George und Doris Pumphrey
Ehepaar
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George Pumphrey (* 1946 in Washington, D.C.) und seine Frau Doris Pumphrey (* 1949 in Bayern) waren von 1983 bis 1990 Spione und Inoffizielle Mitarbeiter (IM Faber bzw. IM Dagmar) der Hauptverwaltung A (HV A) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), in deren Auftrag sie gegen die bundesdeutsche Friedensbewegung und die Bundestagsfraktion Die Grünen geheimdienstlich tätig waren.
Leben
George Pumphrey wuchs als Sohn eines Landarbeiters und einer Lehrerin mit zwei jüngeren Geschwistern in Silver Spring in Maryland in den Vereinigten Staaten (USA) auf. Im Alter von 13 Jahren trat er der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) bei und nahm 1964 als Delegierter der Jugendliga am NAACP-Nationalkongress teil. Er studierte Sportwissenschaft sowie Dramaturgie. Danach arbeitete er als Schauspieler und Theatertechniker in Maryland und Kalifornien. 1968 wurde er als Grundwehrdienstleistender in die United States Army eingezogen und nach Nürnberg versetzt.
Doris Pumphrey wuchs als jüngstes von vier Kindern als Tochter eines Pfarrers in Fürth auf. 1969 absolvierte sie ihr Abitur und studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sie trat in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund ein und war im Solidaritätskomitee für die Black Panther Party.
George und Doris lernten sich 1969/70 kennen. George wurde vorzeitig aus der Army entlassen und reiste zurück in die USA. Im August 1970 reiste ihm Doris nach, um ihn zu heiraten. Sie lebten in Rockville in Maryland. Als beide im Sommer 1971 in die Bundesrepublik reisen wollten, wurde George die Einreise aufgrund von Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz verweigert. Nachdem George in den USA polizeilich gesucht wurde, flüchteten beide nach Montreal in Kanada. Dort wurden sie kurzzeitig verhaftet und planten, sich mit einem Frachtschiff nach Chile abzusetzen. Stattdessen reisten sie illegal nach Paris und wurden, nach ihrer Legalisierung in der von Henri Curiel gegründeten kommunistischen Untergrundorganisation Solidarité aktiv. Curiel wurde ihr Freund und politischer Lehrer. George war in einer Möbelkooperative tätig und Betriebsrat des französischen Gewerkschaftsbundes Confédération générale du travail (CGT), Doris arbeitete in einem Buchladen. Beide publizierten ein regelmäßiges Informationsbulletin zum „Friedenskampf“. 1986 erhielt George die französische Staatsbürgerschaft.
Die Pumphreys stellten einen Antrag auf Übersiedlung in die DDR in der DDR-Botschaft in Paris. Anschließend reiste Doris im Frühjahr 1983 nach Ost-Berlin. Dort bot man ihnen an, statt einer Übersiedlung aus dem Westen heraus für die DDR geheimdienstlich aktiv zu werden. Sie sollten sich dazu in der Bundesrepublik niederlassen.
George erhielt den Decknamen Faber, Doris Dagmar. Sie wurden unter der gemeinsamen Registriernummer XV/154/83 für die Abteilung IX am 20. Januar 1983 erfasst, ab dem 24. August 1983 bis zu deren Auflösung für die Abteilung II der HV A.[1] Als Dagmars Beruf wurde Kindergärtnerin angegeben. Ihr Führungsoffizier war zunächst Rolf Gräser, ab dem 24. August 1983 Rolf Keßler, der zuletzt Major war und ab März 1989 das Referat 6 (operative Bearbeitung linker und linksextremistischer Gruppen) der Abteilung II der HV A führte.[2]
Anfangs spionierten sie Gruppen, Tendenzen und Entwicklungen in der nichtkommunistischen westeuropäischen Friedensbewegung aus. Keßler wies die Pumphreys an, die Partei Die Grünen zu infiltrieren. Doris arbeitete ab 1987 als persönliche Mitarbeiterin der Abgeordneten des Deutschen Bundestages der Bundestagsfraktion der Grünen Christa Vennegerts, George ab 1988 als persönlicher Referent eines Grünen-Abgeordneten. Sie lieferten Informationen über Positionen, Tendenzen, darunter zur Friedens- und Deutschlandpolitik, und zur Entwicklung interner Kräfteverhältnisse in der Fraktion. Mit der Auflösung des MfS endete ihre Spionagetätigkeit für die DDR.
Die Pumphreys wechselten von den Grünen zur Fraktion der PDS, wo sie 1999 in der Fraktionspressestelle arbeiteten.[3]
Am 15. August 1994 wurde das Ehepaar vom Bundeskriminalamt verhaftet und vernommen. Im Juli 1996 erfolgte die Anklage. Vertreten wurden die Pumphreys von den Rechtsanwälten Jürgen Stahl und Frank Osterloh; letzterer war von 1971 bis 1990 hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS und zuletzt Oberstleutnant gewesen. Am 15. Januar 1998 verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf das Ehepaar wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit.
In den 2010er Jahren war Doris als Übersetzerin tätig. George ist Aktivist der Friedenskoordination Berlin. 1999 leugnete George das Geschehen des Massakers von Srebrenica in der Zeitschrift konkret.[4] Beide rechtfertigen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.[5][6]
Siehe auch
Schriften
- Doris und George Pumphrey: Ghettos und Gefängnisse: Rassismus und Menschenrechte in den USA. Pahl-Rugenstein, Köln 1982, ISBN 978-3-7609-0677-5.
- Doris und George Pumphrey: Angeklagt der »geheimdienstlichen Agententätigkeit für eine fremde Macht«. In: Geheim. Nr. 1, 1998, S. 18–21.
- Doris Pumphrey: Für Gerechtigkeit einzutreten war noch nie bequem: Rainer Rupp, die PDS-Fraktion und die Beendigung der politischen Strafverfolgung. In: Geheim. Nr. 1, 1999, S. 11–12.
Literatur
- Ein langer Weg zur DDR … In: Klaus Eichner, Gotthold Schramm (Hrsg.): Top-Spione im Westen: Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich. Überarbeitete Neuausgabe. Das Neue Berlin (Eulenspiegel Verlagsgruppe), Berlin 2016, ISBN 978-3-360-01310-1, S. 119–131.
- Ingo Niebel: Überzeugungstäter: Peter Kleinerts Film über Doris und George Pumphrey. In: Junge Welt. Nr. 242, 15. Dezember 1999.