Diebold Baselwind

Deutschordensbruder und Leutpriester in Bern From Wikipedia, the free encyclopedia

Diebold Baselwind, auch Theobald Baselwind (* um 1300; † 2. Mai 1360 in Bern), war ein Deutschordensbruder und Leutpriester in Bern.

Leben

Herkunft und frühe Karriere

Baselwind stammte aus Gebweiler im Elsass und kam als Mitglied des Deutschen Ordens nach Bern. Der Orden besass in Köniz eine Komturei und unterhielt in Bern ein Ordenshaus mit mehreren Brüdern. Im März 1329 wird Baselwind erstmals urkundlich als Leutpriester (plebanus bernensis) der Stadt erwähnt. In dieser Position oblagen ihm nicht nur die Leitung des Ordenshauses, sondern insbesondere die Predigt und Seelsorge für die Burgerschaft Berns. Der Leutpriester war somit der eigentliche Pfarrer der Stadt, während die übrigen Ordensbrüder als seine Stellvertreter und Helfer fungierten.

Wirken im Dienste der Wohlfahrt

Im Jahre 1334 legte er gemeinsam mit Ulrich Bröwo und Ulrich Pfund den Grundstein zur Münsterterrasse (Münsterplattform), einem der noch heute bewunderten Wahrzeichen Berns.[1] 1346 liess er eine baufällige, alte Kapelle durch eine neue ersetzen, die im selben Jahr eingeweiht und ihrerseits wieder 1494 der späteren Nydeggkirche weichen musste.[2] Besondere Aufmerksamkeit richtete Baselwind auf das vermutete vom Deutschen Orden 1307 gegründete Niedere Spital. Nachdem die Anstalt zunächst bei der Stadtmühle gelegen hatte, half er 1335 mit, sie infolge einer Landschenkung durch den Stadtrat auf das jenseitige Aare-Ufer, ungefähr an die Stelle des späteren "Klösterli"[3], zu verlegen. Die grosse Zahl von Schenkungen und Vermächtnissen aus dieser Zeit zeigt, wie erfolgreich Baselwind das Bewusstsein für öffentliche Wohltätigkeit unter der Berner Burgerschaft geweckt hatte.

Soziale Innovationen: Beginen- und Schwesternhäuser

Baselwind erkannte weitere Bedürfnisse der Stadt und setzte sich energisch für deren Erfüllung ein. Die Schwestern des kleinen, mit dem Ordenshaus verbundenen Frauenkonvents unterstellte er nicht nur seiner Aufsicht, sondern verpflichtete sie ausdrücklich zur Arbeit in der Armen- und Krankenpflege. Dies war bemerkenswert, da die Kirche derartigen Einrichtungen damals mit Misstrauen begegnete.

Am 25. Juni 1331 wurden zwei Schwesterngenossenschaften (siehe Beginen) gegründet und durch strenge Regeln organisiert. Die erste beruhte auf der Stiftung der Witwe Beta von Thun (auch Bela von Burgdorf genannt), die bereits 1326 ein Haus mit Garten an der Kirchgasse ihrem Beichtvater Ulrich Bröwo vermacht hatte. Diese Anstalt wurde später das Bröwenhaus genannt, und ihre Bewohnerinnen – stiftungsgemäss dreizehn Frauen – trugen den Namen "graue Schwestern".[4] Die zweite Gemeinschaft ging auf eine Stiftung des Magisters Jordan, des Stadtarztes von Bern, zurück und wurde das Jordanshaus[5] genannt; seine Bewohnerinnen waren die "weissen Schwestern"[6].

Diese Häuser dienten einem doppelten Zweck: Sie boten alleinstehenden Frauen eine Versorgungsstätte und schufen zugleich ein System geordneter Krankenpflege in der Stadt. Baselwind sorgte dafür, dass einige Schwestern sich explizit durch Kirchenbusse verpflichteten, zwölf arme Kinder je vier Wochen im Jahr zu "spisen und die Füsse zu waschen".

1340 folgte eine dritte Stiftung[7] durch die reiche Witwe Margareta Isenhut[8], die ihr ganzes Vermögen für eine Anstalt bestimmte, die armen und gebrechlichen Frauen Zuflucht bot. 1354 stiftete schliesslich Anna Seiler eine ähnliche Einrichtung für Kranke. Diese letzte Anstalt sollte nach der Reformation, bei ihrer Verschmelzung mit den erwähnten Schwesternhäusern, zum heutigen Inselspital führen.

Der Laupenkrieg und seine Rolle

Eine Aufgabe ganz anderer Art fiel Baselwind im Jahre 1339 zu, als der Laupenkrieg Bern in höchste Not brachte. Die Adligen des Landes verbündeten sich, um die trotzige Stadt zu zerstören, und sogar Kaiser Ludwig der Baier gebot ihre Vernichtung, weil Bern ihm die Anerkennung verweigerte. In dieser kritischen Stunde war es Baselwind, der mit zündender Beredsamkeit die Bürgerschaft stärkte.

Er bewog die Berner einerseits, alle Forderungen ihrer Gegner zu erfüllen, andererseits aber zum festen Entschluss, lieber zu sterben, als ihre Rechte aufzugeben oder sich durch die Huldigung vor einem vom Papst gebannten König selbst dem Kirchenbann auszusetzen. Die religiöse Mobilisierung der Stadt war Baselwinds Werk: Durch Gebete und Gelübde bereiteten sich die Berner zum Entscheidungskampf vor, und eine tiefe religiöse Bewegung ergriff die Gemüter.

Am Tage der Schlacht selbst ritt Baselwind als Feldprediger[9] an der Spitze des Zuges mit der Monstranz in der Hand mit nach Laupen hinaus. Während der Schlacht geriet er kurzzeitig in die Gefangenschaft der Feinde, wurde aber durch den siegreichen Ausgang befreit. Nach der Schlacht lenkte er die Dankbarkeit der Sieger in die rechten Bahnen: nicht in leeren Zeremonien, sondern in Almosen für die Armen sollte Gott geehrt werden. Der 22. Juni wurde als Landesfeiertag als Jahrestag des Sieges zum "10.000-Ritter-Tag" erklärt und fortan alljährlich durch Wohltätigkeitsgaben begangen.[10]

Friedensstiftung und späte Jahre

Nach dem Kampf bemühte sich Baselwind, die rohe Gewalt zu beenden und die von Fehden geprägte Zeit in eine geordnete Rechtsordnung zu überführen. Mehrere Urkunden zeigen ihn als Friedensstifter: Geschädigte eines Wucherers namens Niklaus Wül verzichteten auf gewaltsame Selbsthilfe und akzeptierten Entschädigungen, offenbar auf Baselwinds Zureden hin. Sein Einfluss strahlte weit über die Grenzen Berns aus – bis ins Oberland nach Wimmis hinauf.

In seinen letzten Jahren erschien Baselwinds Name fast nur noch in Schenkungsurkunden zu Gunsten seines Hauses und seiner frommen Stiftungen. Doch 1346 fungierte er als bischöflicher Kommissar zu einer ausserordentlichen Visitation des Klosters Interlaken.[11] In seinem schriftlichen Bericht schreibt er pragmatisch und werteorientiert, was einen Gegenpol zum Formalismus des spätmittelalterlichen Kirchenwesens bildete.

1359 schloss er mit der Stadt eine Vereinbarung über den Neubau des im Erdbeben von 1356 eingestürzten Chors der Pfarrkirche St. Vinzenz.

Literatur

Einzelnachweise

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