Die totale Erinnerung – Total Recall
Film von Paul Verhoeven (1990)
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Die totale Erinnerung – Total Recall ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. Der Film basiert auf Philip K. Dicks 1966 erschienener Kurzgeschichte Erinnerungen en gros. Der Film erschien 1990 und entwickelte sich zu einem kommerziellen Erfolg.
| Film | |
| Titel | Die totale Erinnerung – Total Recall |
|---|---|
| Originaltitel | Total Recall |
| Produktionsland | USA |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1990 |
| Länge | 113 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen | Carolco Pictures |
| Stab | |
| Regie | Paul Verhoeven |
| Drehbuch | |
| Produktion | |
| Musik | Jerry Goldsmith |
| Kamera | Jost Vacano |
| Schnitt | Frank J. Urioste |
| Besetzung | |
| |
| → Synchronisation | |
Handlung
Der Bauarbeiter Douglas „Doug“ Quaid führt im Jahr 2084 ein befriedigendes, aber wenig ereignisreiches Leben mit seiner attraktiven Frau Lori. Quaid träumt wiederholt und intensiv von einem anderen Leben auf dem inzwischen kolonisierten Planeten Mars. In diesen Träumen taucht immer wieder eine brünette Frau auf, mit der ihn etwas zu verbinden scheint.
Angeregt von einer Werbung beschließt er, die Dienste von REKALL Inc. in Anspruch zu nehmen. REKALL verspricht seinen Kunden, künstliche Erinnerungen einzupflanzen, die nicht von echten zu unterscheiden seien. Obwohl der Kunde vorher darüber informiert wird, dass das „Erlebte“ nicht real ist, sollen die „Erinnerungen“ dieselben Emotionen wie echte Erlebnisse auslösen. Trotz der Warnung seines Arbeitskollegen Harry vor der Gefahr einer Lobotomie will sich Quaid die Erinnerung an einen Urlaub auf dem Mars einpflanzen lassen, zu dem er schon immer eine Affinität verspürte. Der Verkäufer kann ihn zudem überzeugen, zusätzlich das Ego-Trip-Paket zu wählen, bei dem er als Geheimagent agieren kann, der schließlich den Planeten rettet.
Mitten in der Implantierung dieser Erinnerung treten jedoch Probleme auf, da bei Quaid anscheinend schon vorher eine Erinnerungsmodifikation vorgenommen worden ist. Quaid wird daher aus REKALL verwirrt und ohne Erinnerung an seinen Besuch entlassen. Plötzlich ist in Quaids Leben nichts mehr wie vorher: Mehrere Männer, angeführt von Harry, greifen ihn auf offener Straße an und versuchen, ihn zu töten. Quaid tötet in Notwehr seine Angreifer, ohne dass er wissentlich jemals ein Kampftraining absolviert hätte. Er flieht zu seiner Frau Lori, doch auch diese will ihn plötzlich töten. Er kann sie überwältigen und erfährt von ihr, dass sein bisheriges Leben nur aus künstlich implantierten Erinnerungen besteht und somit eine einzige Lüge ist.
Als neue Verfolger auftauchen, kann Quaid gerade noch mit der Metro entkommen. Auf seiner Flucht steigt er in einem Hotel ab, in dem ihn ein Fremder kontaktiert, der sich als Geheimagent vom Mars zu erkennen gibt und ihm einen Koffer mit Geld, Waffen, Ausrüstung, falschen Ausweisen und einer Videobotschaft zuspielt: Ein Mann, der wie Quaid aussieht und sich als Hauser vorstellt, fordert ihn darin auf, zum Mars zu reisen. Hauser habe als Geheimagent auf dem Mars gearbeitet, bis er schließlich aus Liebe zu einer Frau die Seiten gewechselt habe und seitdem gegen den Mars-Gouverneur Vilos Cohaagen arbeite, der auf dem roten Planeten wie ein Diktator herrscht. Als Hauser bei der Ausübung seiner Agententätigkeit einige Geheimnisse erfährt, die Cohaagen gefährlich werden könnten, und man sein Doppelspiel aufdeckt, wurde sein Gedächtnis gelöscht und er selbst auf der Erde mit falscher Identität unter systematische Überwachung gestellt.
Quaid kann seine Häscher schließlich abschütteln und in Verkleidung auf den Mars gelangen. Dort begegnet er Personen, die ihn als Hauser wiedererkennen. Er findet Anschluss an eine Rebellengruppe, die gegen Cohaagen kämpft. Auf einen Hinweis seines Alter Egos Hauser hin trifft er die Untergrundkämpferin Melina, die der brünetten Frau aus seinen Träumen gleicht.
Im weiteren Verlauf taucht Quaids „Ehefrau“ Lori wieder auf und versucht zusammen mit Dr. Edgemar, einem Arzt von REKALL, ihn davon zu überzeugen, dass alles nicht real sei und er sich noch immer im Labor von REKALL auf der Erde befinde. Es habe eine Komplikation gegeben, nun liege er im Koma und müsse eine Pille einnehmen, um aus diesem Koma zu erwachen. Quaid fällt beinahe auf die beiden herein, doch ein Schweißtropfen auf der Stirn des Arztes überzeugt ihn von der Realität der Ereignisse, woraufhin Quaid beide erschießt.
Quaid und Melina fliehen in das Mutantenviertel Sektor G, in dem das Hauptquartier der Rebellen untergebracht ist. Nun ruft Cohaagen den Notstand aus und stellt die Luftversorgung des Sektors G vollständig ein, um Quaid zur Aufgabe zu zwingen. Mit Hilfe des Rebellenführers Kuato kann sich Quaid wieder an das Geheimnis erinnern, für das er verfolgt wird. Kurz darauf werden Quaid und Melina jedoch von Cohaagens Truppen gefangen genommen und Kuato wird getötet.
Cohaagen eröffnet ihm, dass er in Wirklichkeit Hauser sei und immer noch in seinem Auftrag handele. Cohaagen ließ ihm die Erinnerung an das fiktive Leben Douglas Quaids zusammen mit einem unwiderstehlichen Drang zum Mars als falsche Erinnerung ins Gehirn einpflanzen, um ihn dazu zu bringen, zum Mars zu reisen und so – unfreiwillig – die Widerstandsbewegung zu infiltrieren und zu zerschlagen. Cohaagen will verhindern, dass die Widerstandsbewegung hinter ein Geheimnis kommt: Bei Minenarbeiten wurde eine gigantische Höhle entdeckt, die bis auf den Eiskern des Planeten hinabreicht. In diese Höhle haben Außerirdische vor ca. 500.000 Jahren einen riesigen Reaktor gebaut, der in der Lage ist, einen Teil des Eiskerns zu schmelzen und so Sauerstoff freizusetzen. Sollte die Existenz dieser Maschine bekannt und diese zur Erzeugung einer Atmosphäre aktiviert werden, wäre Cohaagens an die Kontrolle der Atemluft gebundene Herrschaft über die Marsbevölkerung beendet.
Kurz bevor Hausers frühere Identität in seinem Gehirn reaktiviert werden kann, können Quaid und Melina fliehen. Nach dem finalen Kampf gegen Cohaagen und seine Handlanger können Quaid und Melina den Reaktor aktivieren und so eine Atmosphäre auf dem Mars herstellen. Dabei stirbt Cohaagen an der explosiven Dekompression seines Körpers, während Quaid und Melina durch die neu produzierte Luft in letzter Minute gerettet werden.
Schließlich stehen Quaid und Melina auf einem Berg und fragen sich, ob das Erlebte real oder nur ein Traum war. Dann küssen sie sich, bis die Sonne durch die Wolken bricht und alles überstrahlt.
Besetzung und Synchronisation
Die deutsche Synchronfassung entstand im Auftrag der Hermes Synchron aus West-Berlin. Dialogregie führte Ronald Nitschke nach eigenem Dialogbuch.[5] In Starship Troopers spielten Michael Ironside, Dean Norris und Marshall Bell nach Total Recall in einem weiteren Film Verhoevens mit.
| Darsteller | Sprecher | Rolle |
|---|---|---|
| Arnold Schwarzenegger | Thomas Danneberg | Douglas Quaid / Hauser |
| Sharon Stone | Heike Schroetter | Lori |
| Rachel Ticotin | Traudel Haas | Melina |
| Ronny Cox | Christian Rode | Vilos Cohaagen |
| Michael Ironside | Hans-Werner Bussinger | Richter |
| Michael Champion | Eberhard Prüter | Helm |
| Marshall Bell | Kurt Goldstein | George |
| Marshall Bell | Arnold Marquis | Kuato |
| Mel Johnson Jr. | Ronald Nitschke | Benny |
| Roy Brocksmith | Hans Nitschke | Dr. Edgemar |
| Roger Cudney | Martin Keßler | Agent mit Koffer |
| Mark Carlton | Jörg Döring | Barkeeper |
| Ray Baker | Reinhard Kuhnert | Bob McClane |
| Bob Tzudiker | Hans-Jürgen Wolf | Doktor |
| Rosemary Dunsmore | Marianne Lutz | Dr. Lull |
| Ken Strausbaugh | Peter Flechtner | Einwanderungs-Officer |
| David Knell | Patrick Winczewski | Ernie |
| Marc Alaimo | Lothar Köster | Everett |
| Robert Costanzo | Karl Schulz | Harry |
| Ken Gildin | Ingo Albrecht | Hotel-Angestellter |
| Rebecca Ruth | Eva-Maria Werth | Journalistin |
| Ellen Gollas | Eva-Maria Werth | Marsianerin |
| Mickey Jones | Marlin Wick | Minenarbeiter |
| Sasha Rionda | Anna Predleus | Mutantentochter |
| Paula McClure | Katharina Koschny | Nachrichtensprecherin |
| Frank Kopyc | Marlin Wick | Techniker |
| Debbie Lee Carrington | Eva-Maria Werth | Thumbelina |
| Dean Norris | Gerald Paradies | Tony |
| Milt Tarver | H.H. Müller | Werbe-Ansager |
| Chuck Sloan | H.H. Müller | Wissenschaftler |
Veröffentlichung
Eine erste Schnittfassung war noch blutiger und gewalttätiger und musste für die US-Freigabe R-Rated gekürzt werden. Diese Fassung ist nie erschienen und eine Veröffentlichung ist nicht geplant. Der Film hatte am 1. Juni 1990 Premiere in den USA und entwickelte sich zu einem großen Erfolg an den Kinokassen. Gegenüber einem geschätzten Budget von 65 Mio. US-Dollar spielte er weltweit rund 261,3 Mio. US-Dollar ein, davon 119,4 Mio. US-Dollar in Nordamerika.[6] Inflationsbereinigt entspricht dies inzwischen Gesamteinnahmen von etwa 627 Mio. US-Dollar.
Er startete am 26. Juli 1990 in den deutschen Kinos, wo er auf etwa 1,9 Millionen Zuschauer kam.[7] Aufgrund drastischer Darstellung von Gewalt gab ihn die FSK ursprünglich ab 18 Jahren frei, er wurde jedoch am 28. März 1991 durch die BPjS indiziert. Im August 2011 wurde die Originalfassung wieder von der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen[8][3] und am 19. August 2011 ab 16 Jahren freigegeben.[1]
Eine um etwa zwei Minuten gekürzte Fassung mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren läuft regelmäßig im deutschen Free-TV. Mittlerweile wird aber auch die ungekürzte Fassung im Spätprogramm ausgestrahlt. Am 1. März 2022 kam diese digital überarbeitet nochmal für einen Tag in die deutschen Kinos.[9]
Kritiken
| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 81 %[10] |
| Metacritic (Metascore) | 60/100[11] |
| AllMovie | |
| CinemaScore | A–[13] |
| James Berardinelli | |
| Filmstarts |
Das Presseecho fiel eher gut aus, was sich auch in den Auswertungen von US-Aggregatoren widerspiegelt. Zwar erfasst Rotten Tomatoes größtenteils wohlwollende Besprechungen und ordnet Total Recall damit als „Verbrieft Frisch“ ein.[10.1] Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel aber nur „Durchwachsen oder Durchschnittlich“ aus.[11.1]
„In der Belanglosigkeit und enttäuschenden geistigen Armut der Geschichte […] kommt der konsequent über den ganzen Film verteilten […] Atmosphäre der Gewalttätigkeit erhöhte Bedeutung zu[.]“
„Seine tricktechnischen Leistungen sind die einzige Originalität des inhaltlich epigonalen und uninspirierten Films, der die wirre Erlösergeschichte um falsche Identitäten lediglich ausbreitet, um eine rabiate Action-Maschinerie zu entfesseln.“
„Auf den ersten Blick sehr schlicht, wirft das bewusst kitschig gehaltene Ende effektiv die Frage auf, ob das Ganze nun doch nur ein Traum war. […] So lässt der Film verschiedene Lesarten zu und empfiehlt sich zur nochmaligen Ansicht. Während dieser offenbaren sich plötzlich neue Details und vermeintliche Logikschwächen (die es zuhauf gibt) ergeben in ihrer Funktion den Status Quo zu hinterfragen plötzlich einen Sinn. […] Die zynischen Comedy-Elemente sind nicht zu übersehen. Nebst inhaltlicher Tiefe überzeugt Total Recall gerade auch als eine der schrägsten und makabersten Science-Fiction-Komödien aller Zeiten.“
James Berardinelli nannte den Film „blutig, aber schick“, wobei er Regisseur Paul Verhoeven sowie die Leinwandpräsenz von Arnold Schwarzenegger lobte.[14]
Auszeichnungen
- Rob Bottin (Maskenbildner), Eric Brevig, Alex Funke und Tim McGovern erhielten für die visuellen Effekte einen Special Achievement Award
- Michael J. Kohut, Carlos Delarios, Aaron Rochin und Nelson Stoll wurden für den Besten Ton nominiert
- Stephen Hunter Flick wurde für den Besten Tonschnitt nominiert
Der Film gewann 1991 den Saturn Award in zwei Kategorien, darunter als bester SF-Film, und wurde in sieben weiteren Kategorien für den Saturn Award nominiert – darunter Arnold Schwarzenegger, Rachel Ticotin, Paul Verhoeven und Jerry Goldsmith. Er wurde ebenfalls 1991 wegen der visuellen Spezialeffekte für den BAFTA Award nominiert.
Jerry Goldsmith gewann für seine Filmmusik 1991 den BMI Film Music Award.[16]
Entstehung
Der Film basiert auf der Kurzgeschichte Erinnerungen en gros des amerikanischen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick. Die Suche nach der Wirklichkeit ist in der Kurzgeschichte erheblich wichtiger. Hier werden auch nicht die Mars-, sondern die Erdenbewohner gerettet. Die Figur Cohaagens sowie der meisten anderen Filmfiguren kommen in Dicks Kurzgeschichte nicht vor.
Die Anfangsszenen (auf der Erde) wurden unter anderem in Mexiko-Stadt in den Metrostationen Chabacano und Universidad (Flucht in die Metro) und der Glorieta Insurgentes (Taxifluchtszene) gedreht. Die Spezialeffekte lieferten Eric Brevig, B.J. Rack und Industrial Light & Magic.
Im Film gibt es einige Verweise auf Per Anhalter durch die Galaxis: das Umwickeln des Kopfes mit einem Handtuch, um nicht gefunden zu werden, die dreibrüstige Hure (eine Anspielung auf Eccentrica Gallumbits) und der nervtötend-lächerliche Taxifahrer-Roboter Johnnycab.
Fortsetzung und Adaptionen
- Zum Kinostart erschien eine Romanfassung von Piers Anthony.[17]
- Für das Fernsehen wurde ab 1998 eine Serie namens Total Recall 2070 produziert, die sich lose an dem Film orientierte. Sie wurde nach einer Staffel abgesetzt.
- 2001 entstand unter der Regie von Jeffrey Schwarz die 30-minütige Dokumentation Imagining Total Recall, die einen Blick hinter die Kulissen und exklusive Interviews bietet. Dieses Making-of wurde erstmals 2001 auf der amerikanischen Special-Limited-Edition-DVD veröffentlicht.
- In der gleichnamigen Neuverfilmung spielt Colin Farrell die Rolle des Douglas Quaid.[18] Kinostart in Deutschland war der 23. August 2012.[19]