Wikiwand AI

Directorium Inquisitorum

From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Directorium Inquisitorum ist eine Kompilation aus Texten zu Zauberei und Häresie für den inquisitorischen Gebrauch aus dem 14. Jahrhundert. Es ist das bekannteste und mit ungefähr 800 Seiten das mit Abstand umfangreichste Werk des katalanischen Generalinquisitors Nicholas Eymerich, der es circa 1376 auf Latein verfasste. Bis weit in das 17. Jahrhundert hinein war es eines der einflussreichsten und umfangreichsten Handbücher für Inquisitoren. Grundlage der Textkompilation sind die zuvor von Eymerich ab 1359 verfassten Traktate zu Zauberei und viele während seiner Arbeit als Inquisitor konfiszierten Texte zu Magie. Der Inhalt des Directorium Inquisitorum ist das Ergebnis von eineinhalb Jahrhunderten Inquisitonsarbeit.

Titelseite eines Drucks des Directorium Inquisitorum von 1595.

Entstehung

Der Dominikanermönch Nicholas Eymerich wurde 1357 zum Generalinquisitor der Krone von Aragon ernannt. Er führte viele Untersuchungen und Prozesse gegen Mitglieder des Klerus, womit er die Ungunst des aragonesischen Hofs, der Kurie und des Papstes erregte. Seine Arbeit wurde deshalb zunehmend von den genannten Instanzen blockiert. König Peter IV. von Aragon enthob Eymerich schließlich auf einer Versammlung in Perpignan 1360 des Amtes als Inquisitor.[1]

1362 wurde Eymerich erneut Generalinquisitor der Krone von Aragon, auch wenn Peter IV. ihn weiterhin von seiner Arbet abhielt. Eymerich musste 1376 aufgrund von Konflikten um seine Inquisitionsarbeit ins Exil gehen und floh an den Hof des Papsts Gregor XI. nach Avignon. Dort verfasste er das Directorium Inquisitorum. Eine Grundlage Eymerichs Directorium Inquisitorum scheint das Liber sententiarum und weitere Schriften des Bernard Gui aus dem 13. Jahrhundert gewesen zu sein.[2] Francis Peña ergänzte das Werk 1578.

Inhalt

Das Directorium Inquisitorum enthält Definitionen verschiedener Formen von Häresie und diskutiert Fragen über Jurisdiktion und korrekte Prozesspraxis bei Häresie.[3] Im Buch werden Formen und Techniken von Magie unterschieden und in häretische und nicht-häretische Praktiken eingeteilt.[3] Das Buch wurde von Inquisitoren als Anleitung zur Praxis und richtigen Durchführung des Inquisitonsprozesses benutzt.[2] Es beschreibt unter anderem die unterschiedlichen Strategien von Befragten, sich unschuldig darzustellen, wie z. B. das Plädieren auf Geisteskrankheit oder Unterstellung von Fehldeutungen des Inquisitors durch Häretiker.[4]

Hexerei, die als Delikt zu Beginn der Inquisition nur eine beiläufige Rolle spielte, wurde in späteren Editionen des Directorium Inquisitorum deutlicher betont.[5] Eymerich zitiert Papst Innozenz V. wenn er schreibt, dass um Hilfe von einem Dämon zu erhalten ein Teufelspakt geschlossen werden muss. Für Eymerich ist jede Form von Vereinbarung mit Dämonen Häresie, womit er einer der Ersten ist, der ausdrücklich alle Formen von Dämonenanrufung als Häresie einstuft. Zuvor war es gängiger Glaube, dass es auf den Pakt ankäme. Der Pakt zwischen Heiligen und Dämon in der Geschichte des Heiligen Theophilus beispielsweise wurde lange nicht als häretisch eingestuft.

Neben magischen Handlungen beschreibt Eymerich besonders die Praxis des Inquisitionsprozesses. Die Techniken der Geständnisfindung die Eymerich nennt reichen von psychologischer Manipulation der Befragten bis hin zur Folter. Bezüglich der Folter äußerte sich Eymerich, dass „Questiones sunt fallaces et inefficaces“ (Übersetzung: „Folter ist irreführend und ineffektiv.“). Jedoch war Eymerich der erste Inquisitor, der das kirchliche Verbot der mehrfachen Folter umging, indem er das Recht sehr frei interpretierte und für jedes mögliche häretische Vergehen eine Folter möglich sei.

Rezeption

Das Directorium Inquisitorum wurde das bedeutendste Handbuch der spanischen Inquisition bis in das 17. Jahrhundert und wurde vielfach gedruckt.[6] Das Handbuch wurde nicht nur zum einflussreichsten Vorläufer des bekannteren Malleus Malleficarum, sondern übertraf es deutlich in seinem Umfang. Trotz seiner Bedeutsamkeit für die Inquisition und Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit erhält das Directorium Inquisitorum in der Forschung und Öffentlichkeit deutlich weniger Aufmerksamkeit als das ebenso für die Geschichte der Hexenverfolgung bedeutsame Werk Malleus Malleficarum.

Literatur

  • Claudi Heinemann: Der Inquisitor Nicolaus Eymerich (ca. 1316/19–1399) und sein Directorium inquisitorum. In: Wort und Antwort Band 44, 2003, S. 38–42.

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks