Dischwefeldecafluorid

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Dischwefeldecafluorid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der anorganischen Schwefelverbindungen und Fluoride, die 1934 durch Denbigh und Whytlaw-Gray entdeckt wurde.[5]

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von Dischwefeldecafluorid
Allgemeines
Name Dischwefeldecafluorid
Andere Namen
  • Schwefelfluorid (mehrdeutig)
  • Schwefelpentafluorid
  • Schwefel(V)-fluorid
Summenformel S2F10
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit Geruch nach Schwefeldioxid[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 5714-22-7
EG-Nummer 227-204-4
ECHA-InfoCard 100.024.732
PubChem 62586
ChemSpider 56348
Wikidata Q246414
Eigenschaften
Molare Masse 254,12 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

2,08 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

−55 °C[1]

Siedepunkt

28,7 °C[1]

Dampfdruck

748 hPa (20 °C)[1]

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314330
P: ?
MAK

Schweiz: 0,01 ml·m−3 bzw. 0,1 mg·m−3[4]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Gewinnung und Darstellung

Dischwefeldecafluorid bildet sich als Nebenprodukt bei der Reaktion von Schwefel mit Fluor oder auf photochemischem Wege aus Schwefelchloridpentafluorid.[6]

Eigenschaften

Strukturformel von Dischwefeldecafluorid inklusive molekularer Abmessungen

Dischwefeldecafluorid ist eine farblose Flüssigkeit mit Geruch nach Schwefeldioxid und ist durch die Bildung von SF5-Radikalen sehr reaktionsfreudig. Bei Erhitzung zersetzt es sich zu Schwefelhexafluorid und Schwefeltetrafluorid. Bei Vorhandensein eines Überschusses an Chlor reagiert es zu Schwefelchloridpentafluorid.

Dischwefeldecafluorid ist unlöslich in Wasser und reagiert auch nicht mit diesem.[7] Es wird auch nicht durch wässrige Lösungen im sauren und alkalischen Bereich, jedoch in 10%iger Kaliumhydroxid-Lösung in Methanol hydrolysiert.[2]

In der nebenstehenden Abbildung sind Bindungslängen und -winkel des Dischwefeldecafluorids dargestellt.

Verwendung

Aus Ammoniak und Dischwefeldecafluorid kann Thiazyltrifluorid dargestellt werden.[8]

Sicherheitshinweise

Dischwefeldecafluorid ist sehr giftig. Es wirkt bei Inhalation schon im ppm-Bereich tödlich auf Ratten. Untersuchungen ergaben, dass es mindestens dreimal so giftig ist wie Phosgen.[9] Daher war es im Zweiten Weltkrieg als Lungenkampfstoff angedacht, weil es im Gegensatz zu einigen anderen chemischen Kampfstoffen bei Kontakt mit den Augen keine Tränen- oder Hautreizungen auslöst und damit schwer rechtzeitig erkannt werden kann.[10]

Literatur

  • M. Kronberg: Bildung und Eigenschaften des SF5-Radikals. Dissertation, Uni Hannover, 1998. DNB 954430840

Einzelnachweise

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