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Dorfkirche Riedebeck

denkmalgeschützte Saalkirche in Riedebeck, Gemeinde Heideblick, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die evangelische Dorfkirche Riedebeck ist eine romanische Feldsteinkirche im Ortsteil Riedebeck von Heideblick im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie gehört zur Kirchengemeinde Langengrassau im Pfarrsprengel Gehren im Kirchenkreis Niederlausitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und kann nach Anmeldung besichtigt werden.[1]

Dorfkirche Riedebeck

Lage

Die Bundesstraße 96 führt in Nord-Süd-Richtung durch den Ort. Die Kirche steht im nordöstlichen Bereich des Straßendorfes.

Geschichte

Staffelung der Bauteile in der Südostansicht
Westportal
Südportal

Die Dorfkirche Riedebeck ist eine spätromanische Kirche aus Feldsteinmauerwerk, welche die charakteristische Staffelung der Bauteile Apsis, Chor, Schiff und Turm zeigt (Vollständige Anlage). Sie wird stilistisch auf die Zeit zwischen 1220 und 1230 datiert. Die überlieferten Baudaten 1192–1204 beziehen sich wohl auf einen Vorgängerbau. Rüsthölzer wurden dendrochronologisch auf 1178 und 1179 datiert. Sie gehört damit zu den ältesten Dorfkirchen der westlichen Niederlausitz. Der Westturm stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.[2] In der Zeit des Barock wurden die südlichen Fenster des Kirchenschiffs vergrößert. Der Triumphbogen wurde vermauert, um Platz für einen neuen Kanzelaltar zu schaffen. Der Flügelaltar musste in die nördliche Ecke des Kirchenschiffs weichen. Außerdem kamen eine neue Stuckdecke sowie ein Taufengel in das Bauwerk.

Im Zweiten Weltkrieg kam es offenbar zu Beschädigungen, die im Frühjahr 1954 vom Gemeindekirchenrat an das Kirchliche Bauamt gemeldet wurden: Teile des Deckenputzes waren herabgestürzt. Außerdem war das Dach undicht. Das Dachtragwerk war bis 1957 weitgehend durch Wurmfraß zerstört, so dass das Dach einzustürzen drohte. Zwischen 1952 und 1962 fand eine Restaurierung statt, bei der die barocke Innenausstattung weitgehend entfernt wurde und sogar die vergrößerten Fenster wieder zurückgebaut wurden. Der barocke Altar kam in die Kirche nach Werben. Erhalten blieb lediglich ein spätgotischer Schnitzaltar.[3] Nach der Öffnung des Triumphbogens wurden die Wandmalereien in Chor und Apsis wieder freigelegt. Bei Arbeiten am Fußboden entdeckten Arbeiter im Sommer 1960 rund 30 bis 40 cm unterhalb des vorherigen Niveaus einen mittelalterlichen Fußboden. Etliche Fliesen waren mit Reliefs mit Adlerdarstellungen oder Ornamenten verziert und konnten dem späten 13. bzw. frühen 14. Jahrhundert zugewiesen werden. Im Jahr 1964 hatte eindringendes Regenwasser die Wandmalereien erneut beschädigt, nachdem das Dach an seinen vier Giebelecken erneut undicht geworden war. Experten vermuten als mögliche Ursache den Überflug des Bauwerks durch Überschallflugzeuge. Nach einer erneuten Sanierung des Dachs erfolgte im Jahr 1968 die Wiedereröffnung der Kirche. Doch nur zehn Jahre später war durch Druckwellen von Flugzeugen ein schadhafter Sims aufgetreten, der erneut zu einer Beschädigung des Kircheninneren durch Schwammschäden führte.[2] Bis 1995 wurden durch eindringendes Wasser mehrere Wandmalereien zerstört; durch die Schwammschäden wurde das Bauwerk im Mai 1995 bauamtlich gesperrt. Daher wurde in den Jahren 1995 bis 1998 eine Dächerreparatur erforderlich, der eine Fenster- und Wandsanierung bis 2010 folgte.[4] In einer ersten Phase konnten bis 2024 Teile der Malerei in der Apsis restauriert werden. Für die verbleibenden Flächen fehlt im Jahr 2024 das Geld.[5]

Architektur

Die Apsis und der Turm bestehen aus Granitquadern, Formteile wurden aus Raseneisenstein hergestellt, darunter an der westlichen Turmfront mehrere Raseneisensteine mit herausgearbeiteten Gesichtsdarstellungen.[2] Die Fenster an Chor und Apsis sind aus der Zeit der Spätromanik erhalten. Zwei Portale auf der Südseite zeigen rundbogige Abschlüsse mit Kämpfern; das Rücksprungportal im Westturm ist stumpfspitzbogig mit Kämpfern aus Raseneisenstein.

Das Glockengeschoss des Turmes stammt wohl aus der Zeit um 1300 und zeigt eine reichere gotische Gliederung mit Spitzbogenblenden, die teilweise mit gekuppelten Schallöffnungen und Nischen kombiniert sind. Die Öffnungen in den Giebeln unter dem quergerichteten Satteldach am Turm stammen von 1902.

