Dingstock

alte Bezeichnung für die Gerichtsschranke From Wikipedia, the free encyclopedia

Dingstock (abgeleitet von Thing) hat verschiedene Bedeutungen.

Auf diesem Gedenkstein in Rieseby steht Dingstock in der ursprünglichen Bedeutung „Gerichtsschranke“ oder allgemeiner „Gerichtsstätte“.

Gerichtsschranke, Gericht

Das Wort Dingstock (dänisch tingstok) ist ursprünglich eine alte, vor allem im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitete Bezeichnung für eine Gerichtsschranke.[1]

Insbesondere die Wendung „die vier Dingstöcke“ wurde im übertragenen Sinn für das Gericht selbst verwendet.[2] Vier Bäume oder Hölzer grenzten bei Verhandlungen unter freiem Himmel den Bereich ab, den nur die beteiligten Parteien und Zeugen betreten durften.[3]

Der Thingplatz der Riesebyharde befand sich in Rieseby. Daran erinnern ein Gedenkstein mit der Beschriftung Dingstock – Thingstätte wie auch die dortigen Straßennamen Dingstock und Am Dingstock.

Stock zur Weitergabe von Einladungen und Nachrichten

Anfang des 17. Jahrhunderts kam im schleswig-holsteinischen Raum eine weitere Bedeutung des Begriffs Dingstock auf, nämlich „Dorfstock, mit dem zum Ding oder zur Fron geladen wird“ (Deutsches Rechtswörterbuch).[4]

Form

Wappen von Borgstedt mit Dingstock (oben)
Wappen von Högel mit Dingstock (unten)
Wappen von Rieseby mit Dingstock (unten)

Der Dingstock ist typischerweise ein etwa 30 Zentimeter langer, in der Grundform stabförmiger, manchmal kreuzförmiger Gegenstand, meist aus Eisen. Ansonsten variiert die Gestalt. Meist sind ein oder mehrere Ringe am Dingstock angebracht. Er kann eine Vorrichtung wie eine Klemme oder eine Tasche aufweisen, so dass schriftliche Bekanntmachungen hineingesteckt werden konnten.[5]

Verwendung

Der Dingstock diente meist dazu, im Rahmen bäuerlicher Selbstverwaltung zu Zusammenkünften oder Verhandlungen beim Bauernvogt einzuladen. Der Dingstock wurde dazu in festgelegter Reihenfolge von Hofstelle zu Hofstelle weitergereicht. Wurde die Weitergabe unterlassen oder verzögert, so wurde dieses Versäumnis bestraft und im Brücheregister vermerkt.[6]

Dingstöcke waren in manchen Orten noch im 20. Jahrhundert in Gebrauch. In Vollstedt wurden Ende der 1960er Jahre noch zwei Dingstöcke verwendet; in einer Radiosendung gab der Bürgermeister Auskunft dazu (in plattdeutschem Dialekt).[7]

In Norstedt wurden Nachrichten sogar noch im Jahr 2015 per Dingstock weitergegeben,[8] jedoch nicht mit dem originalen Dingstock aus dem Jahr 1670. Dieser wurde bis 1977 verwendet und dann von Nachbauten abgelöst. Das historische Original wurde seitdem vom jeweiligen Bürgermeister aufbewahrt und im Jahr 2018 dem Nordfriisk Instituut in Bredstedt für seine Dauerausstellung überlassen.[9]

Darstellung in Wappen

Im Wappen von Borgstedt ist ein stabförmiger Dingstock mit mehreren Ringen zu sehen. Die Gemeinde Borgstedt erklärt zu ihrem Wappen: „Die Vergangenheit Borgstedts als Bauerndorf repräsentiert der Dingstock, mit dem die Dorfbewohner früher zu Versammlungen zusammengerufen wurden.“[10]

Der Dingstock im Wappen von Högel ist ein einfacher Stab mit einem Ring. Die Gemeinde Högel nennt ihn „Thingstab“ und erläutert, er sei ein Symbol für den jahrhundertealten nordischen Brauch, „Nachrichten mit dem Thingstab innerhalb des Dorfes weiterzugeben“.[11]

Im Wappen von Rieseby ist ein kreuzförmiger Dingstock mit zwei Ringen und mit einer Klemme am Schaft zu sehen. Die Gemeinde Rieseby erklärt, der Dingstock in ihrem Wappen verweise „auf die mittelalterliche Versammlungsstätte (Thingstätte) im Raum Rieseby als damaliger Mittelpunkt der ‚Riesebyharde‘“.[12] Dieses Wappen verwendet also einen Dingstock im jüngeren Sinn als Symbol für die Thingstätte („Dingstock“ im älteren Sinn).

Sonstiges

Die Dorfzeitung der Gemeinde Schafflund heißt Dingstock. Auf der Titelseite ist ein Dingstock dargestellt.[13]

Siehe auch

Einzelnachweise

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