Disharmonic Orchestra
österreichische Band
From Wikipedia, the free encyclopedia
Disharmonic Orchestra ist eine österreichische Grindcore-/Avantgarde-Metal-Band, die 1987 in Klagenfurt gegründet wurde.
| Disharmonic Orchestra | |
|---|---|
Disharmonic Orchestra auf dem Eindhoven Metal Meeting 2017 | |
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Klagenfurt, Österreich |
| Genre(s) | Grindcore, Progressive Death Metal, Avantgarde Metal[1] |
| Aktive Jahre | 1987–1994, 2002– |
| Website | www.disharmonic.com |
| Aktuelle Besetzung | |
| Patrick Klopf | |
| Martin Messner | |
| Hoimar Wotawa (seit 2008) | |
| Ehemalige Mitglieder | |
Bass | Herwig Zamernik (1988–2008) |
Gesang, Gitarre | Harald Bezdek (1987–1988) |
Geschichte
Anfänge
Patrick Klopf und Martin Messner lernten sich auf der Fahrt zu einem Iron-Maiden-Konzert kennen.[2] Zusammen mit dem Gitarristen Harald Bezdek gründeten sie Disharmonic Orchestra und nahmen im Februar 1988 das erste Demo The Unequalled Visual Response Mechanism auf. Im Juli folgte Requiem for the Forest, nachdem Bassist Herwig Zamernik der Gruppe beigetreten war. Bezdek verließ danach die Band und gründete noch 1988 die Death-Metal-Band Disastrous Murmur.[3] Der Durchbruch gelang Disharmonic Orchestra durch einen Auftritt mit Pungent Stench, welcher ihnen im Jahr 1989 einen Plattenvertrag mit dem 1987 gegründeten deutschen Metal-Label Nuclear Blast einbrachte. Die erste Platte war eine Split-LP der beiden österreichischen Bands und gehört zu den ersten Releases von Nuclear Blast (Katalognummer NB 019). Die ersten eigenständigen Veröffentlichungen waren die EP Successive Substitution und 1990 die LP Expositionsprophylaxe. Die frühen Werke klängen roh und eckig, als würden „Hellhammer versuchen, die komplexesten Voivod-Songs zu spielen, zusammen mit einer guten Dosis nihilistischem Grindcore zur weiteren Verwirrung“.[1.1]
Ohne Unterstützung ihres Labels begab sich die Band 1990 auf eine Tour in die USA, von der Ostküste bis nach Texas. Dabei absolvierten die Musiker eine Reihe von Konzerten mit Bands wie Immolation, Suffocation, Cannibal Corpse und Autopsy.[3]
Not to be Undimensional Conscious
Am 26. Mai 1992 wurde Not to be Undimensional Conscious auf Nuclear Blast veröffentlicht. Es wurde in Tomas Skogsbergs Sunlight Studio in Stockholm aufgenommen,[2] dessen Produktionen als stilprägend für den Death Metal der frühen 90er gelten. Das surrealistische Cover-Artwork stammt von Gerhard Klopf, Patricks Bruder, der auch zuvor schon für die Band tätig war.[4] Auch musikalisch wurde Disharmonic Orchestra progressiver und brachte experimentelle Elemente in die Songs ein.[5] Not to be Undimensional Conscious sei eine faszinierende Kakophonie, die Metal in verrückte, neue Formen bringe.[1.2]
Pleasuredome
Das dritte Album Pleasuredome wurde 1993 von Olaf „Opal“ Wozniak, der zu dieser Zeit vornehmlich im Punk- und Indie-Bereich tätig war, aufgenommen[2] und 1994 von Steamhammer veröffentlicht. Das Cover wurde wieder von Gerhard Klopf erstellt.
