Die progressiven Nostalgiker

Film von Vinciane Millereau (2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die progressiven Nostalgiker (Originaltitel C’était mieux demain; dt.: Morgen war es besser) ist ein französisch-belgischer Spielfilm aus dem Jahr 2025 mit Elsa Zylberstein, Didier Bourdon und Mathilde Le Borgne. Die Filmkomödie entstand unter der Regie von Vinciane Millereau, die gemeinsam mit Julien Lambroschini das Drehbuch schrieb.[3]

TitelDie progressiven Nostalgiker
OriginaltitelC’était mieux demain
ProduktionslandFrankreich, Belgien
OriginalspracheFranzösisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Die progressiven Nostalgiker
Originaltitel C’était mieux demain
Produktionsland Frankreich, Belgien
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen
  • Les Films du 24
  • TF1 Films Production
  • Umedia
Stab
Regie Vinciane Millereau
Drehbuch
  • Julien Lambroschini
  • Vinciane Millereau
Produktion
  • Olivier Kahn
  • Cloé Garbay
  • Laurent Jacobs
  • Bastien Sirodot
Musik Romain Trouillet
Kamera Philippe Guilbert
Schnitt Nassim Gordji Tehrani
Besetzung
  • Elsa Zylberstein: Hélène Dupuis
  • Didier Bourdon: Michel Dupuis
  • Mathilde Le Borgne: Jeanne Dupuis
  • Aurore Clément: Marguerite
  • Didier Flamand: Henri
  • Maxim Foster: Lucien Dupuis
  • Romain Cottard: Jacques
  • Barbara Chanut: Safia
  • Céline Fuhrer: Yvonne
  • François Pérache: Lantier
  • Esteban Delsaut: André
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Handlung

Im Jahr 1958 führt das französische kleinbürgerliche Ehepaar Hélène und Michel Dupuis ein beschauliches Leben. Die Rollenzwänge und Geschlechterklischees in den 1950er Jahren werden anschaulich dargestellt. Er ist bei einer Bank angestellt, sie führt den Haushalt und kümmert sich um die zwei Kinder. Weil die 18-jährige Tochter Jeanne schwanger ist, wollen ihre Eltern, dass sie heiratet. Etwas anderes als Ehe und Kinder können die Eltern sich für die Tochter nicht vorstellen, obwohl Jeanne lieber Medizin studieren will.

Vor der geplanten Hochzeit gewinnt Hélène bei einem Preisausschreiben eine Waschmaschine. Michel will das Gerät verkaufen, da er die beschwerliche Arbeit des Wäschewaschens per Hand nicht einschätzen kann. Hélène weigert sich aber und akzeptiert nicht, dass Michel für sich das Bestimmungsrecht in Anspruch nimmt. Es kommt zum Gerangel zwischen den Eheleuten, bei dem beide einen Stromschlag erleiden. Als sie wieder zu sich kommen, realisieren sie, dass sie sich im Jahr 2025 befinden. Nicht nur die technische Entwicklung überfordert sie, vor allem die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 60 Jahre stellt ihre Welt auf den Kopf. In dieser Welt ist Hélène Bankdirektorin, und ihr arbeitsloser Mann Michel kümmert sich um den Haushalt. Tochter Jeanne will eine Frau heiraten, während ihr Bruder Lucien, ein zuvor braver und schüchterner Einzelgänger, zum Rebellen mutiert ist.

Für die Kinder und alle anderen ist das Leben mit Smartphone, Internet und Einparkhilfe normal, aber Michel und Hélène sind fremd in dieser Welt. Hélène lernt schnell dazu, genießt bisher ungekannte Freiheiten und fühlt sich bald sehr wohl. Auch sieht sie ihren Vater wieder, der an Prostatakrebs gestorben war. Weil dessen Erkrankung heilbar wurde, lebt der Vater noch. Michel hingegen kann sich mit der modernen Zeit überhaupt nicht anfreunden und hadert mit dem Verlust seiner Privilegien. Er kämpft mit der elektronisch gesteuerten Küche und noch schlimmer ist es für ihn, dass seine Tochter eine Frau aus Algerien heiraten will.[3][4][5][6][7] Das Paar entfremdet sich zusehends.

Bei einem untauglichen Versuch, wieder in seine Welt von 1958 zurückzukehren, erleidet Michel einen Herzanfall. Seine Tochter, die inzwischen Ärztin ist, kann ihn reanimieren. Im Krankenhaus lernt er die zukünftige Frau seiner Tochter besser kennen und schätzen. Michel beginnt, seine Ablehnung zu hinterfragen und kann sich Schritt für Schritt in der Gesellschaft von 2025 zurechtfinden. Am Ende ist er mit der Hochzeit seiner Tochter einverstanden. Bei der Hochzeit finden auch Hélène und Michel wieder zueinander. Bei einem Liebesspiel auf der Waschmaschine erleiden die beiden einen neuerlichen Stromschlag und werden in das Jahr 1958 zurückgeworfen. Die Offenheit, die sie im Jahr 2025 gelernt haben, können sie auch im Jahr 1958 umsetzen und können damit ihrer Tochter einen selbstbestimmten Lebensweg öffnen.

