Dietrich Scholze

sorbischer Literaturwissenschaftler; Direktor des Sorbischen Instituts (1992–2016) From Wikipedia, the free encyclopedia

Dietrich Scholze (obersorbisch Dietrich Šołta, auch Dietrich Scholze-Šołta; * 8. September 1950 in Bautzen, Deutsche Demokratische Republik) ist ein sorbischer Literaturwissenschaftler. Von 1992 bis 2016 war er Direktor des Sorbischen Instituts sowie von 1997 bis 2016 Honorarprofessor für Sorabistik an der Universität Leipzig.

Leben

Scholze studierte ab 1969 Slawistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während seines Studiums spezialisierte er sich auf Polonistik und Russistik.[1] Nach Studienabschluss war er ab 1974 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1980 promovierte er dort mit der Arbeit Krieg und Widerstand in der polnischen Prosa und wurde 1988 mit der Arbeit Polnische Dramatik im 20. Jahrhundert: Traditionen – Poetiken – Wirkungen. habilitiert (Promotion B). Von 1990 bis 1991 war er Leiter des Bereichs Slawistik am Zentralinstitut für Literaturgeschichte. Bei seinen Forschungen widmete sich Scholze vor allem der polnischen Literatur und in den 1980er-Jahren zunehmend auch sorbischen Themen.

Scholze wurde 1992 Direktor des neu gegründeten Sorbischen Instituts in Bautzen. Ab 1997 war er zudem Honorarprofessor am Institut für Sorabistik der Universität Leipzig. Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit am Sorbischen Institut waren die Geschichte des sorbischen Theaters zwischen 1862 und 2002 sowie Leben und Werk Jurij Brězans.[1] Bis Ende 2015 war Scholze Mitglied der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.[2] Er war Vorstandsmitglied des sorbischen Künstlerbundes und der Maćica Serbska, für deren Sektion Literatur und Kunst er den Vorsitz übernahm.[3] Außerdem war er Chefredakteur der Zeitschrift Lětopis. 2016 wurde er an der Leipziger Universität emeritiert[4] und beendete im gleichen Jahr seine Tätigkeit am Sorbischen Institut.[1] Sein Nachfolger als Direktor des Sorbischen Instituts wurde Hauke Bartels.

Scholze lebt in Bautzen.

Schriften (Auswahl)

Herausgeberschaften

  • mit Ludwig Elle: Minderheiten – Rechte und Realitäten. (Lětopis-Sonderheft) Domowina-Verlag, Bautzen 1995, ISBN 3-7420-1622-9.
  • Im Wettstreit der Werte: Sorbische Sprache, Kultur und Identität auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Domowina-Verlag, Bautzen 2003, ISBN 3-7420-1911-2.
  • mit Edmund Pech: Zwischen Zwang und Beistand: Deutsche Politik gegenüber den Sorben vom Wiener Kongress bis zur Gegenwart. Domowina-Verlag, Bautzen 2003, ISBN 3-7420-1960-0.
  • mit Lars-Arne Dannenberg: Stätten und Stationen religiösen Wirkens: Studien zur Kirchengeschichte der zweisprachigen Oberlausitz. (= Schriften des Sorbischen Instituts. Bd. 4). Domowina-Verlag, Bautzen 2009, ISBN 978-3-7420-2136-6.
  • mit Franc Šěn: Jakub Bart-Ćišinski (1856–1909): Erneuerer der sorbischen Literatur. Domowina-Verlag, Bautzen 2011, ISBN 978-3-7420-2194-6.

Monographien

  • Krieg und Widerstand in der polnischen Prosa: Zur Gestaltung des Septembers 1939. Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1980.
  • Polnische Dramatik im 20. Jahrhundert: Traditionen – Poetiken – Wirkungen. Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1988.
  • Zwischen Vergnügen und Schock: Polnische Dramatik im 20. Jahrhundert. Henschelverlag, Berlin 1989, ISBN 3-362-00348-6.
  • Stawizny serbskeho pismowstwa 1918–1945. Domowina-Verlag, Bautzen 1998, ISBN 3-7420-1761-6.
  • Stawizny serbskeho dźiwadła 1862–2002. (= Fortschreibung des Werkes von Jurij Młynk aus dem Jahr 1962) Domowina-Verlag, Bautzen 2003, ISBN 3-7420-1910-4.
  • Jurij Brězan: Leben und Werk. Domowina-Verlag, Bautzen 2016, ISBN 978-3-7420-2371-1.

Einzelnachweise

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