Die böse Stiefmutter

tibetisches Märchen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die böse Stiefmutter ist ein tibetisches Märchen.[1]

Handlung

Ein Königssohn heiratete die ältere Tochter eines anderen Königs, die Nyi-mai-kha-ti hieß und ihm einen Sohn namens Nyi-mai-od-gzer gebar. Kurz nach der Geburt starb diese jedoch, wobei sie, als sie den Tod nahen spürte, ihrem Mann darum bat, ihrem Sohn keine Stiefmutter zu geben. Der König konnte ohne Frau jedoch nicht leben, also dachte er, dass es weise sei die jüngere Tochter seiner verstorbenen Frau, Zla-bai-kha-ti, zu heiraten, da diese seinen Sohn sicherlich wie ihr eigenes Kind behandeln würde. Auch Zla-bai-kha-ti gebar dem Königssohn einen Jungen, der Zla-bai-od-gzer genannt wurde und da kam ihr der Gedanke, dass der Sohn ihrer Schwester sterben müsse, damit ihr eigener Sohn einst König werden könne. Sie stellte sich also krank und erzählte dem Königssohn, dass einzig das Herz von Nyi-mai-od-gzer sie heilen könne, woraufhin der Königssohn beschloss seinen Erstgeborenen zu töten.

Zla-bai-od-gzer belauschte seinen Vater bei dieser Rede und warnte seinen älteren Bruder, woraufhin sie gemeinsam wegliefen. Sie verirrten sich jedoch in den Bergen und noch bevor Nyi-mai-od-gzer eine Einsiedelei fand, starb sein jüngerer Bruder, der verhungerte. Halbtot wurde Nyi-mai-od-gzer von dem alten Mann der Einsiedelei aufgenommen, sodass er wieder zu Kräften kam. In diesem Königreich bewachten jedoch zwei Löwen den wasserspendenden See, die alle sechs Jahre ein im Tigerjahr geborenes Kind als Opfer verlangten und nur, wenn sie dieses erhielten, das Wasser freigaben. Da bereits alle anderen Kinder jenes Geburtsjahres geopfert waren, gab der König den Befehl, den Jungen des Einsiedlers zu holen, weil einzig er im Tigerjahr geboren war. Im Schloss des Königs traf Nyi-mai-od-gzer dann auf die Königstochter, woraufhin sich die beiden verliebten.

Die Königstochter beschloss daraufhin gemeinsam mit Nyi-mai-od-gzer geopfert zu werden und so gingen sie zu den Löwen. Diese jedoch hatten Mitleid mit dem jungen Paar, also beschlossen sie umzuziehen. Die Freude war groß und nach einem Besuch bei dem Einsiedler reiste das Paar in das Heimatland des Nyi-mai-od-gzer, wo sich auch sein Vater sehr freute. Die böse Stiefmutter aber starb, als sie erfuhr, dass ihr Sohn verhungert war.[1]

Hintergrund

Das Märchen stammt aus August Hermann Franckes Zur tibetischen Vetālapañcaviṃsatikā, erschienen in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 77 (S. 241 ff.) und bekam in Helmut Hoffmanns Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet (Düsseldorf / Köln 1965) den Titel Die böse Stiefmutter. Verglichen werden kann B. Jülgs Kalmückische Märchen. Die Märchen des Siddhi Kûr oder Erzählungen eines verzauberten Toten. (Leipzig 1866, S. 80 ff.). Über das Essen des Herzen eines Feindes verweist Francke auf U. Holmbergs Finno-Ugrie Mythology, Mythology of all Races IV (Boston 1927).[1]

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI