Diedergruppe
spezielle Symmetriegruppen
From Wikipedia, the free encyclopedia
In der Gruppentheorie lässt sich die Diedergruppe als eine Gruppe erklären, die aus Drehungen und Achsenspiegelungen in der Ebene besteht. Für ist das die Symmetriegruppe eines regelmäßigen -Ecks in der Ebene. Ihr Name leitet sich vom Wort Dieder für regelmäßige Vielecke ab. Diese Gruppen treten häufig in der Geometrie und Gruppentheorie auf, werden von ein oder zwei Spiegelungen (Elementen der Ordnung ) erzeugt und sind damit die einfachsten Beispiele von Coxeter-Gruppen.

Bezeichnungen
Es gibt für Diedergruppen zwei abweichende Bezeichnungen. In der Geometrie schreibt man üblicherweise , um den Zusammenhang mit dem regelmäßigen -Eck zu unterstreichen. In der Gruppentheorie schreibt man oft auch , um stattdessen die Ordnung hervorzuheben. Diese Zweideutigkeit lässt sich jedoch leicht durch eine erläuternde Ergänzung beheben. In diesem Artikel steht für die Diedergruppe mit Elementen.
Definition
Die Diedergruppe lässt sich für jede ganze Zahl als eine Gruppe erklären, die aus Drehungen und Achsenspiegelungen in der Ebene sowie der Verkettung als Verknüpfung besteht.[1] Dadurch ist sie im Wesentlichen eindeutig festgelegt. Denn diese Kongruenzabbildungen haben dann einen gemeinsamen Fixpunkt [2] die Drehwinkel sind
und die Spiegelachsen ergeben sich aus einer von ihnen durch Drehungen um die Winkel
(siehe Satz von Leonardo).
Für ist die Gruppe daher identisch mit der Symmetriegruppe eines regelmäßigen -Ecks, dessen Symmetrieachsen die Spiegelachsen sind und dessen Mittelpunkt somit ist. Die Gruppe ist dann nicht abelsch, und ihre Elemente bezeichnet man auch als Symmetrietransformationen.
Die Diedergruppe kann für jedes auch algebraisch definiert werden als semidirektes Produkt (dabei ist in dem semidirekten Produkt die Operation von auf durch Inversion gegeben). Aber darauf wird hier nicht weiter eingegangen.
Beispiele
Ein Beispiel ist die Diedergruppe der Kongruenzabbildungen eines gleichseitigen Dreiecks auf sich, die isomorph zur symmetrischen Gruppe ist. ist entsprechend die Symmetriegruppe des Quadrats unter Spiegelungen und Drehungen.
ist isomorph zur Kleinschen Vierergruppe und ist die Symmetriegruppe (bestehend nur aus den beiden Spiegelungen, der Drehung um 180° und der Identität) von den vier Ecken eines Quadrats, bei dem nur die rechte und linke Seite eingezeichnet sind (also zwei Zweiecke). ist die Symmetriegruppe eines Zweiecks.
ist auch die Symmetriegruppe eines nicht gleichseitigen Rechtecks oder einer nicht gleichwinkligen Raute. ist auch die Symmetriegruppe eines gleichschenkligen Dreiecks, das nicht gleichseitig ist.
Die folgende Grafik illustriert die Diedergruppe anhand der Drehungen und Spiegelungen eines Stoppschildes: Die erste Zeile zeigt die acht Drehungen, die zweite Zeile die acht Spiegelungen.
Matrix-Darstellung
Die Drehungen und Achsenspiegelungen der Diedergruppe mit einer ganzen Zahl lassen sich durch orthogonale Matrizen darstellen. Dazu wird in der Ebene ein positiv orientiertes[3] kartesisches Koordinatensystem zugrunde gelegt, dessen Ursprung der Fixpunkt ist und dessen Achse eine der Spiegelachsen ist. Die Drehung um den Winkel (im positiven Sinn)[3] wird dann durch die Matrix
dargestellt und die Spiegelung an der um um den Winkel gedrehten Achse durch
Diese Matrizen bilden bezüglich der Matrizenmultiplikation eine zu isomorphe Gruppe. Diese Matrizengruppe ist eine Untergruppe der orthogonalen Gruppe und wird im Folgenden mit identifiziert.
Die Winkel lassen sich für alle ganzen Zahlen bilden, ebenso die zugehörigen Drehungen und Achsenspiegelungen bzw. Matrizen und Es fallen dann folgende Relationen auf:
- und für alle
- , die Drehung um den Winkel , ist die Identität.
- ist die Drehung um den Winkel und es gilt für alle .
- ist die Spiegelung an der -Achse und es gilt für alle .
Im Fall gilt mit dem in der obigen Definition betrachteten regelmäßigen -Eck: Wenn ungerade ist, dann verläuft jede der Spiegelachsen durch einen Eckpunkt und den Mittelpunkt der gegenüberliegenden Seite. Für gerades gibt es hingegen zwei Arten von Spiegelachsen, durch zwei gegenüberliegende Eckpunkte oder durch zwei gegenüberliegende Seitenmittelpunkte.
In der Matrix-Darstellung schreiben sich zum Beispiel die acht Elemente der Diedergruppe wie folgt:
Diese Drehungen und Spiegelungen lassen sich bildlich wie folgt darstellen:

ist die Drehung um 90° im Uhrzeigersinn,
ist die Spiegelung an der vertikalen Mittelachse.[4]
Permutations-Darstellung
Betrachten wir zunächst als Beispiel die Diedergruppe . Diese operiert durch Symmetrietransformationen auf einem Quadrat wie in der vorangehenden Grafik gezeigt. Betrachtet man die Aktion der Diedergruppe auf den Eckpunkten , erhält man eine treue Darstellung in die symmetrische Gruppe , also einen injektiven Gruppenhomomorphismus . Genauer gesagt wirken die Transformationen auf den Ecken als folgende Permutationen:
Ganz allgemein definiert die Operation der Diedergruppe auf den Eckpunkten eine treue Darstellung . In obiger Notation erhält man zum Beispiel die Permutation
In Zyklenschreibweise ist dies die zyklische Permutation, die auf abbildet, auf und so weiter, bis schließlich auf abgebildet wird. Die weiteren Drehungen erhält man hieraus mittels der Relation für alle . Für die Spiegelung an der Symmetrieachse durch erhält man entsprechend in Zyklenschreibweise
mit der Gaußschen Ganzteilfunktion (die jeder reellen Zahl die größte ganze Zahl zuordnet, die nicht größer als ist). Die weiteren Spiegelungen erhält man hieraus mittels der Relation für alle (mit ).
Erzeuger und Relationen
Alle Drehungen werden von erzeugt. Diese bilden eine zyklische Untergruppe der Ordnung und demnach von Index . Man erhält die gesamte Gruppe durch Hinzufügen einer beliebigen Spiegelung, zum Beispiel , und so die Präsentation
für wobei das neutrale Element der Gruppe ist.

Aus den letzten beiden Gleichungen folgt und daraus
für alle ganzen Zahlen (zunächst induktiv nur für aber hieraus auch ). Mit ergibt sich noch
Die Verkettung von zwei Spiegelungen ist eine Drehung. Ist der Winkel zwischen den beiden Spiegelachsen , so ist diese Verkettung eine Drehung um den Winkel . Das bedeutet, dass die Diedergruppe für von zwei benachbarten Spiegelungen, zum Beispiel und , erzeugt wird. Man erhält so die Präsentation
für bzw. . Dies ist der einfachste Fall einer Coxeter-Gruppe.
Für alle Indizes und gilt außerdem:
Dabei werden die Indizes jeweils modulo betrachtet ( und ).
Anwendungen
Geometrie
Diedergruppen sind die einfachsten Beispiele von Spiegelungsgruppen. Diese spielen in der klassischen Geometrie eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei der Klassifikation der regulären Polyeder. In Dimension entsprechen hier Diedergruppen den regulären Polygonen.
Codierung
Manche Prüfsummenverfahren beruhen auf Diedergruppen – als Alternative zu diversen modulo-basierten Verfahren. So wurde bei den 11-stelligen Nummern der 10- bis 1000-DM-Banknoten der vierten Serie (der letzten vor dem Euro) ein Prüfzeichen-Code über der Diedergruppe verwendet[5][6] (für die 10-stelligen Nummern der 5-DM-Scheine wurde er in naheliegender Weise modifiziert).

Der Code lässt sich als die Menge aller 11-Tupel
auffassen, welche die folgende Kontrollgleichung erfüllen:
mit der durch die Skizze gegebenen bijektiven Abbildung und deren Iterierten wie etwa ( und wie oben). Der Code lässt jeden Einzelfehler erkennen, ebenso jede Nachbar-Vertauschung („Zahlendreher“) – außer der von mit (es wurde vergessen, mit abzubilden[5]).
| 5 Drehungen | 5 Spiegelungen | |||||||||
| Gruppenelement | ||||||||||
| Ziffer | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
| Buchstabe | A | D | G | K | L | N | S | U | Y | Z |
Bei den Nummern sind die Gruppenelemente durch Buchstaben und durch Ziffern gemäß der Tabelle symbolisiert (die Ziffer an der letzten Stelle ist das Prüfzeichen).
Beispiel. Die Nummer AA6186305Z2 eines 100-DM-Scheins[6] entspricht dem 11-Tupel
Um zu zeigen, dass die Kontrollgleichung tatsächlich erfüllt, werden zunächst die einzelnen Faktoren der linken Seite an der Skizze abgelesen: und so fort. Dann wird ihr Produkt bestimmt und vereinfacht, insbesondere mit den drei in Klammern stehenden Rechenregeln in für ganzzahliges
und somit ist auch
Siehe auch
Weblinks
- Eric W. Weisstein: Dihedral Group. In: MathWorld (englisch).
- Stephan-Brumme.com: Der Geldscheintester.