Dorfkirche Döben (Grimma)
ortsbildbeherrschender Bau, im Kern romanische Chorturmkirche, gotisch überformt, architektonische, künstlerische, personengeschichtliche und ortsgeschichtliche Bedeutung Sonnenuhr an Südseite bezeichnet 1962 (Seltenheitswert), Grabmale: spätbar
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Die evangelische Dorfkirche Döben ist eine ursprünglich romanische Kirche mit einem später erbauten Chorturm im Ortsteil Döben von Grimma im Landkreis Leipzig in Sachsen. Sie gehört zur Kirchgemeinde Döben-Höfgen im Kirchenbezirk Leipziger Land der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Mit ihrer komplett künstlerisch gestalteten Holzdecke im Kirchenschiff ist das Gotteshaus ein Zeugnis ländlich-barocker Malerei in Sachsen und gehört zu den Bilderkirchen.
„Ihre wechselvolle Baugeschichte, die in ihrer Gesamtheit einzigartige barocke Innenausstattung sowie die malerische Lage auf dem Kirchhügel machen die Kirche Döben zu einem bedeutenden Zeugnis ländlicher Sakralarchitektur in Mitteldeutschland.“
Geschichte und Architektur
Die ortsbildprägende Kirche Döben entstand aus dem mehrfachen Umbau einer ursprünglich romanischen Kirche, die in der heutigen Gestalt hauptsächlich vom barocken Umbau um 1696 bestimmt ist. Der Chorraum ist der älteste erhaltene Teil des Bauwerks und geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Auffällig ist die aus dem 13. Jahrhundert stammende Turmstube, die auf eine Wehrkirchenfunktion hindeuten könnte. Der polygonale Schluss des Chorraumes verweist auf spätgotische Umbauten. Dieser Raum wird von einem außergewöhnlichen Zellengewölbe abgeschlossen – eine Gewölbeform, die in der Übergangszeit von Gotik zur Renaissance vereinzelt in sächsischen Landkirchen zu finden ist und oft repräsentativeren Kirchen vorbehalten war. Der übrige Chor ist mit einem Kreuzgratgewölbe überspannt, das architektonisch eine Verbindung von romanischer Stabilität und gotischer Raumöffnung darstellt.[2]
Das Chorpolygon wird mit der Kapelle identifiziert, die 1507 auf Veranlassung der Brüder von Maltitz errichtet wurde. Um 1600 wurde ein zweigeschossiger Anbau an der Nordseite des Chores erbaut. Das Schiff der Kirche wurde im 17. Jahrhundert, die Sakristei 1813 erneuert. Restaurierungen erfolgten in den Jahren 1910/11, 1959 und 1963. Die komplett mit christlichen Darstellungen ausgemalte Bretterdecke im Innern wurde 1983 und 1992/93 restauriert.
Die Kirche ist ein teils verputzter Bruchsteinbau mit einem Chorturm, der mit einem achtseitigen Glockengeschoss und einer barocken Haube abgeschlossen ist. Das Chorpolygon zeigt reich gestaltete Maßwerkfenster und Strebepfeiler, der Saal einfache Spitzbogenfenster. An der Südseite ist eine Sonnenuhr angebracht.
Das Innere ist von der barocken Ausstattung des 16. und 17. Jahrhunderts geprägt. Der Saal wird von einer bemalten Bretterdecke von 1696 abgeschlossen, die in vier Rundbildern und in einem zentralen Sechseck die Anbetung der Hirten, die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt Christi sowie das Jüngste Gericht zeigt.
Der Saal ist an drei Seiten von doppelgeschossigen Emporen umgeben; die westliche Empore zeigt eine geschwungene Brüstung auf gewundenen Holzsäulen. Der Chor wird von einem Kreuzgratgewölbe, das Chorpolygon mit einem Zellengewölbe überspannt. An der Nordseite des Chores ist eine wohlgestaltete zweigeschossige Herrschaftsloge mit Schnitzwerk und Kreuzgratgewölben im Innern eingebaut. Die Brüstung zeigt gemalte Darstellungen in Rundfeldern mit dem Abendmahl, der Fußwaschung, Christus in Gethsemane, der Erscheinung Christi vor den Grabwächtern und der Gefangennahme.
