Dietrich Tzwyvel
deutscher Mathematiker, Typograph und Komponist
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Leben

Dietrich Tzwyvel stammte aus dem kleinen Ort Zweifall am Rande des Hürtgenwaldes, der heute zu Stolberg im Kreis Aachen gehört. Von diesem Ort leitet sich auch sein Name her, wenn er auch auf seinen Druckersigneten eine Zwiebelblüte im Wappenschild führte. Er kam um 1505 nach Münster und begann dort 1512 zu drucken. Wenige Jahre später wurde er Eigentümer einer eigenen Offizin.[1][4]
Über seine Einstellung zu den Wiedertäufern in Münster liegen abweichende Berichte vor. Laut dem zeitgenössischen Bichtbok sei Tzwyvel Wiedertäufer gewesen und habe sogar eine Nonne geheiratet. Dagegen spricht jedoch, dass Tzwyvels Offizin von Wiedertäufern geplündert worden sei. Zudem verließ er Münster zu Beginn des Jahres 1534 und ging erst wieder nach dem Ende des Täuferreichs 1535 zurück. Im Jahr 1536 wurde er sogar Bürge dafür, dass vorherige Wiedertäuferinnen wieder in Gnaden genommen werden konnten.[1][4][5][6]
Tzwyvel wirkte zwischen 1540 und 1542 an der Wiederherstellung der astronomischen Uhr des St.-Paulus-Doms in Münster mit. Die vorherige Uhr war von den Wiedertäufern zerstört worden. Gemeinsam mit Johann von Aachen, Franziskaner und Domprediger, lieferte er die Berechnungen. Beteiligt waren aber auch der Schlosser Nikolaus Windemaker, der das Werk von Hand schmiedete, sowie Ludger Tom Ring, der unter Assistenz seiner Söhne die Malerei auf dem Gehäuse schuf.[7]
Werke
- Theodoricus Tzwyvel: Arithmeticae opuscula duo de numerorum praxi (quae algorithmi dicuntur), unum de integris per figurarum (more Alemanorum) delectionem, alterum de proportionibus cuis usus frequens in musicam harmonicam Severini Boetii. Quentel, Köln 1505 (Online).
- Ars supputatoria calcularis sive algorithmus linealis proiectilium de integris, una cum algorithmo de probis novemariis. o. J. [um 1505].
- Introductorium musicae practicae ad puerorum institutionem diligenter elaboratum. 1508 (2., stark erw. Aufl. u. d. T.: Introductorium musicae practicae ex probatis scriptoribus […] excerptum, collectum in ordinemque redactum. 1513).
- Tonarius. 1515.
Literatur
- Paul Bahlmann: Tzwyvel, Dietrich der Ältere. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 69 f.
- Aloys Bömer: Dietrich Tzwyvel. In: Westfälische Lebensbilder. Band 2. Aschendorff, Münster 1931, S. 15–29.
- Bertram Haller: 500 Jahre Buchdruck in Münster – ein historischer Überblick. In: 500 Jahre Buchdruck in Münster. Eine Ausstellung des Stadtmuseums Münster in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Münster (5. Juli 1991 – 10. November 1991). Ausstellungskatalog. Regensberg, Münster 1991, ISBN 3-7923-0617-4, S. 8–46, insbesondere S. 16–19.
- Wilfried Kaiser: Dietrich Tzwyvel und sein Musiktraktat „Introductorium musicae practicae. Münster 1513“ (= Marburger Beiträge zur Musikforschung. Band 2). Phil. Diss. Marburg 1968.
- Reinhard Müller: Tzwyvel, Dietrich d. Ä. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Bd. 24: Tsakiridis–Ursinus. Saur, Zürich & München 2004, ISBN 3-908255-24-4, Sp. 212.
- Joseph Prinz (Hrsg.): Ex officina literaria. Beiträge zur Geschichte des westfälischen Buchwesens. Regensberg, Münster 1968.
