Dobrocin (Małdyty)

Siedlung in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Dobrocin, 1945 bis 1946: Świętogóry (deutsch Groß Bestendorf, 1928 bis 1945: Alt Bestendorf), ist ein Ort in der Landgemeinde Małdyty der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.

Schnelle Fakten Basisdaten, Wirtschaft und Verkehr ...
Dobrocin
?
Dobrocin (Polen)
Dobrocin (Polen)
Dobrocin
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Ostróda
Gmina: Małdyty
Geographische Lage: 53° 54′ N, 19° 50′ O
Einwohner: 589 (2021[1])
Postleitzahl: 14-330
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 519: Stary DzierzgońPrzezmarkZalewoWilamowoMorąg
RolnowoDobrocinekNaświty
Kiełkuty → Dobrocin
Eisenbahn: PKP-Linie 220: Olsztyn–Bogaczewo (–Elbląg)
Nächster int. Flughafen: Danzig
Schließen
Teichlandschaft bei Dobrocin

Geografie

Dobrocin liegt acht Kilometer östlich von Małdyty (Maldeuten) im Norden der Eylauer Seeplatte am Rande eines Waldgebietes von 25 km² Fläche. In der Ortslage befindet sich der 6,18 km² große Röthloff-See.

Geschichte

Ortsgeschichte

Im Rahmen der Besiedlungsaktivitäten des Deutschen Ordens entstand um 1260 Bestendorf (die ab 1796 so bezeichnete Ortschaft „Groß Bestendorf“) in der Nähe der alten Handelsstraße von Marienburg nach Elbing. Der Zusatz „Groß“ belegt, dass es sich um eine deutsche Ansiedlung handelte. Zwei Kilometer nordöstlich befindet sich die ältere slawische Siedlung Klein Bestendorf (polnisch Kozia Wólka).

Bestendorf wurde durch den Komtur von Elbing das Kulmer Recht verliehen. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts stand der Ort unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, der 1525 nach seiner Säkularisation durch das Herzogtum Preußen abgelöst wurde. Die administrative Verwaltung geschah zunächst durch den Oberländischen Kreis. Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde der Gutsbezirk Groß Bestendorf als eigenständige Verwaltungseinheit in den neu gebildeten Landkreis Mohrungen eingegliedert. Zu dieser Zeit gehörten 176 Menschen zum Gut. Die Zahl der Einwohner erhöhte sich nach dem 1883 erfolgten Anschluss an die Bahnstrecke Allenstein – Mohrungen auf 1346 im Jahr 1885.

1874 wurde der Amtsbezirk Groß Bestendorf unter Einschluss von sieben Landgemeinden und drei Gutsbezirken gebildet[2].

Weitere Informationen Deutscher Name, Polnischer Name ...
Deutscher NamePolnischer NameAnmerkungen
Alt KelkenKiełkuty1928 nach Alt Bestendorf eingegliedert
FreiwaldeLeśnica1907 in den Amtsbezirk Maldeuten umgegliedert
Groß BestendorfDobrocin1928 nach Alt Bestendorf eingegliedert
Groß SamrodtSambród1928 nach Samrodt eingemeindet
Groß WilmsdorfWilamowo
Klein BestendorfKozia Wólka1928 nach Alt Bestendorf eingegliedert
Klein SamrodtSambród Mały1928 nach Samrodt eingemeindet
MahrauMorzewko1928 nach Samrodt eingemeindet
Neu BestendorfDobrocinek1928 nach Rollnau eingemeindet
Neu KelkenNowe Kiełkuty1928 nach Alt Bestendorf eingegliedert
Schließen

Im Jahre 1910 wurden für den Gutsbezirk Groß Bestendorf 629 Einwohner gezählt.

Am 30. September 1928 schlossen sich die Gutsbezirke Groß Bestendorf und Klein Bestendorf sowie Alt und Neu Kelken zur neuen Landgemeinde Alt Bestendorf zusammen, und am 24. Januar 1930 wurde auch der Amtsbezirk Groß Bestendorf in „Amtsbezirk Alt Bestendorf“ umbenannt.[2] Zu ihm gehörten nun die Landgemeinden Alt Bestendorf, Groß Wilmsdorf und Samrodt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Landgemeinde Alt Bestendorf etwa 560 Einwohner. Die Einwohnerzahl sank bis 1939 auf 509.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Alt Bestendorf im Februar 1945 von der Roten Armee überrollt. Nach Kriegsende kam der Ort zur Verwaltung an Polen und wurde zunächst in „Świętogóry“, ab 1947 in „Dobrocin“ umbenannt. Das Dorf zählt heute 589 Einwohner und ist eine Ortschaft innerhalb der Gmina Małdyty im Powiat Ostródzki, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Besitz und Struktur des Gutes

Erste Gutsherren waren im 14. Jahrhundert die Herren von Wilmsdorf bekannt. Sie errichteten 1530 das erste Herrenhaus. 1753 erwarb Friedrich Ludwig I. Graf Truchseß zu Waldburg-Capustigall (1711–1777) das Gut, das seine Erben 1792 an den Kammerpräsidenten Ludwig Friedrich von Domhardt (1745–1814) veräußerten. 1796 erwarb erweitere Güter in der Umgebung kaufte und dann sein Gut „Groß“ Bestendorf nannte. Die Familie von Domhardt blieb bis 1945 Gutsbesitzer.