Ausstattung
Der prachtvolle Altar von 1591 wurde vermutlich von Franz Ditterich den Älteren gestaltet. Eine andere Quelle schreibt das stattliche Holzschnittwerk der Spätrenaissance von etwa 5 Meter mal 2 Meter Größe mit der Jahreszahl 1594 im Hauptteil dem Bildschnitzer Valentin Silbermann aus Leipzig zu, der in der Zeit von 1584 bis 1615 in Leipzigs Umgebung gewirkt hat.[2]
Die seitlichen Ansätze sind spätere barocke Zusätze der Umgestaltung von etwa 1700. Der Altar zeigt zwei Predellen; die untere, ältere mit einer Anbetung der Hirten und die obere von 1591 mit Christus im Garten Gethsemane und dem Abendmahl.
In seinem Hauptfeld sind zwischen doppelten Säulen ein Relief der Kreuztragung und der Grablegung Christi angeordnet, darunter als Hochrelief die Stifterfamilie von Schönfeld unter dem Kruzifix kniend. In den Wangen sind Wappen und Initialen des Stifters zu finden.
Die korbartige Kanzel aus dem 17. Jahrhundert wird von einer Figur des Mose getragen und zeigt an der Brüstung Reliefs der Evangelisten und an der Treppenbrüstung die Apostel in gemalter Darstellung: Auf der Tür und dem Treppenaufgang sind die Apostel Matthias, Judas Jakabus, Philipus, Bartholomäus, Thomas, Jakobus und Simon dargestellt, auf der Kanzelbrüstung die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Über der Kanzel thront ein sechseckiger Schalldeckel. An den Ecken stehen vier barocke Engel mit Marterwerkzeugen und in der Mitte erhöht Christus.
Aus dem Mittelalter stammen der große romanische Taufstein und die rundbogige Sakramentsnische im Chor. Ein lebensgroßes Kruzifix wurde wohl im 16. Jahrhundert geschaffen. Ein Grabstein aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erinnert an den Burggrafen von Döben und zeigt eine bärtige, barhäuptige Figur mit Schwert. Ein Kindergrabstein erinnert an die 1602 gestorbene Dorothea von Schönfeld.
Bei der Restaurierung im Jahr 1911 wurden die Glocken aus dem 15. Jahrhundert von drei neue Bronze-Glocken ersetzt. Zwei der drei Glocken mussten im Zweiten Weltkrieg als sogenannte Metallspende abgegeben werden und wurden eingeschmolzen, die dritte nach dem Krieg gegen drei Stahlglocken getauscht.[3]
Die Orgel ist ein Werk von Schmeisser aus dem Jahr 1911, das nach einer Umdisponierung durch Reinhard Schmeisser im Jahr 1966 heute 18 Register auf zwei Manualen und Pedal hat.[4]
Geläut
Das Geläut besteht aus drei Stahlgussglocken, der Glockenstuhl ist aus Stahl und die Glockenjoche sind aus Stahlguss gefertigt.[5] Im Folgenden eine Datenübersicht des Geläutes:[5]
| Nr. | Gussdatum | Gießer | Material | Durchmesser | Masse | Schlagton |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1960 | Glockengießerei Schilling & Lattermann | Stahlguss | 1460 mm | 1300 kg | f′ |
| 2 | 1960 | Glockengießerei Schilling & Lattermann | Stahlguss | 1220 mm | 760 kg | as′ |
| 3 | 1960 | Glockengießerei Schilling & Lattermann | Stahlguss | 1080 mm | 530 kg | b′ |
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Die Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 346–347.
- Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde. Hrsg.: Evangelischen Landeskirchenamt Sachsens. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 286 (Mit einem Geleitwort von Jochen Bohl und Fotografien von Klaus-Peter Meißner}).
Weblinks
- Thomas Gatzemeier: Die Dorfkirche Döben bei Grimma – Ein kulturgeschichtliches Kleinod mit bemerkenswerter Ausstattung, Blogbeitrag zur Kirche Döben mit zahlreichen Innenaufnahmen
- Die kirchengeschichtliche Entwicklung auf doeben.de, abgerufen am 19. April 2026
- In der Kirche Döben wird neue Truhenorgel eingeweiht auf lvz.de