Digitales Unternehmen
Begriff des Unternehmenswesens
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Digitales Unternehmen ist ein Begriff aus dem Unternehmenswesen und beschreibt ein Unternehmen oder eine Organisation mit einem hohen Anteil und Nutzung an moderner Informationstechnik (IT) und elektronischer Datenverarbeitung (EDV).
Dabei kommt den digitalen Daten eine entscheidende Rolle zu, da sie die Informationen enthalten, die zur Verarbeitung, Speicherung und zum Datenaustausch verwendet werden. Genauer gesagt geht es dabei um die umfassende Umwandlung der vielfältigen Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens in digitale Formate.[1]
Von wesentlicher Bedeutung für die Zuordnung eines Unternehmens in die Kategorie eines „digitalen Unternehmens“ ist der erreichte Reifegrad, bezogen auf die „digitale Transformation“[2] des Unternehmens und dessen Geschäftsprozesse.[3]
Tendenziell arbeiten heute kaum noch Unternehmen mit Papier und „Bleistift“, da auch Regierungen im Rahmen von E-Government-Initiativen ihre Schnittstellen digitalisieren und eine digitale Kommunikation basierend auf IT oder ITK-Technologien voraussetzen.
Definition
Eine Definition für ein Digitales Unternehmen kann daher wie folgt lauten: „Das Digitale Unternehmen realisiert seine Informationsverarbeitung innerhalb der Unternehmung und unternehmensübergreifend weitgehend digital und frei von Medienbrüchen. Es nutzt geeignete Methoden und Werkzeuge des Web 2.0 (z. B. Social Networking, Wikis, Blogs), wie auch die der Digitalen Fabrik (z. B. Simulationen, Datenmanagement, Wissensmanagement, Visualisierungen) über alle wesentlichen Prozesse im gesamten Unternehmen hinweg mit einem hohen Reifegrad unter ganzheitlichen Gesichtspunkten und entwickelt eine dem förderliche Unternehmenskultur.“[4]
Abgrenzung
Ein digitales Unternehmen ist als ein Konzept (Umwandlung der Geschäftsprozesse) zu verstehen und nicht mit den Unternehmen zu verwechseln, welche teilweise als Digitalkonzerne bezeichnet werden. Letztere haben ihre Aktivitäten im Bereich der Internetwirtschaft entfaltet und bieten dort ihre Produkte oder Dienstleistungen an.
Man spricht im produktiven Zusammenhang auch von der „digitalen Fabrik“[5] als Teil der „Industrie 4.0“ und einer Vielzahl alter und neuer CAx-Technologien.
Hintergrund

Unternehmen oder Organisationen setzen seit den 1990er Jahren in steigendem Umfang Informationstechnologien (IT) und Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im Rahmen ihrer Aktivitäten und Prozesse ein. Dies umfasst (je nach Ausprägung) die Entwicklung, Produktion sowie die Bereiche Vertrieb und Verwaltung.
Konkret geht es um den Einsatz von IT-Technologie, Computern und Anwendersoftware in den verschiedenen Bereichen. Übergeordnet finden diese Entwicklungen entlang des Informationszeitalters und seit den 2010er Jahren als Teil einer „digitalen Transformation“ statt.[6]
In einem Bericht der MIT Sloan Management Review aus dem Jahr 2015 hieß es, dass „digitale Unternehmen sich auf die Integration digitaler Technologien wie Social Media, Mobile, Analytics und Cloud konzentrieren, um die Arbeitsweise ihrer Unternehmen zu verändern.“[7] Eine Studie von dem Beratungsunternehmen McKinsey ergab, dass bis 2017 weniger als 40 % der Branchen „digitalisiert“ oder umgestellt waren, obwohl diese Technologien in Medien, Einzelhandel und Industrie stärker eingesetzt werden.[8]
Administrative Prozesse werden bei digitalen Unternehmen durch softwarebasierten Systemen, wie z. B. ERP, teilweise oder vollständig ergänzt oder ersetzt. Die Wertschöpfungsstruktur eines digitalen Unternehmens wird vernetzt[9] und die Lieferketten (Beschaffung) werden beispielsweise per Software „digital“ verwaltet.
Der Vertrieb und das Marketing wird „digital“ befähigt (E-Commerce und Online-Marketing), aber auch die Schnittstellen zum Kunden (Kundenmanagement oder CRM) werden zur Verbesserung der gegenseitigen Zusammenarbeit zwischen räumlich verteilten Aktivitäten durch beispielsweise Telearbeit optimiert.
Kontroversen
Die Verbindung verschiedener digitaler Technologien kann in einem Unternehmen zu einem geteilten Know-how beitragen und das Wissensmanagement verbessern.[10]
Werden die Auswirkung der digitalen Technologien auf die Organisation nicht berücksichtigt oder zumindest unterschätzt, entsteht eine organisatorische Lücke, d. h. die Informationstechnik (IT) treibt und die Organisation hinkt hinterher.[11]
Siehe auch
Literatur
- Axel Uhl, Stephan Loretan (Hrsg.): Digitalisierung in der Praxis: So schaffen KMU den Weg in die Zukunft. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-26136-8, doi:10.1007/978-3-658-26137-5.
- Kai Riemer, Stefan Schellhammer, Michaela Meinert (Hrsg.): Collaboration in the Digital Age: How Technology Enables Individuals, Teams and Businesses (= Progress in IS). Springer International Publishing, Cham 2019, ISBN 978-3-319-94486-9, doi:10.1007/978-3-319-94487-6 (englisch).
- Wolfgang Becker u. a. (Hrsg.): Geschäftsmodelle in der digitalen Welt: Strategien, Prozesse und Praxiserfahrungen. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-22128-7, doi:10.1007/978-3-658-22129-4.
- Tobias Kollmann (Hrsg.): Handbuch Digitale Wirtschaft. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-17290-9, doi:10.1007/978-3-658-17291-6 (englisch).
- Fred S. Roberts, Igor A. Sheremet (Hrsg.): Resilience in the Digital Age (= Lecture Notes in Computer Science. Band 12660). Springer International Publishing, Cham 2021, ISBN 978-3-030-70369-1, doi:10.1007/978-3-030-70370-7 (englisch).
- Annika Steiber: Leadership for a Digital World: The Transformation of GE Appliances (= Management for Professionals). Springer International Publishing, Cham 2022, ISBN 978-3-030-95753-7, doi:10.1007/978-3-030-95754-4 (englisch).
- Wieland Appelfeller, Carsten Feldmann: Die digitale Transformation des Unternehmens: Systematischer Leitfaden mit zehn Elementen zur Strukturierung und Reifegradmessung. 2. Auflage. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-662-65412-5, doi:10.1007/978-3-662-65413-2 (englisch).
- Wilhelm Mülder, Thomas Barton, Klaus Werner Wirtz: Digitalisierte Unternehmen: So gelingt die Digitale Transformation im Unternehmen (= Angewandte Wirtschaftsinformatik und angewandte Informatik lernen). Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2024, ISBN 978-3-658-43436-6, doi:10.1007/978-3-658-43437-3 (englisch).