Diskussion:Datenhoheit

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Begriffsverschiebung im Laufe der Zeit

Wie in der LD schon angemerkt, finde ich die Bedeutungsverschiebung bei der Verwendung des Begriffs bemerkenswert. Einerseits die wechselweise Verwendung von „Hoheit“ und „Souveraenitaet“ (was derzeit als Abschnitt im Lemma „Datenbank“ verlinkt wird, obgleich laut Einleitung die Begriffe synonym verwendet werden), andererseits die Bandbreite bei der Verwendung vom Individualrecht zum Digitalen Rechtemanagement.

Die meisten Quellen sind weit nach 2020 entstanden, auch die Literaturliste in der LD stammt aus dieser Zeit.

Fruehere Verwendungen kommen aus einem individuellen Selbstbestimmungsrecht (siehe z.B. Netzpolitik.org von 2007, nochmal 2007, 2011, aehnlich 2012), wo es darum ging, dass Menschen selber ueber den Umgang mit (ihnen) personenbezogenen Daten entscheiden koennen sollten. Eine andere Lesart war die Verfuegungsgewalt ueber informationsverarbeitende Systeme, auf denen irgendwelche (auch nicht-personenbezogene) Informationen gespeichert werden (wieder Netzpolitik, 2014).

Der im Artikel mit verwendete Souveraenitaetsbegriff wurde irgendwann aber auch als Definition fuer den Geltungsbereich staatlicher Gesetzgebung auf den digitalen Raum verwendet (Netzpolitik 2015), da ging es dann u.A. um CLOUD Act vs. Schrems I/II. Jukka Ruohonen hatte 2021 ein bissiges Paper zum Thema veroeffentlicht, das ich bis heute sehr amuesant auch zur Einordnung des Souveraenitaetsbegriffs generell halte. Da kommt auch zur Sprache, dass der Begriff voller Paradoxien ist, z.B. im Verhaeltnis Individuum zum Staat, aber dennoch gerne verwendet wird.

In der juengsten Vergangenheit kam dann noch eine sehr intensive Verwendung des Begriffs z.B. fuer digitale Rechtesysteme, Verfuegungsgewalt bei B2B-Anwendungen etc. hinzu, wo es gar nicht mehr so sehr um Individualrechte ging, sondern um Quasi-Eigentumskonstrukte an Informationen, die sonst keinen Einschraenkungen z.B. wegen Personenbezugs oder Geschaeftsgeheimnissen unterliegen wuerden. Spannend daher, dass Netzpolitik.org 2016 die Aussage Angela Merkels, man solle Datenschutz nun Datensouveraenitaet nennen, damit kommentierte, dass „dieser Begriff also erfolgreich von der IT-Industrie-Lobby in der Politik platziert“ worden sei. ---stk (Diskussion) 19:58, 8. Jun. 2025 (CEST)

Moin stk. Ich wollte gerade vorschlagen, die Unterscheidung nach Souverän bzw. dessen Einflusssphären (z.B. Individuum, Organisation, Staat), wie sie von Lian Yuming getroffen wird, vllt. schon als Einzeiler in der Begriffsdefinition zu erwähnen, dann kann man einerseits die beiden Abschnitte Schutz der Datenhoheit und Kritik verschmelzen und dahingehend konkretisieren, dass es sich hier um individuelle Datenhoheit handelt, andererseits kann man dann leichter Quellen zitieren, die ebenfalls die Begriffsverwendung hauptsächlich im Zusammenhang von Individuellen Rechten beschrieben, z.B. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-65232-9_13 : "Bislang wird die Terminologie vor allem im Zusammenhang mit einer zivilrechtlichen Zuordnung von Daten zu einem Datensubjekt verwendet." und zur Abgrenzung vom Datenschutz, der ja hauptächlich auf individueller Ebene angesiedelt ist nutzen https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellungnahme-big-data-und-gesundheit.pdf S.252f:"Mit Datensouveränität im hier vertretenen Sinne werden weder die tradierten, letztlich kaum veränderten Regulierungsansätze des Datenschutzes nur unter neuem Namen fortgeschrieben, noch wird damit eine vollständige Neuorientierung oder gar eine Aufgabe des herkömmlichen Datenschutzgedankens oder die generelle Absenkung des bestehenden Schutzniveaus gefordert."
Das ist mMn auch für die Internationalisierung des Kapitels über die Rechtliche Lage nützlich, denn Gesetze und Beschlüsse über Datenhoheit werden ja nicht nur in Deutschland erlassen und dienen auch nicht nur dem individuellen Schutz.--Entinator (Diskussion) 20:47, 8. Jun. 2025 (CEST)
Der Artikel von Ruohonen und die hier zitierten Zeitungsbeiträge würden auf jeden Fall eher in die Kategorie Kritik fallen. Eigentlich soll "Kritik" ja die Kritik am Artikelgegenstand oder zumindest am Begriff sein. --Entinator (Diskussion) 22:30, 8. Jun. 2025 (CEST)
Zusammengefasst: Find ich gut!
Ich ueberlege gerade noch, wie ich mich am besten einbringe. Ich bin oeffentlich nachvollziehbar als Privatperson relativ skeptisch gegenueber dem Souveraenitaetsbegriff und wie der Begriff immer wieder umgedeutet wurde und wird. Aber ich will keinesfalls den Verdacht erwecken, dass der Artikel von meiner persoenlichen Meinung beeinflusst wurde :-x ---stk (Diskussion) 20:53, 9. Jun. 2025 (CEST)

Quellenabruf 2015?

@Infosophia die Quelle Datenhoheit und deren rechtliche Grundlage ist mit Abruf 22. April 2015 angegeben. Ist 2025 gemeint? Die frueheste Fassung im Internet Archive ist vom August 2022. ---stk (Diskussion) 19:59, 8. Jun. 2025 (CEST)

Ja...sicher ein Tippfehler, 2025 ist richtig. --Infosophia (Diskussion) 23:02, 11. Jun. 2025 (CEST)

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