Diener Tattersall
Lokal und Künstlertreffpunkt in Berlin-Charlottenburg (Deutschland)
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Diener Tattersall ist ein traditionsreiches Lokal und Künstlertreffpunkt in Berlin-Charlottenburg (Deutschland). Es befindet sich in der denkmalgeschützten Grolmannstraße 47 beim Savignyplatz und ist für die Berliner Geschichte als ehemaliger „Tattersall des Westens“ und als Kult-Kneipe bekannt.[1]


Geschichte
Tattersall des Westens
Die Wurzeln des Orts liegen im späten 19. Jahrhundert. 1893 wurde zwischen der Grolmanstraße und der Uhlandstraße in Berlin-Charlottenburg eine Reitschule beziehungsweise Reitanlage nach englischem Vorbild errichtet, die als „Tattersall des Westens“ bekannt war. In den S-Bahn-Bögen befanden sich Pferdeställe und eine Sattlerei, zwei Reithallen dienten dem Unterricht und den Ausritten. In der Grolmanstraße 47 wurde ein Backsteingebäude mit Casino- und Gesellschaftsräumen gebaut.[1]
Der Name Tattersall geht historisch auf Richard Tattersall (1724–1795) zurück, einen britischen Stallmeister und Pferdehändler, dessen 1766 gegründete Reitschule in London namensgebend wurde. Der Begriff Tattersall wurde seither in vielen Städten für vergleichbare Einrichtungen verwendet.[2]
Das Gebäude in der Grolmannstraße 47 ließ der Bauherr Carl Knaudt von den Maurermeistern August Ziechmann und Heinrich Mittag als Reithalle mit Mietshaus planen und errichten. Die Fertigstellung wird mit 1900 datiert. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.[3]
Ab 1942 wurde der originale Reitbetrieb eingestellt, da die Pferde im Zweiten Weltkrieg an die Front gebracht wurden. 1944 brannte die Reithalle infolge eines Bombenangriffs ab, jedoch blieb das Gebäude in der Grolmanstraße intakt.[1]
Franz Diener und die Künstlerkneipe
1954 übernahm der frühere deutsche Schwergewichtsboxer Franz Diener (1901–1969) das Gebäude und das dort angesiedelte Café-Restaurant. Diener benannte das Lokal zunächst nach sich selbst und entwickelte es zu einem Treffpunkt für Künstler, Schauspieler und Intellektuelle. Unter seinen Gästen sollen unter anderem Persönlichkeiten wie Hans Albers, Romy Schneider, Harald Juhnke und weitere bekannte Größen der deutschen Kulturszene gewesen sein.[1][4] Günter Grass beschreibt in seinem Buch Mein Jahrhundert einen Abend im Diener.[5] Der Maler Georg Grosz starb stark alkoholisiert infolge eines Sturzes nach einem Besuch des Dieners wie der Autor Bernd Oertwig herausfand.[6]
Nach Dieners Tod im Jahr 1969 führten Lilo Wirthwein und Rolf Honold die Tradition der Künstlerkneipe fort. Sie erweiterten eine Galerie mit Prominentenporträts, die noch heute die Wände des Lokals schmückt.[1]
Seit 2005 wird das Lokal von weiteren Betreibern weitergeführt, die den historischen Charakter und die Atmosphäre des Hauses bewahren.[1] Heinz Werner Kraehkamp war bis zu seinem Tod im Jahr 2012 Wirt des Diener Tattersall. Danach wurde es von dessen Schwester alleine fortgeführt.[7]
Lokalität und Kultur

Heute gilt das Diener Tattersall als eine der ältesten noch bestehenden Künstlerkneipen Berlins. Die Einrichtung und Atmosphäre sind stark von der Tradition und Geschichte des Hauses geprägt. Die Wände sind mit rund 500 Fotografien von Gästen aus Kunst, Kultur und Unterhaltungsgeschichte dekoriert.[8] Viele davon stammen von Schauspielern aus den Theatern in der Nähe, wie dem ehemaligen Schiller-Theater, dem Renaissance-Theater, der Komödie am Kurfürstendamm, dem Theater des Westens oder der Schaubühne und sind mit persönlichen Widmungen versehen.[4]
Kulinarisch bietet das Lokal klassische deutsche Hausmannskost und Berliner Küche in einem authentischen, historisch gewachsenen Ambiente.[8]
Lage und Betrieb
Das Diener Tattersall befindet sich in der Grolmanstraße 47 im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin und ist traditionell ab dem frühen Abend geöffnet.[9]
Literatur
- Olaf Thiede, Jörg Wacker, Chronologie Potsdam und Umgebung : die Kulturlandschaft von 800 bis 1918 : Brandenburg, Potsdam, Berlin 3 Ereignisse, Bauwerke ; 2, Kap. 12–26 2007, Potsdam, Verlag Thiede, Seite 1234.
- Claudia Mertz-Rychner Die Briefwechsel mit Carl Jacob Burckhardt und Max Frisch, mit einer Dokumentation, 2000, Verlag Röhrig, ISBN 3-86110-238-2, Seite 296.
- Clemens Füsers Jahrhundertkneipen in Berlin; 2018, avedition, ISBN 978-3-89986-290-4, S. 8–19
Siehe auch
Weblinks
- Thomas Schmid: "Eine ganz üble Spelunke". Rolf Honold, der legendäre Wirt des DIENER, ist gestorben. In: welt.de. 30. Mai 2024, abgerufen am 21. Februar 2026.
- Susanne Jungbluth: Diener Tattersall: Ur-Berliner Kneipe. In: vonortzuort.reisen. 11. September 2024, abgerufen am 21. Februar 2026.
- Tattersall des Westens. In: berlin.de. Abgerufen am 21. Februar 2026.
- Diener Tattersall - Vivre à Berlin. In: vivreaberlin.com. 10. September 2013, abgerufen am 21. Februar 2026 (französisch).