Dreihasenbild
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Dreihasenbild stellt drei springende Hasen dar, die drehsymmetrisch im 120-Grad-Winkel abgebildet sind. Jeder Hase teilt sich seine beiden Ohren mit dem linken und rechten Nachbarn, so dass insgesamt nur drei in Dreiecksform angeordnete Ohren zu sehen sind. Früheste Funde des Motivs stammen aus dem China des 6. oder 7. Jahrhunderts. Das Motiv verbreitete sich über die Seidenstraße nach Europa und wurde im christlichen Kontext als Symbol der Dreieinigkeit Gottes (Trinität) aufgefasst.


Ursprung und christliche Verwendung
Das Dreihasenbild taucht zuerst in Motiven der chinesischen Sui-Dynastie (581–618) auf.[1] Über die Seidenstraße verbreitete es sich bis ins mittelalterliche Europa. Gehäuft kommt es in Südengland und Norddeutschland vor, meist an kirchlichen Gebäuden. Die Kirchliche Verwendung lässt viele Kunsthistoriker auf eine Deutung als verstecktes Symbol für die göttliche Dreieinigkeit schließen, die selbst nicht bildlich dargestellt werden darf.

Ein Beispiel des Dreihasenbildes befindet sich als Fenstermaßwerk (bekannt als „Dreihasenfenster“) im Kreuzgang des Paderborner Doms, ein weiteres Dreihasenfenster findet sich an der Südseite der Holzwickeder Liebfrauenkirche. Das Dreihasenbild findet sich auch im Haslocher und im Haseder Wappen, ebenso als Schlussstein in der Peter- und Paulskirche in Wissembourg im Elsass. In der Schweiz ist eine solche Darstellung im Chorbogen der Kirche Lauperswil zu sehen.[2]
Neuzeitliche Beispiele
Gelegentlich wird das Dreihasenbild auch an profanen Gebäuden verwendet, wie beispielsweise – auch als Namensgeber – beim Hotel-Restaurant Drei Hasen in Michelstadt. Die Geschichte dieses Gasthauses und seines Namens reicht zurück in das Jahr 1685.
Als der Paderborner Theologieprofessor und Dompropst Paul-Werner Scheele im Jahre 1975 zum Paderborner Weihbischof ernannt wurde, nahm er das Dreihasen-Symbol in sein Bischofswappen auf, um an die von einigen Theologen und Kunsthistorikern vertretene Deutung als Trinitätssymbol anzuknüpfen. Als er 1979 zum Bischof von Würzburg berufen wurde, wechselte das Wappen mit ihm an den Main.
Das Dreihasenbild wurde auch von verschiedenen Künstlern aufgegriffen, variiert oder neu interpretiert. Der Maler und Grafiker Hans Thoma beispielsweise gestaltete einen Dreihasenteller. Die 1921 entworfene Keramikschale wurde bis Ende der 1920er Jahre und später in mehreren Neuauflagen von der Karlsruher Majolika-Manufaktur produziert.[3]
Rezeption und politische Kontroverse

Im Kommunalwahlkampf 2025 kam es in Paderborn zu einer lokalen öffentlichen Auseinandersetzung um die politische Verwendung des Dreihasenmotivs. Der Kreisverband der Satirepartei Die PARTEI nutzte das Symbol auf Wahlplakaten, die im Bereich der Bahnhofstraße in dichter Folge an Laternenmasten und Bäumen angebracht waren.[4]
Die Gestaltung der Plakate sowie deren serielle Anbringung riefen nach Einschätzung regionaler Medien Assoziationen an nationalsozialistische Symbolik und Inszenierungsformen hervor. In diesem Zusammenhang verbreitete die Partei auch ein in Schwarz-Weiß gehaltenes Video mit dem Slogan „Seit 5:45 Uhr wird zurück plakatiert“, welches als bewusste provokative Anspielung eingeordnet wurde.[5]
Nach Angaben der Partei verstand sich die Aktion als künstlerisch-satirische Simulation einer politischen Realität und ausdrücklich nicht als Wahlwerbung oder Kampagne, sondern als Warnung vor gesellschaftlicher Gewöhnung an politische Symbolik und an deren zunehmende Entkopplung von inhaltlicher Auseinandersetzung. In der Beschreibung der Aktion wird eine Schwelle von 25 Prozent genannt, ab der entschieden werde, was im öffentlichen Raum sichtbar sei.[6]
Zum Zeitpunkt der Entstehung der Aktion lagen bundesweite Umfragewerte der AfD bei etwa 25 Prozent.[7] Eine direkte Bezugnahme auf die Partei AfD erfolgte in der Aktion selbst jedoch nicht.
Der Paderborner Verkehrsverein e. V., der das Dreihasenmotiv seit 2019 als Bildmarke schützen lässt, sah in der Nutzung eine unzulässige Verwendung und mahnte den Kreisverband wegen einer angeblichen Markenrechtsverletzung ab.[4]
Die PARTEI wies die Abmahnung zurück und argumentierte, politische Wahlwerbung stelle keine Handlung „im geschäftlichen Verkehr“ dar und unterliege daher nicht dem Markenrecht. Diese Auffassung wurde von der die Partei vertretenden Rechtsanwaltskanzlei unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs öffentlich bekräftigt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung fand nicht statt; die Wahlplakate wurden nicht entfernt und blieben bis zum Ende des Wahlkampfs im öffentlichen Raum sichtbar.[4]
Die Auseinandersetzung wurde in regionalen Medien aufgegriffen und im Spannungsfeld zwischen kulturellem Erbe, Markenrecht, politischer Satire und Erinnerungskultur diskutiert.[5]
Literatur
- Erhard Ueckermann: Das Hasensymbol am Dom zu Paderborn, im Kloster Hardehausen, in der Kathedralkirche St. Paulus in Münster und der Klosterkirche Haina. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft. Band 41, 1995, S. 285–291.
- Anna Filigenzi: Die drei Hasen. In: Susan Whitfield (Hrsg.): Die Seidenstraße. Landschaften und Geschichte. Darmstadt 2019, S. 146.
- Wolfgang Stüken: Warum Paderborns „Drei Hasen“ 2020 ein großes Jubiläum feiern könnten. In: Die Warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 185, Ostern 2020 (Erster Teil einer Drei-Hasen-Trilogie), S. 27–32.
- Wolfgang Stüken: Botschaft aus Verbundenheit, Gemeinschaft und Bewegung. Teil 2 der Drei-Hasen-Trilogie: Das Paderborn-Symbol als Markenzeichen. In: Die Warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 186, Sommer 2020, S. 34–37.
Siehe auch
- Kopf von Corleck: eine ähnliche Form der Figurvereinigung, allerdings mit drei menschlichen Köpfen (Tricephalus)
- Weitere dreieckig symmetrische Figuren: Triskele, Triquetra und Dreipass