Doris Fleischman
US-amerikanische Journalistin, Feministin und Autorin
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Doris Elsa Fleischman (* 18. Juli 1891 in New York City; † 10. Juli 1980 in Cambridge (Massachusetts)) war eine US-amerikanische Schriftstellerin, PR-Managerin und feministische Aktivistin.[1][2]

Leben
Sie wurde in Harlem als zweites von vier Kindern von Harriet (Rosenthal) und dem New Yorker Anwalt Samuel Fleischman in einer jüdischen Familie geboren. Sie besuchte zunächst die Hunter Normal School und anschließend die Horace Mann School, die sie 1909 abschloss. Im Herbst desselben Jahres begann sie ihr Studium am Barnard College. Während ihrer Collegezeit war sie in den Sportarten Softball, Basketball und Tennis aktiv und erhielt Auszeichnungen für ihre Leistungen. Sier schloss ihr Studium 1913 mit einem Bachelor in den Fächern Anglistik, Philosophie, Psychologie und Musik ab. Sie erwog eine Karriere als Sängerin, entschied sich aber für eine Anstellung bei der New York Tribune, wo sie für die Frauenseite schrieb. Zur stellvertretenden Sonntagsredakteurin befördert, war sie die erste Frau, die über einen Boxkampf berichten durfte. Während ihrer Zeit bei der Tribune interviewte sie unter anderem Theodore Roosevelt, Irene Castle und Jane Addams. Als Feministin war sie Mitglied der Lucy Stone League, des Woman Pays Club (der 1919 von Frauen gegründet wurde, um einen bekannten Herrenclub in New York zu verspotten) und von Women in Communications. Sie nahm 1917 an der ersten Frauenfriedensparade in New York teil.
1919 stellte ihr Freund aus der Kindheit, der Publizist Edward L. Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds, sie für seine Organisation, den Edward L. Bernays Council on Public Relations, als Mitarbeiterin und Autorin ein. Gemeinsam mit Bernays entwickelte sie erfolgreiche Kampagnen für verschiedenste Zwecke, von Ölverkäufen bis hin zu Präsidentschaftskandidaten. Die Agentur führte außerdem politische Kampagnen durch und bewarb Großveranstaltungen von Organisationen wie der ACLU, dem Women’s Non-Partisan Committee des Völkerbundes und der New York Society of Ethical Culture. Die nächsten 61 Jahre arbeitete sie für und mit ihm; 1922 heirateten die beiden. Auf ihrer Hochzeitsreise im Waldorf-Astoria trug sie ihren Mädchennamen in das Eheregister ein, was landesweit für Schlagzeilen sorgte.[3] Als Mitglied der Lucy Stone League, die sich für das Recht von Frauen einsetzte, ihren Namen nach der Heirat zu behalten, erhielt sie 1925 als erste verheiratete Frau in den Vereinigten Staaten einen Reisepass auf ihren eigenen Namen. Aus der Ehe stammten zwei Töchter: Doris (1929), seit 1951 verheiratet mit Richard Held, und Anne Bernays (1930), verheiratet mit dem Schriftsteller Justin Kaplan (1925–2014). Mit 57 Jahren veröffentlichte sie unter „A Wife Is Many Women“ ihre Memoiren; in dem Buch brachte sie ihre Ambivalenz um ihre Selbstidentifikation zum Ausdruck: „Mrs. steht rechts von mir, und Miss steht links. Ich bin ein Gespenst irgendwo dazwischen.“ 1962 zogen sie und ihr Mann nach Cambridge (Massachusetts), wo ihre beiden Töchter lebten. Sie starb dort am 10. Juli 1980 an einem Schlaganfall.
Werk
Ihr Gatte Edward L. Bernays gilt als „Vater der Public Relations“ und prägte den Begriff Public Relations; er verwendete auch als Erster das Wort „Öffentlichkeiten“, um diejenigen zu beschreiben, die ein Interesse an einem Thema haben. Obwohl er fast den gesamten Ruhm und die Anerkennung der Public Relations für sich beanspruchte, war Doris Fleischman maßgeblich an deren Etablierung beteiligt. Ihre Beratung von Bernays und ihre Arbeit im Hintergrund trugen dazu bei, dass Public Relations zu einem bekannten Begriff wurde und ihrer Firma Legitimität verlieh. Von Susan Henry wird sie als Beispiel für eine Frau beschrieben, deren Leistungen hinter denen ihrer Ehemänner verborgen blieben. Diese Unsichtbarkeit ist besonders merkwürdig, da sie Feministin war, die beispielsweise gegen staatliche und gesellschaftliche Normen kämpften, um ihren Geburtsnamen zu behalten.
Ehrungen/Positionen
- 1986: Doris Fleischman Award der Florida Public Relations Association (FPRA)
- 1972: Headliner Award der Association for Women in Communications
- 1971: Mitglied von Theta Sigma Phi (heute Association for Women in Communications), nationale Schwesternschaft für Frauen in der Kommunikationsbranche
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Progression. Beach Tree Press, Sag Harbor (New York) 1977.
- Mit Edward L. Bernays: What the British Think of Us. A Study of British Hostility to America and Americans and Its Motivation, with Recommendations for Improving Anglo-American Relations. English Speaking Union, London 1959.
- A Wife is Many Women. Crown Publishers, New York 1955.
- Mit Edward L. Bernays: Pamphlets Issued in the Public Interest. Verlag E. L. Bernays, 1945.
- Mit Edward L. Bernays: Public Relations as a Career. National Occupational Conference, 1937.
- An Outline of Careers for Women: A Practical Guide to Achievement. Doubleday, Doran, New York City 1935.
- Women in Business. Curtis Publishing Company, Philadelphia 1930.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- American Guild for German Cultural Freedom. American Guild for German Cultural Freedom, New York 1939.
- Women: Types and Movements (1932), abgerufen am 14. November 2025
Weblinks
- Literatur von und über Doris Fleischman im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Pioneer Doris Fleischman (1891–1980) auf Institute for Public Relations, abgerufen am 14. November 2025.
- Doris Fleischman: A Forgotten Force auf artémia.com, abgerufen am 14. November 2025.
- Doris Fleischman, Women: Types and Movements (1932), abgerufen am 14. November 2025.
- Joan Cook: Doris Fleischman Bernays Dead; Pioneer Public Relations Counsel auf New York Times vom 12. Juli 1980, abgerufen am 14. November 2025.
- The Legendary Doris Elsa Fleischman Bernays, Writer, Public Relations First, And Feminist, 1891–1980 auf harlem World vom 16. Juli 2021, abgerufen am 14. November 2025.
Literatur
- Susan Henry: Anonymous in Their Own Names: Doris E. Fleischman, Ruth Hale, and Jane Grant. Vanderbilt University Press, Nashville 2012, ISBN 978-0-8265-1846-0 (englisch).
- Margot Opdycke Lamme: Outside the Prickly Nest: Revisiting Doris Fleischman. In: American Journalism. Band 24, Nr. 3, 2007, S. 85–107 (englisch).