Durch die Zusammenarbeit mit Wozniak klinge die Platte deutlich aufgeräumter, die Songs wirkten lebhaft und treibend. Der instrumentale Titelsong ist laut Jeff Wagner der unvergesslichste der Band und agiere als „würdiges Kernstück dieses wahren Avantgarde-Metal-Schatzes“. Besonders hebt er den Bass-Sound dieses Songs hervor, es sei der vielleicht „krasseste Fuzz-Bass seit Supersister“.[1.3]
Die Band beklagte fehlende Unterstützung bei der Promotion des Albums und trennte sich in der Folge von Steamhammer. Nach einer kleinen Tour stellte Disharmonic Orchestra – auch aufgrund privater Gründe – die Bandaktivitäten für mehrere Jahre nahezu ein.[2]
Ahead
Im Jahr 2001 erfolgte eine Wiederveröffentlichung des ersten Albums Expositionsprophylaxe seitens des alten Labels Nuclear Blast, wodurch die Band wieder mit ihm in Kontakt kam und der Plan für eine weitere Platte entstand. Ahead wurde in Herwig Zamerniks eigenem Studio, dem Fuzzroom, aufgenommen[2] und am 18. September 2002 veröffentlicht. Das Cover-Artwork stammt von Martin Messner und Patrick Klopf. Letzterer äußerte, das Songwriting sei leicht gewesen, man hätte noch altes Material gehabt, welches teilweise verwendet oder umarrangiert wurde.[6]
Die Reaktionen waren gemischt. So schrieb Katrin Debes auf Powermetal.de, Ahead knüpfe da an, wo die Band 1994 aufgehört hat, die Platte sei nur schwer einzuordnen, da zu viele Musikstile gemischt würden. Sie kritisierte die elektronischen Einflüsse als „dominant“ und Klopfs Stimme als „unheimlich nervig“, lobte aber auch den musikalischen Anspruch, so das „Komplexe[s] Drumming, das auch vor abgefahrenen Rhythmen und Taktwechseln keinen Halt macht“.[7] Ähnlich klingt die Besprechung auf Metal.de, viele der Songs seien nur „schwer zu fassen und zu beschreiben, zu groß ist die Zahl der miteinander mehr oder weniger verwobenen Stilelemente“. Klopf lege in seiner Stimme meist mehr Wert auf Aggression als auf Melodie, auch dadurch sei das Album in seiner Gesamtheit äußerst anstrengend. Es wurden sechs von zehn Punkten vergeben.[8]
Fear of Angst
Bassist Herwig Zamernik hatte 2008 die Band verlassen, um sich verstärkt Naked Lunch und seinem Soloprojekt Fuzzman widmen zu können; er wurde ersetzt durch Hoimar Wotawa.[2] Anschließend begannen sich die Planungen für ein weiteres Album zu konkretisieren, erste Aufnahmen der Instrumentalspuren erfolgten bereits 2009 im Fuzzroom.[9] Bedingt durch einen Bandscheibenvorfall Messners, berufliche und familiäre Verpflichtungen dauerte es allerdings noch Jahre, bis es fertiggestellt werden konnte. Am 16. Dezember 2016 erschien das fünfte Studioalbum Fear of Angst im Selbstverlag, nachdem das benötigte Geld durch eine Crowdfunding-Kampagne gesammelt worden war. Im Gegensatz zu Ahead wurde komplett auf Elektronik verzichtet, das Album sollte „roh“ klingen. Das Cover-Artwork stammt von dem chilenischen Künstler Alvaro Tapia Hidalgo.[10]
Mike Seidinger bewertet die Platte mit viereinhalb von fünf Punkten, sie werde „von der Metal-Welt seit geraumer Zeit sabbernden Maules erwartet“ und „vereint solides Metal-Handwerk, geniales Songwriting und dieses urtypische, unkonventionelle D.O.-Flair“.[11]
Stil
Während die frühen Veröffentlichungen deutlich dem Grindcore zuzurechnen sind, werden ab Not to be Undimensional Conscious Bezeichnungen wie progressiver Death Metal oder später häufig Avantgarde-Metal benutzt. Mehrere Rezensenten betonen, die vielfältigen Einflüsse machten eine Kategorisierung schwer.[1][5][7][8] Laut Gitarrist und Sänger Patrick Klopf ist „das unglaublich abgefahrene Schlagzeugspiel vom Martin und das Zusammenspiel Gitarre und Bass, vertrackte Rhythmen und dann wieder auflösende Harmonien“ charakteristisch für Disharmonic Orchestra,[9] „Avantgarde-Metal“ sei eine passende Benennung, welche die Band auch selber verwende.[2]
Diskografie
- 1988: The Unequalled Visual Response Mechanism (Demo)
- 1988: Requiem for the Forest (Demo)
- 1989: Split-LP mit Pungent Stench (Nuclear Blast, NB 019)
- 1989: Successive Substitution (EP, Nuclear Blast, NB 021)
- 1990: Expositionsprophylaxe (Nuclear Blast, NB 037)
- 1992: Not to be Undimensional Conscious (Nuclear Blast, NB 062)
- 1992: (It Was) Just a Thought (Post-Mortem-Cover) / Mind Seduction (Single, Nuclear Blast, NB 062 7)
- 1994: Pleasuredome (Steamhammer, SPV 084-76772)
- 2002: Ahead (Nuclear Blast, NB 1029-2)
- 2016: Fear of Angst (Selbstverlag)
- 2017: Raw (Live-EP, Metal Bastard Enterprises, MB 022)
- 2023: Repulsive Overtones? 1988–1989 (Kompilation, F.O.A.D. Records)
