Disintegrine

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Disintegrine sind Polypeptide, die erstmals aus dem Gift verschiedener Vipern (Viperidae) isoliert wurden. Die Sequenz findet sich aber auch als Disintegrin-Domäne in einer Reihe humaner Enzyme, den ADAM-Metalloproteasen. Bisher sind über 25 verschiedene Disintegrine aus Schlangengift isoliert worden.

Strukturmodell eines Heterodimers von Echistatin

Aufbau

Disintegrine sind wasserlösliche cysteinreiche nicht-enzymatische Peptide, die in Schlangengift aus 41 bis 84 Aminosäuren bestehen. In den ADAM-Proteasen besteht die Sequenz der Disintegrin-Domäne meist aus ungefähr 90 Aminosäuren. Fast alle Disintegrine und Disintegrin-Domänen, so beispielsweise auch ADAM15, enthalten die RGD-Sequenz (Arg-Gly-Asp), die beispielsweise an αvβ3-Integrine bindet.[1] Andere Disintegrine der ADAMs können an andere Integrine binden. ADAM28 bindet an α4β1[2]

Im Schlangengift bewirken die Disintegrine eine verminderte Blutgerinnung durch die Bindung an den Fibrinogen-Bindungsrezeptor – das Integrin αIIbβ3 – der Thrombozyten.[3]

Die RGD-Sequenz, oder wie im Fall von Obtustatin die KTS-Sequenz, wird am Ende einer Schleifenstruktur des Peptids dem jeweiligen Rezeptor präsentiert.[4]

Anwendung

Die hochspezifische Bindung an verschiedene Rezeptoren machen die Disintegrine zu potenziellen Wirkstoffen zur Behandlung einer Reihe von Erkrankungen. Die antikoagulative Wirkung kann beispielsweise zur Vorbeugung vor Thromben genutzt werden.[5] Weltweit werden die Disintegrine für die Therapie von Krebs, Asthma und Osteopenie erprobt.[6]

Speziell die hohe Affinität zu bestimmten Integrinen, die beim Tumorwachstum wichtig für die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) sind (beispielsweise αvβ3), ist dabei von Interesse.[7]

Beispiele

Auswahl einiger Schlangen-Disintegrine.

Name nAminosäuren nCystein Spezies
Albolabrin[8] 73 12 Weißlippen-Bambusotter (Trimeresurus albolabris)
Rhodostomin[3] 68 12 Malayische Mokassinotter (Calloselasma rhodostoma)
Trigramin[9] 72 12 Grüne Bambusotter (Trimeresurus gramineus)
Batroxostatin[10] 71 12 Gewöhnliche Lanzenotter (Bothrops atrox)
Elegantin[11][12] 73 12 Trimeresurus elegans
Applagin[8] 71 12 Wassermokassinotter (Agkistrodon piscivorus)
Barbourin[13][14] 73 12 Zwergklapperschlange (Sistrurus m. barbouri)
Bitistatin[4][15] 83 14 Puffotter (Bitis arietans)
Obtustatin[16] 41 8 Levanteotter (Macrovipera lebetina)
Echistatin[16][17] 49 8 Gemeine Sandrasselotter (Echis carinatus)
Eristostatin[16][18] 49 8 MacMahon-Viper (Eristicophis macmahoni)
Halysin[19][20] 71 12 Halysotter (Gloydius halys)
Kistrin[19][21] 68 12 Malayische Mokassinotter (Calloselasma rhodostoma)
Mambin[19][22] 59 8 Jamesons Mamba (Dendroaspis jamesoni)
Tergeminin[14] 73 12 Westliche Massassauga (Sistrurus catenatus tergeminus)
Triflavin[23] 70 12 Habu-Schlange (Trimeresurus flavoviridis)

Einzelnachweise

Literatur

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