Produktion und Hintergrund

Der Film wurde von Les Films du 24 und TF1 Films Production sowie der belgischen Umedia produziert, als Produzent fungierte Olivier Kahn, Koproduzenten waren Cloé Garbay, Laurent Jacobs und Bastien Sirodot. Die Dreharbeiten fanden in der Wallonie in Belgien statt.[8]

Die Kamera führte Philippe Guilbert, die Musik schrieb Romain Trouillet, die Montage verantwortete Nassim Gordji Tehrani und das Casting Okinawa Valérie Guerard. Das Szenenbild gestaltete Pierre Renson, das Kostümdesign Frédérique Leroy und den Ton Pierre Mertens, Sébastien Ariaux und Sébastien Marquilly.[3][8] Bei der Produktion handelt es sich um das Langfilmdebüt der Schauspielerin Vinciane Millereau.[6]

Veröffentlichung

Am Festival du film francophone d’Angoulême wurde die Produktion am 30. August 2025 als Abschlussfilm gezeigt. Der französische Kinostart war am 8. Oktober 2025.[8][9]

In Deutschland und Österreich kam der Film am 22. Januar 2026 in die Kinos.[3][4][8]

Rezeption

Filmdienst.de vergab 2,5 von 5 Sternen. Mit hohem Tempo, Slapstick und klaren Kontrasten nutze die Komödie das Zeitreise-Genre, um Patriarchat und Nationalismus satirisch zu hinterfragen. Die Darsteller spielten den Kulturschock genüsslich aus und sorgen für viel Komik, auch wenn es sich der Film insgesamt etwas zu leicht mache.[3]

Gaby Sikorski bewertete die Produktion auf filmstarts.de mit vier von fünf Sternen. Das einfallsreiche Drehbuch biete eine schier unerschöpfliche Fülle an Gags und Witzen. Die Dialoge seien spritzig und der Unterhaltungswert hoch, auch wenn die Basis der Geschichte nicht unbedingt neu sei und an diverse andere Filme erinnere wie etwa Zurück in die Zukunft oder Die Besucher. Die quietschbunte Welt lasse an Barbie denken. Elsa Zylberstein sei einfach sensationell.[5]

Auf the-spot-mediafilm.com wurde der Film als liebevoll ausgestattetes, sozialsatirisches Zeitreiseabenteuer bezeichnet, das allseits beliebten Formeln des Genres nutze, um den gesellschaftlichen Wandel mit boomerfreundlichen Gags und Slapstick zu sezieren, jedoch nicht allzu tief in den Wunden bohre. Die Errungenschaften der Moderne werden der Reihe nach, ein Schlagwort nach dem anderen, abgehakt. Wie das Ehepaar Dupuis wirke der Plot aber hin und wieder leicht desorientiert.[10]

Barbara Schweizerhof (drei von fünf Sterne) befand auf epd-film.de, dass der Streifen von der Überzeugungskraft der beiden Hauptdarsteller zum Leben erweckt werde. Auch wenn die Handlung den einen oder anderen Logiksprung zu viel wage und zu wenig Wert auf Charakterentwicklung gelegt werde, das Duo Bourdon und Zylberstein verleihe dem zwischen reaktionären Impulsen und progressiven Gelüsten schwankenden Geist der 1950er-Jahre auf eine Weise Gestalt, die das Zuschauen zum Vergnügen mache.[6]

Kira Taszman schrieb auf evangelische-zeitung.de, dass der Film mit dem Zeitreise-Motiv jede erdenkliche komische Situation ausschöpfe. Bourdon und Zylberstein blödelten herrlich überdreht durch den Film und hätten sichtlich Spaß an dem Kulturschock, den ihre Figuren durchleben. Der Film hinterfrage vor allem das Patriarchat und den Nationalismus und mache sich für die weiblichen Figuren stark. Die Waschmaschine versinnbildliche die Emanzipation der Hausfrauen, die 1950er-Jahre kämen wie die Kulisse einer Meister-Proper-Werbung daher.[7]

cinema.de vergab drei von fünf Punkten und kritisierte zwar, dass die Komödie stellenweise zu flach geraten sei und nicht jeder Gag wirklich zünde, lobte jedoch, der Film habe beinahe schon etwas Versöhnliches, wenn er Tradition und Moderne aufeinanderprallen lässt und dabei seinen Humor daraus zieht, Generationenkonflikte und Rollenklischees in vertrauten Alltagssituationen zu verhandeln.[11]

Oliver Armknecht (sieben von zehn Punkte) meinte auf film-rezensionen.de, dass das Aufeinandertreffen von konservativen und fortschrittlichen Weltsichten nicht sonderlich subtil sein möge. Spaß mache die Komödie aber schon und sei dabei schön anzusehen.[12]

Einzelnachweise

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