Das Innere ist mit einer erneuerten Balkendecke und einer Halbkuppel in der Apsis abgeschlossen. An der Nordseite der Apsis ist eine gotische Sakramentsnische mit Backsteinrahmung und Giebel mit Krabben erhalten. An den leicht spitzbogigen Apsis- und Triumphbögen sind die ursprünglichen Kämpfer erhalten. Der gotische Backsteinfußboden wurde 1961 wiederhergestellt.

Ausstattung

Altäre

In der Apsis ist eine frühgotische Altarmensa aus Raseneisenstein erhalten, auf der ein spätgotisches Kruzifix steht. Vor dem Triumphbogen steht ein spätgotischer Schnitzaltar aus der Zeit um 1500, der 1962 eine unpassende Fassung erhielt, die 1998–2002 auf den ursprünglichen Zustand hin restauriert wurde. Er zeigt in der Predella die heilige Katharina zwischen jeweils zwei weiteren Heiligen. Im Mittelschrein ist Anna selbdritt zwischen Barbara und Margareta dargestellt; in den Flügeln auf der Innenseite die Anbetung der Könige sowie dreimal zwei Heilige. Die gemalten Flügelaußenseiten zeigt die Verkündigung Mariens; im dünnen Gesprenge ist der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes dargestellt, darüber als Bekrönung der Auferstandene. Das Kruzifix dürfte 100 Jahre älter als der Altar sein. Auf den Flügelrückseiten sind Reste der Verkündigung des Herrn zu erkennen. Ein zweiter mittelalterlicher Altarblock steht in der Apsis. Die Steinplatte seiner Mensa ist mit eingeritzten Weihekreuzen verziert. Das Vorhandensein eines zweiten Altars wirft Fragen nach seiner liturgischen Nutzung auf, die noch nicht geklärt sind.[2]

Wandmalereien

In den Ostteilen sind noch umfangreiche Reste spätgotischer Wandmalereien erhalten, die aus der Zeit um 1480 stammen. Sie wurden durch über Jahrzehnte eindringende Nässe in das Gebäude teilweise stark geschädigt und teilweise unwiederbringlich zerstört. Die Wandmalereien zeigen Gemeinsamkeiten mit den Dorfkirchen Beesdau, Goßmar und Waltersdorf (Schönefeld) auf und dürfte daher aus einer regionalen Werkstatt stammen. Weitere kunsthistorische Bezüge sind zur Dorfkirche Briesen erkennbar, was die Bedeutung der Wandmalereien nochmals unterstreicht.

Auf der Triumphbogenwand sind die Reste einer monumentalen Kreuzigungsszene als Kalvarienberg erkennbar, die als die größte bekannte Darstellung ihrer Art in der Niederlausitz gilt. Die Südwand ist mit einer ebenfalls monumentalen Abbildung der Legende des Heiligen Laurentius und Heiligen Georgs verziert. Unterhalb der Abbildung befinden sich die Reste eines Schriftbandes mit gotischen Minuskeln, während der Sockel mit einer Vorhangmalerei verziert war, die ebenfalls nur noch in Ansätzen erkennbar ist. In der Nordostecke befinden sich sechs Heilige in Bildfeldern, die mit einer roten, schmalen Umrahmung verziert wurden. Diese Raumfassung mit Ausnahme der Kreuzigung wurde von 2009 bis 2011 gesichert. Die Laibung des Triumphbogens ist mit Akanthusranken verziert, die im unteren Bereich mit je einem Weihekreuz und einer nur noch in Resten erkennbaren Heiligenfigur abschließen. An der Südwand des Chors befinden sich sieben weitere Bildfelder mit szenischen Darstellungen von Frauen, die auf Tieren reiten. Diese personifizierte Darstellung könnte auf die sieben Todsünden hindeuten. Links oberhalb befindet sich eine noch ältere Ausmalung, die stehende Figuren vor einem roten Hintergrund zeigt. Rechts oberhalb ist eine weitere szenische Darstellung, die bislang noch nicht gedeutet werden konnte. Die Apsiskalotte ist ebenfalls reich verziert und zeigt den Auferstandenen mit einer Deesis. Neben Johannes dem Täufer ist eine seltene Abbildung einer Butterhexe erkennbar. Zwischen den Apsisfenstern sind zwei Personen erkennbar, die als Ecclesia und Synagoge oder links als Apostel Philippus mit Kreuz und rechts als Judas Thaddäus mit Keule interpretiert werden. Diese Wandmalereien erfuhren bislang nur eine Notsicherung im Jahr 2024 und werden seit November 2025 restauratorisch bearbeitet. Ziel ist, die Arbeiten bis zum Sommer 2026 abschließen zu können.[2]

Weitere Kirchenausstattung

Ein großer romanischer Taufstein mit gedrungener Kuppa stammt aus Crinitz und kam Anfang der 1960er Jahre in die Kirche. In der Südwestecke des Schiffes ist ein barocker Pastorenstuhl mit vergittertem Aufsatz erhalten. Die weiteren Ausstattungsstücke wurden in die Dorfkirche Werben überführt. Die Orgel ist ein Werk von Schuke aus dem Jahr 1967 mit sieben Registern auf einem Manual und Pedal.[6] Am Eingang zum Friedhof steht noch ein breites, leicht spitzbogiges Portal aus spätgotischer Zeit.

Literatur

Einzelnachweise

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