Dion-Verlag
deutscher Buchverlag
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Der Dion-Verlag war ein deutscher Buchverlag. Er wurde 1925 von Kurt Liebmann und Alexander Mette in Dessau als Dion-Verlag Lieb-mann & Mette gegründet und bestand bis 1946. Den Namen des Verlags hatten die Gründer von dem Begriff des Dionysischen in Friedrich Nietzsches Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik hergeleitet.
Der Verlag in der Weimarer Republik
Die ersten Bücher und Broschüren des Verlags erschienen 1925. Den Druck besorgten die Leipziger Spamersche Buchdruckerei und die Rudolf Schirrmeister K. G. in Herzberg (Elster).
Der Verlag wollte sich unter Einbeziehung wissenschaftlicher Schriften zu Kunstfragen für die Verbreitung expressionistischer Dichtung und Kunst einsetzen. Sein Programm lautete: „Die Veröffentlichungen des DION-Verlages sind Gestaltung und Bekenntnis unbeirrt eindeutigen Kunstwillens. Das Werk des Verlages wendet sich an die Jüngerschaft zukünftig schöpferischer Gesinnung und Entfaltung.“ Es umfasste Dichtung, Essays, Texte zur Kunst und theoretische Texte aus der Wissenschaft, insbesondere der Psychologie.
Der Verlag fand in der Presse Beachtung, und Persönlichkeiten der Kultur, darunter Alfred Kubin, Thomas Mann und Stefan Zweig, be-grüßten die Tendenzen und Leistungen des Verlags.
Der Verlag hatte dann zeitweilig seinen Sitz in Wernigerode, Am großen Bleek 20[1] und zog 1933 nach Berlin-Steglitz in die Schlossstraße 54, die Adresse der ärztlichen Praxis von Mette.[2]
Der Verlag im NS-Staat
Ab Mai 1933 drohte mehrmals die Löschung der Firma, zuletzt Anfang 1942, weil Publikationen der nazistischen Ideologie widerstreb-ten. Die Löschung konnte aber jeweils abgewendet werden.
Nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze musste Liebmann Im September 1935 als 25%iger „Nichtarier“ aus dem Verlag ausscheiden. Der Verlag firmierte nun als Dion-Verlag. Liebmann arbeitete inoffiziell weiter mit Mette zusammen, und sie entschlossen sich, die von ihnen vertretenen Ideen bei den Publikationen des Verlags so zu tarnen, dass diese einer Beschlagnahme nach Möglichkeit entgehen konnten. Als sie erfuhren, dass der Nazi-Gauleiter Martin Mutschmann beabsichtigt, den Bildband "Sächsische Landschaft" von Kurt Steinbach beschlagnahmen zu lassen, zogen sie das Buch zurück. Otto Nebels 1926 erschienenes Buch "Die Rüste-Wüste. Eine Keilschrift", eine polemische Schrift gegen Kriegshetze, ließ der Autor vernichten, als er in die Schweiz emigrierte.
Dennoch wurde 1935 Mettes „Die tiefenpsychologischen Grundlagen des Tragischen, Apollinischen und Dionysischen“ wegen „zersetzender Tendenz und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ beschlagnahmt und eingezogen. Dem Verlag wurde später verboten, neue Bücher zu veröffentlichen, und er durfte lediglich noch aus seinem Bestand verkaufen.
Der Verlag und sein Ende im Amerikanischen Sektor von Berlin
Nach dem Ende des NS-Staats genehmigte die Verwaltung des Bezirks Steglitz vorläufig die Weiterführung des Verlags. 1946 erfolgte die Berechtigung, die noch in beträchtlicher Zahl vorhandenen Bücher, Steinbachs Bildband, Otto Nebels "Worte zur Rhytmischen Malerei" und Johannes Schlafs "Zur Aprioritätenlehre Kants", zu vertreiben.
Nachdem der Antrag auf Weiterführung des Verlags dann nicht beschieden wurde und Mette in die Sowjetische Besatzungszone zog, wo Liebmann bereits lebte, ging die Geschichte des Verlags zu Ende.
Weitere Autoren des Verlages
- Friedrich Böttger (1895–1936)
- Helmut Doepp (* 1904; Todeszeitpunkt nicht bekannt)
- Hilde Doepp (* 1897; Todeszeitpunkt nicht bekannt)
- Bruno Jöckel
- Ilske Leskin
- Rudolf Pannwitz (1881–1969), Schriftsteller und Philosoph
Literatur
- Kurt Liebmann, Alexander Mette: Zur Geschichte des Dion-Verlages. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Berlin, Achtunddreißigstes Heft, 1970, S. 65–70