Dora Schmidt
Schweizer Beamtin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin
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Dora Schmidt (* 3. Februar 1895 in Basel; † 6. September 1985 ebenda; Deutsche, heimatberechtigt ab 1909 in Riehen) war eine Schweizer Nationalökonomin, Beamtin, Frauenrechtlerin und Publizistin aus dem Kanton Basel-Stadt.
Leben
Dora Schmidt war eine Tochter von Paul Schmidt, Theologieprofessor, und Elisa Johanna Schröder. Sie wuchs mit fünf Brüdern in Riehen auf. Sie war eine Schwester von Franz Schmidt, der sich als Redaktor der "Volksstimme" in St.Gallen gegen den Nationalsozialismus einsetzte.[1] Im Jahr 1946 heiratete sie ihren Jugendfreund Friedrich Grob in den USA, wo sie mit Unterbrüchen lebte; die Ehe wurde 1952 geschieden. Sie besuchte das Gymnasium der Töchterschule Basel. Anschliessend studierte sie Geschichte und moderne Philologie in Basel, gefolgt von Studien in Nationalökonomie und Staatswissenschaft an den Universitäten Basel, Bern und Berlin. Im Jahr 1926 erwarb sie den Doktortitel mit einer Arbeit zu Steuerfragen.[2]
Parallel zum Studium arbeitete sie im Basler Gewerbeinspektorat, wo sie sich insbesondere mit Fragen zum Arbeiterinnenschutz befasste. 1925 wurde sie als Adjunktin ins Bundeshaus berufen; sie spezialisierte sich beim Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (seit 1999 SECO) insbesondere auf Fragen der Frauenarbeit sowie Fragen betreffend jugendliche Arbeitnehmende. Sie arbeitete in diversen Kommissionen mit und vertrat die Schweiz bei der International Labour Organization (ILO) in Genf. 1939 wechselte sie ins neu gegründete eidg. Kriegsernährungsamt und war bis 1942 Leiterin der Gruppe Hauswirtschaft, wo sie einen wichtigen Beitrag zur Organisation der Lebensmittelrationierung leistete.[2] Von 1942 bis 1944 war sie Mitglied der eidg. Preiskontrollkommission und von 1942 bis 1946 arbeitete sie als Wirtschaftskonsulentin bei der Schweizerischen Bankgesellschaft. Sie war die erste Frau in leitender Position in der Bundesverwaltung.[3]
Dora Schmidt war viele Jahre aktiv in der Frauenbewegung: "Im Zusammenhang mit der Schweizerischen Frauenausstellung (SAFFA) 1928 forderte sie existenzsichernde Frauenlöhne, die Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und die Anerkennung lediger Frauen. Besonders gross war ihr Einsatz für eine unabhängige Altersfürsorge für Frauen."[3] < Am 1. Februar 1945 gründete sie mit weiteren Frauen den Club der Berufs- und Geschäftsfrauen in Zürich[3] (heute BPW Club Zürich) mit dem Ziel, die Stellung der Frau in der Gesellschaft zu verbessern.
Sie blieb Riehen bis zum Tod ihrer Mutter verbunden: immer wieder lebte sie dort, bis sie 1954 nach Basel zog, wo sie mitunter Vorlesungen an der Universität besuchte und publizistisch arbeite. Sie verfasste zahlreiche Beiträge zu ökonomischen, sozialpolitischen und feministischen Themen.[3] Sie starb in Basel im Alter von 90 Jahren.[2]
Quellen und Literatur
- Biographische Sammlung von Dora Schmidt in der Gosteli-Stiftung in Worblaufen.
Weblinks
- Regula Ludi: Dora Schmidt. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. September 2012.
- Isabel Koellreuter: Dora Schmidt. In: Gemeinde-Lexikon Riehen
- Eintrag zu Dora Schmidt im Archiv für Agrargeschichte