Dmitri Iwanowitsch (Zarewitsch)

russischer Zarewitsch, letzter Rurikide From Wikipedia, the free encyclopedia

Zarewitsch Demetrius, Zarewitsch Dmitri oder Dmitri Iwanowitsch (im Deutschen gelegentlich jeweils auch Dimitri, auch bekannt als Dmitri von Uglitsch und Dmitri von Moskau, russisch Дмитрий Иванович, Дмитрий Углицкий, Дмитрий Московский; * 19. Oktober 1582 in Moskau; † wahrscheinlich 15. Mai 1591 in Uglitsch) war der letzte rurikidische russische Zarewitsch, Sohn Iwans IV. des Schrecklichen und seiner siebten (oder achten) Frau Maria Fjodorowna Nagaja.

Dmitris Darstellung in Zarski Tituljarnik, 1672

Leben

Nach dem Tod Iwans des Schrecklichen kam Dmitris älterer Halbbruder Fjodor I. auf den Thron. Da dieser aufgrund angeborener Geistesschwäche jedoch regierungsunfähig war, wurde das Land in Wirklichkeit vom Bojaren Boris Godunow geführt, der nach Fjodors Tod als dessen Schwager auch den Thron beanspruchte. 1584 wurde Dmitri zusammen mit seiner Mutter nach Uglitsch in Nordrussland verbannt. Dort starb er an einer mysteriösen Stichwunde.[1] An der Stelle errichtete die Stadt Uglitsch im Jahre 1692 die Demetrios-Kirche.

Nachwirkung

Denkmal für Dmitri in Uglitsch

Was tatsächlich mit Dmitri geschah, ist seither umstritten. Spätere Historiker vertreten drei Versionen: Dmitri wurde durch einen Befehls des Boris Godunow getötet, starb an natürlichen Ursachen oder sei entkommen.[2]

  • Dimitri wurde auf Anordnung von Boris Godunow getötet. Dies war bis ins 19. Jahrhundert die meistgeglaubte Version. Allerdings war Dimitri ein Sohn Iwans des Schrecklichen aus siebter Ehe, während die Russisch-Orthodoxe Kirche nur drei Ehen erlaubt. Dimitris Thronansprüche waren also keineswegs unanfechtbar.
  • Dimitri stach sich während eines epileptischen Anfalls in die Kehle. Dies wird von vielen Historikern des 20. Jahrhunderts vertreten und ist auch das Ergebnis der damaligen Untersuchungskommission. Deren Leiter allerdings, Wassili Schuiski war ein ausgewiesener politischer Gegner Boris Godunows, und es ist durchaus denkbar, dass er unter Druck stand, genau dieses Ergebnis zu liefern. Er hat es auch später widerrufen und die Mordversion behauptet – allerdings gleichfalls unter dubiosen politischen Umständen. Eine zufällige Selbstverletzung an der Kehle während eines epileptischen Anfalls ist zudem ziemlich unwahrscheinlich; allenfalls könnte er (wie damals von der Untersuchungskommission vermutet) während eines Wurfspiels das Messer an der Schneide gehalten haben.

Die dritte Möglichkeit – dass Dimitri entkommen wäre – wurde nur von einer kleinen Minderheit von Historikern für denkbar gehalten. Diese Version war allerdings die politisch wirkungsmächtigste: es traten in der nachfolgenden „Zeit der Wirren“ mindestens drei Hochstapler auf, die behaupteten der entkommene Dimitri zu sein. Der erste brachte es mit polnischer Hilfe kurzzeitig zum Zaren. Der zweite konnte mit seinen Truppen (als ebendieser Wassili Schuiski sich selbst zum Zaren gemacht hatte) einen großen Teil des Landes unter seine Kontrolle bringen, und nur mit Hilfe schwedischer Truppen besiegt werden.

Verehrung

Dmitri wurde 1606 heiliggesprochen,[3] und seine Gebeine nach Moskau gebracht.[4] Bald schon entwickelte sich ein Kult um sie, und er wurde von der Russisch-Orthodoxen Kirche als Heiliger anerkannt.

Künstlerische Bearbeitungen

Die Geschichte des Zarewitsch ist ein Schlüsselelement in der Oper Boris Godunow von Modest Mussorgski,[5] die wiederum auf dem gleichnamigen Drama von Alexander Puschkin basiert. Ebenfalls verarbeitet wurde sie von Friedrich Schiller in seinem unvollendet gebliebenen Drama Demetrius.

Commons: Dmitri Iwanowitsch (Zarewitsch) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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