1836 wurde die Erbfolge durch das Majorat festgelegt. Ab 1876 nannte sich die Familie von der Goltz-Domhardt, erster Namensträger war Siegfried Freiherr von der Goltz-Domhardt (1870–1945), verheiratet mit Helena Gräfin Finck von Finckenstein, die ein halbes Jahr nach Kriegsende in Berlin starb.[3] Zu seinen Lebzeiten hatte sich das Gut zu einem erfolgreichen Landwirtschaftsbetrieb mit einer Fläche von 5435 ha, von denen 2800 ha land- und 2,46 ha forstwirtschaftlich genutzt wurden, entwickelt.[4] Es wurden Trakehner gezüchtet und über 2000 Stück Nutzvieh unterhalten. Letzter Gutsherr auf Alt Bestendorf war Otto Freiherr Goltz-Domhardt (* 1904), verheiratet mit Paula Freiin zu Innhausen und Knyphausen. Sie flohen am 22. Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee mit zwei Kutschen und drei Trakehner Staatsprämienstuten. Der Besitz umfasste zuletzt das Rittergut Groß Bestendorf mit den Vorwerken Nasewitt, Klein-Wilmsdorf und Gallinden, 3806 ha. Hinzu gehörten das Rittergut Groß Samrodt mit den Vorwerken in Mahrau, Wackelsdorf, Klein Samrodt, Rehberg, Pfalsdorf und Friedrichshof, 1537 ha; des Weiteren das 100 ha Gut Klein Bestendorf, Vorwerk Preußisch Mark sowie Neu-Vorwerk, 232 ha. Die Begüterung hatte einen Güterdirektor P. Tolkmitt, einen Oberförster Krüger und einen Inspektor Lüdtke. Acker und Wiesen waren an Gustav Deuter verpachtet. 1945 ging das Gut in polnischen Staatsbesitz über. Die Familie von der Goltz lebte danach in Reinbek. Einer ihrer Nachfahren ist der Künstler Hubertus Freiherr von der Goltz, der 1941 in Alt Bestendorf geboren wurde.[5]

Gutshaus

Gutshaus Dobrocin 2010

Das erste um 1530 errichtete und im 17. Jahrhundert erneuerte Gebäude wurde in den 1840er Jahren im Auftrag der Familie von Domhardt zu einem Neorenaissancebau umgestaltet. Der zweigeschossige Hauptbau ist an seinen Längsseiten mit einem Mittelrisalit verziert. Dem östlichen Risaliten ist eine große Veranda vorgelegt. Die Fassaden sind sechsachsig ausgeführt, im Erdgeschoss sind die Fenster mit Halbbögen eingefasst, während die Fenster im Obergeschoss eine rechteckige Einfassung aufweisen.

Die Ostfront wird von zwei eingeschossigen kurzen Flügelbauten flankiert. Dem nördlichen Flügel ist nach Westen hin ein weiterer längerer Anbau hinzugefügt. Dazwischen ragt ein kurzer Turmaufsatz auf. Die Stuckdecken im Obergeschoss und im Untergeschoss, die hölzernen Kassettendecken sowie die Terrakottaböden waren noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorhanden. Vom früheren Inventar sind unter anderem ein manieristischer Kamin und ein klassizistischer runder, weißer Kachelofen erhalten geblieben. Ab 1946 war im Gutshaus eine landwirtschaftliche Schule untergebracht. Nachdem auf dem Gutsparkgelände in den 1970er Jahren für die Schule ein Neubau errichtet worden war, stand das Gutshaus für viele Jahre leer. 2001 wurden Gutshaus und Park an eine Privatperson verkauft.

Religion

Es gab im 14. Jahrhundert wohl schon eine Kirche in Bestendorf, wurde doch für das Jahr 1319 von einer Vakanz im Pfarramt berichtet. 1508/09 wurde eine (neue) Kirche erbaut, die aber bald verfiel. In der Zeit der Gutsbesitzerfamilie Wilmsdorff soll es eine Holzkirche gegeben haben.

Evangelische Kirche

Bis 1945 war Groß bzw. Alt Bestendorf ein Kirchspielort im Sprengel Groß Wilmsdorf der vereinigten Evangelischen Kirchengemeinden Groß Wilmsdorf-Seegertswalde. Die Pfarrei gehörte zum Superintendenturbezirk Mohrungen im gleichnamigen Kirchenkreis innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute in Dobrocin lebende evangelische Einwohner gehören zur Pfarrei in Ostróda mit der Filialgemeinde in Morąg in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. In Dobrocin gibt es noch einen – teilweise verwahrlosten – evangelischen Friedhof, u. a. mit Grabstellen der Gutsfamilie Domhardt.

Römisch-katholische Kirche

Vor 1945 und auch in den ersten Jahren nach dem Krieg waren die römisch-katholischen Einwohner von Groß- bzw. Alt Bestendorf nach Mohrungen in die dortige Kirche St. Joseph eingepfarrt. Sie gehörte zum Dekanat Pomesanien (Sitz: Osterode) im damaligen Bistum Ermland. Heute gibt es in Dobrocin eine moderne zwischen 1990 und 1997 erbaute und „Unserer lieben Frau Königin des Friedens“ gewidmete Kirche – eine Filialkirche der Pfarrei Wilamowo im Dekanat Morąg des jetzigen Bistums Elbląg.

Persönlichkeiten

Aus dem Ort gebürtig

Mit dem Ort verbunden

Literatur

Commons: Dobrocin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Landkreis Mohrungen. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. November 2022;.
  • Porträt bei ostpreussen.net, Hrsg. Potrimpus, Bad Saarow.
  • Michael Rademacher: Landkreis Mohrungen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. (Einwohnerzahl Alt Bestendorf 1933).
  • Territoriale Entwicklung 1874–1945. In: Rolf Jehke: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945. territorial.de, Herdecke, zuletzt geändert am 7. Mai 2005.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI