Dierk Lange
deutscher Afrikanist
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Dierk Lange (* 1941) ist ein deutscher Afrikanist und Historiker sowie emeritierter Professor für Afrikanische Geschichte an der Universität Bayreuth. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der älteren Geschichte Westafrikas, insbesondere der historischen Verbindungen zwischen Westafrika und dem Alten Vorderen Orient.
Leben
Dierk Lange wurde 1941 als Sohn deutscher Eltern geboren, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Ostafrika zurückkehrten. Er wuchs in Hamburg auf und absolvierte dort 1961 sein Abitur. Nach einem Jahr Wehrdienst verließ er die Armee als Kriegsdienstverweigerer und engagierte sich im Service Civil International in Frankreich.
1962 begann Lange ein Studium an der Universität Paris-Sorbonne, wo er sich mit Politikwissenschaft, Soziologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften, Afrikanischer Soziologie, Anthropologie, Allgemeiner Geschichte, Islamwissenschaften und schließlich Afrikanischer Geschichte beschäftigte. Nach der Rückkehr von einer einjährigen Afrika-Reise erlangte er 1969 seinen Maîtrise-Abschluss. 1974 promovierte er bei Raymond Mauny in Afrikanischer Geschichte mit einer Dissertation über das Königreich Kanem-Bornu, die später unter dem Titel „Le Diwan des sultans du Kanem-Bornu: Chronologie et histoire d’un royaume africain“ veröffentlicht wurde.
Nach seiner Promotion verlegte Lange seinen Wohnsitz von Paris nach Kairo, um sich dort neben Manuskriptforschung vertieften Studien der arabischen Sprache zu widmen. Danach lehrte er von 1980 bis 1985 als Dozent mittelalterliche Afrikanische und Islamische Geschichte an der Universität Niamey in Niger. Um weiterhin über arabische Manuskripte forschen zu können, bewahrte er seinen Wohnsitz in Kairo. Mit einer Arbeit zur mittelalterlichen Geschichte von Bornu und den Haussa-Staaten, betreut von Jean Devisse und Eike Haberland, erwarb er 1987 das Doctorat d’État, der Entsprechung einer deutschen Habilitation wieder an der Universität Paris IV (Paris-Sorbonne), um seine akademische Karriere in Europa fortführen zu können.[1] 1988 wurde Lange zum Professor für Afrikanische Geschichte an der Universität Bayreuth berufen und war dort Mitglied der Afrikaforschungsgruppe der Universität. Im Jahr 2006 wurde er emeritiert.
Forschungsschwerpunkte
Langes Forschungen konzentrieren sich auf die frühe Geschichte Westafrikas und die scheinbar damit verbundenen vorderorientalischen Einflüsse auf die subsaharischen Staatengründungen. In seinem Buch Ancient Kingdoms of West Africa (2004) argumentiert er, dass es intensive Kontakte zwischen Westafrika und dem Alten Vorderen Orient gab, die, in Bezug auf Israel, bis in die vorexilische Zeit zurückreichen. Diese These untermauerte er anschließend durch dynastische Vergleiche, in denen er darlegte, dass wichtige Staaten Westafrikas durch Einwanderer aus dem zerfallenden assyrischen Weltreich – ungefähr um 600 v. Chr. – gegründet wurden. Zu diesen Neugründungen gehören nach seinen Darlegungen insbesondere folgende Reiche: Kanem-Bornu, die Hausastaaten, Kebbi, Oyo-Yoruba und die Sao-Kotoko Staaten, Gulfeil und Makari, südlich des Tschadsees.
Langes Ansichten widersprechen radikal vorherigen Annahmen und wurden deshalb in neueren Forschungen bisher nur wenig berücksichtigt.
Veröffentlichungen
Entsprechend seiner Ausbildung an der Sorbonne in Paris publizierte Lange seine Forschungsergebnisse zunächst hauptsächlich auf Französisch (von 1972 bis 1988). Nach seiner Umsiedlung von Kairo nach Hamburg und dann nach Bayreuth veröffentlichte er für einige Zeit vorrangig auf Deutsch (von 1984 bis 2006), aber seit seiner Emeritierung 2006 beinahe ausschließlich auf Englisch, insgesamt ca. 90 Veröffentlichungen.
- Le Diwan des sultans du Kanem-Bornu. Chronologie et histoire d’un royaume africain, Wiesbaden 1977.
- "Progrès de l'Islam et changements politiques au Kanem du XIe au XIIIe siècle: un essai d'interprétation", Journal of African History, 1978, 495–513.
- A Sudanic Chronicle. The Borno Expeditions of Idris Alauma (1564–1576), Stuttgart 1987.
- "Préliminaires à une histoire des Sao", Journal of African History, 1989, 189–210.
- "Das hebräische Erbe der Yoruba", in: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Teil 1: "Ursprungssagen, Schöpfungsmythen und Festrituale", 1997, 77–136; Teil 2: "Israelitische Geschichte und kanaanäischer Kult", 1999, 79–144.
- Ancient Kingdoms of West Africa. Africa-Centred and Canaanite-Israelite Perspectives, Dettelbach 2004, ISBN 3-89754-115-7.
- The Founding of Kanem by Assyrian Refugees ca. 600 BCE: Documentary, Linguistic, and Archaeological Evidence, Boston 2011
- "Origin of the Yoruba and ‘The Lost Tribes of Israel`", Anthropos, 2011, 579–595.
- "The Bayajida Legend and Hausa History", in: E. Bruder, T. Parfitt (Hrsg.): African Zion: Studies in Black Judaism, Newcastle 2012, 66–85."
- "The traditions of Gulfeil", in: P. M. Mosima (Hrsg.), A Transcontinental Career in Honor of Wim van Binsbergen, Hoofddorp, 2018, 95–126.
- "The Assyrian factor in West African history: The founding of Ancient-Near-Eastern successor states in sub-Saharan Africa", in: W. van Binsbergen (Hrsg.) Rethinking Africa´s Transcontinental Continuities, 2019, 265–298.
- "Sao Traditions of Makari South of Lake Chad", Transcontinental projections of Assyro-Babylonian History, Anthropos 2021, 111–136.