frau und wird König. Später trifft er Charibayo wieder, dem er von den Ǧinns erzählt. Diesen jedoch war aufgefallen, dass sie belauscht worden waren, also durchsuchen sie den Baum und finden Charibayo, der in der Folge getötet wird. Die Variante stammt aus R. P. Azaïs’ und Roger Chambards Cinq années de recherches archéologiques en Éthiopie (Paris 1931, 93–97) und erhielt bei Müller den Titel Die beiden schlauen Bauern. Erzählt wurde sie 1922 von einem alten Galla.[1] Verglichen werden kann die Variante von Johannes Pauli aus dessen Schwanksammlung Schimpf und Ernst (siehe Die beiden Wanderer), ebenfalls auch das madagassische Märchen Ikotofetsy und Imahaka.
Literatur
- Caspar Detlef Gustav Müller (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien. Eugen Diederichs Verlag, München 1992, S. 217–231, 317–318.