Dreifaltigkeitskirche (Eisfeld)

Kirchengebäude in Eisfeld, Hildburghausen, Thüringen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitskirche steht in der Stadt Eisfeld im Landkreis Hildburghausen und wird zu den größten und imposantesten Sakralbauten der Spätgotik in Südthüringen gezählt.

Dreifaltigkeitskirche in Eisfeld
Chor
Innenraum-Panorama

Geschichte

Ein Eisfelder Pfarrer wurde 1235 in einer Urkunde erwähnt. Um 1360 wurde eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche errichtet. Im Jahr 1488 begann auf Veranlassung des Würzburger Dompropstes Kilian von Bibra mit der Errichtung des Langhauses der Bau einer neuen Hallenkirche. Der Chor in der Breite des Mittelschiffs wurde 1505 errichtet. Der Turm wurde um 1530 vollendet. 1525 predigte der Pfarrer Nicolaus Kindt (1490–1549) erstmals evangelisch in der Kirche. Justus Jonas der Ältere, ein Freund Martin Luthers, war von 1553 bis 1555 Pfarrer. 1565 zerstörte ein Blitzschlag den Turm, 1601 brannte das Langhaus der Kirche während eines Stadtbrands aus und 1632 brannten die Truppen Wallensteins Stadt und Kirche nieder. Das dabei zerstörte gotische Netzgewölbe des Langhauses wurde im Zuge des Wiederaufbaus durch eine hölzerne Kassettendecke ersetzt. 1651 wurde das Gotteshaus dann als Dreifaltigkeitskirche neu geweiht. Nach Artilleriebeschuss am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die oberen Turmgeschosse neu errichtet. Im Zuge der 1960 bis 1962 durchgeführten Innensanierung wurde die oberen Emporen in den Seitenschiffen entfernt. Bei der Renovierung des Chorraums im Jahr 1988 wurden zwei Weihekreuze an den Wänden freigelegt. In den Jahren 2010 bis 2017 fand eine grundlegende Instandsetzung der Außenhülle und der Kirchenfenster statt.

Architektur

Die spätgotische Kirche hat ein dreischiffiges, fünfjochiges Langhaus, das 25 Meter lang, 18,5 Meter breit und deutlich höher als der Chor ist. Es besitzt ein hohes Satteldach und eine flache Renaissance-Kassettendecke, die von Rundpfeilern getragen wird. Den mit drei Jochen 14 Meter langen und 8 Meter breiten Chor überspannt ein Netzgewölbe mit Rautenkreuzungen. Der wuchtige und quadratische Kirchturm steht an der Nordseite in der Ecke zwischen Langhaus und Chor. Die Süd- und Nordpforte haben mit vorspringenden Baldachinen, wo sich das Maßwerk um Stäbe rankt, bemerkenswerte Portale. Die Sakristei ist mit Wappen geschmückt.[1]

Im Zuge einer Besichtigung kann der Kirchturm bis zur Aussichtsgalerie bestiegen werden, von der sich ein weiter Blick auf Eisfeld und die Höhenzüge des Thüringer Waldes bietet.[2]

Ausstattung

Die Renaissancekanzel stammt aus dem Jahr 1643, der Taufstein aus Sandstein mit einer Zinnschale aus dem Jahr 1634 und das große Kruzifix im Chorraum wurde 1684 geschaffen. Ein Epitaph aus Sandstein erinnert an den Superintendenten Michael Kob (1652–1717).

An der Nordseite des Langhauses befindet sich ein Ehrenmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs, ein Werk des Bildhauers Hermann Blechschmidt aus dem Jahr 1921. Es besteht aus farbigen Holztafeln mit den Namen der Gefallenen. Zwischen den Tafeln stehen aus Holz gefertigte Soldaten in betender Haltung.[3.1]

Glocken

Im Kirchturm hängen vier Glocken. Die große Bronzeglocke von 1634 hat 160 cm Durchmesser und entstand in der Erfurter Gießerei Melchior und Hieronymus Möringk. Die zweitgrößte Bronzeglocke mit 128 cm Durchmesser, die Banzerglocke, wurde 1581 in Nürnberg gegossen und stammt wie die mit 120 cm Durchmesser nächstkleinere Messglocke, 1581 in Nürnberg gegossen, aus dem Kloster Banz. Die beiden Glocken waren im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen geraubt und nach Eisfeld verkauft worden. Die älteste Bronzeglocke, die Egidiusglocke mit 50 cm Durchmesser, wurde 1474 in Nürnberg gegossen.[3.2]

Orgel

Orgel von Michael Schmidt (1846)

Die erste Orgel wurde vermutlich 1533 erbaut, als auch die Emporen in die Kirche eingebaut wurden. Die heutige Orgel ist wohl das fünfte Instrument in der Kirche. Es wurde 1846 von dem Orgelbauer Michael Schmidt aufgestellt.[4]

I Hauptwerk C–d3
01.Bordun16′
02.Principal08′
03.Hohlflöte08′
04.Viola di Gambe 008′
05.Gemshorn08′
06.Quinte06′
07.Octave04′
08.Rohrflöte04′
09.Spitzflöte04′
10.Octave02′
11.Cornett V
12.Mixtur V02′
13.Trompete08′
II Oberwerk C–d3
14.Gedackt8′
15.Harmonika8′
16.Flauto trav8′
17.Salicional8′
18.Geigenprincipal 08′
19.Principal4′
20.Flauto iola4′
21.Gedackt4′
22.Spitzflöte2′
23.Mixtur V1′
Pedalwerk C–d1
24.Principal16′
25.Violon16′
26.Subbaß16′
27.Violon08′
28.Octavenbaß 008′
29.Posaune16′

Literatur

  • Joachim Neubert, Günter Stammberger, Bernhard Großmann, Martin Hoffmann: Die Kirchen im Landkreis Hildburghausen ... nichts anderes als Gottes Haus – die Pforte des Himmels .... Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 2006, ISBN 3-86180-174-4, S. 66–69.
  • Paul Lehfeldt, Georg Voss (Hrsg.): Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens: Herzogthum Sachsen-Meiningen. Band 2: Kreis Hildburghausen: Amtsgerichtsbezirke Hildburghausen, Eisfeld, Themar, Heldburg und Römhild. Verlag Gustav Fischer, Jena 1904, S. 123–137.

Einzelnachweise

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