Drupa
Messe der Druck- und Druckmedienindustrie
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die drupa (früher auch DRUPA, Abkürzung von Druck und Papier) gilt als die weltweit führende Fachmesse für Drucktechnologien sowie Print- und Verpackungsproduktion.[1] Sie findet im vierjährigen Turnus auf dem Gelände der Messe Düsseldorf statt und zeichnet sich durch eine hohe Internationalität aus.[1] Sie gilt als eine der wichtigsten Plattformen der Druck- und Verpackungsindustrie und dient insbesondere der Präsentation technologischer Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Darüber hinaus ist sie ein zentraler Treffpunkt für Fachbesucher und Entscheidungsträger und spielt eine bedeutende Rolle für Investitionsentscheidungen innerhalb der Branche.[2]
| drupa | |
|---|---|
| Branche | Drucktechnologien, Print- und Verpackungsproduktion |
| Veranstaltungsort | Messe Düsseldorf, Düsseldorf |
| Erste Veranstaltung | 1951 |
| Website | www.drupa.de |
| Letzte Veranstaltung | |
| Datum | 28. Mai 2024 bis 7. Juni 2024 |
| Nächste Veranstaltung | |
| Datum | 9. Mai 2028 bis 17. Mai 2028 |
Geschichte

Entwicklung zur Weltleitmesse
Die Fachmesse wurde im Jahr 1951 durch die Messe Düsseldorf initiiert. Zu diesem Zeitpunkt firmierte der Veranstalter noch als Nordwestdeutsche Ausstellungsgesellschaft (NOWEA). Die Veranstaltung knüpfte an die Tradition der Leipziger Bugra an, deren Fortführung nach der deutschen Teilung nicht möglich war.[3] In der Phase des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Messe dazu, die technologische Leistungsfähigkeit der deutschen Druckmaschinenindustrie und der Papierverarbeitung im internationalen Wettbewerb darzustellen.[4]
Über die folgenden Jahrzehnte wuchs die internationale Bedeutung stetig an. Im Jahr 1972 bezog die Veranstaltung das neu errichtete Messegelände in Düsseldorf-Stockum.[4] In Fachkreisen etablierte sich für die Veranstaltung die Bezeichnung als Olympiade der Druckindustrie.[5] Der gewählte Rhythmus von vier Jahren orientiert sich an den Innovationszyklen im industriellen Maschinenbau. Da die dortigen Investitionsgüter eine längere Entwicklungsdauer als Konsumgüter aufweisen, sichert dieser Zeitabstand die Präsentation wesentlicher technischer Fortschritte.[1]
Technologischer Wandel
Mit dem Aufkommen des Desktop-Publishing und der Marktreife von Digitaldrucksystemen in den 1990er Jahren veränderte sich der Charakter der Messe grundlegend. Die mechanischen Lösungen des klassischen Buch- und Offsetdrucks wurden zunehmend durch softwaregesteuerte Prozesse ergänzt. Integrierte digitale Arbeitsabläufe rückten in den Mittelpunkt der Ausstellungen.[4]
In den 2000er Jahren erweiterte die Messe ihr Spektrum um industrielle Anwendungen. Hierzu zählen der Funktionale Druck für die Herstellung gedruckter Elektronik sowie spezielle Verfahren für dekorative Oberflächen in der Möbel- und Automobilindustrie.[6] Diese Entwicklung markierte den Übergang von einer reinen Schau des Maschinenbaus hin zu einer umfassenden Technologieplattform.[7]
Pandemie und Neuausrichtung
Nach der Ausgabe 2016 war zunächst ein Wechsel in einen Drei-Jahres-Rhythmus geplant, was jedoch noch während der Veranstaltung zugunsten des Vier-Jahres-Turnus revidiert wurde.[8] Die für das Jahr 2020 geplante Ausgabe musste aufgrund der weltweiten COVID-19-Pandemie mehrfach verschoben und schließlich als physische Veranstaltung abgesagt werden.[9] Als Ersatz diente im Jahr 2021 die virtual.drupa, ein rein digitales Format zur Aufrechterhaltung des Wissensaustausches.[10][3]
Die Rückkehr zur Präsenzveranstaltung im Mai 2024 erfolgte nach einer achtjährigen Unterbrechung. Diese Ausgabe verdeutlichte die fortgeschrittene Durchdringung der Branche durch die Digitalisierung. Schwerpunkte bildeten die industrielle Nutzung Künstlicher Intelligenz sowie Strategien zur Nachhaltigkeit.[11]
Aktuellere Entwicklungen
Für die Ausgabe im Jahr 2028 kündigte der Veranstalter eine Verkürzung der Messedauer von elf auf neun Tage an.[12] Die Anpassung wird mit veränderten Besuchs- und Entscheidungsstrukturen in der Branche begründet, die zunehmend auf kürzere und gezieltere Messeaufenthalte ausgerichtet sind.[13]
Inhaltlich rückt die Veranstaltung ihre Funktion als branchenübergreifende Plattform stärker in den Vordergrund. Im Mittelpunkt stehen Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie die stärkere Einbindung neuer Zielgruppen, insbesondere von Markenartiklern (Brand Ownern) und der Kreativwirtschaft. Thematisch greift die Messe zentrale Entwicklungsfelder der Branche auf, darunter Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik, digitale Vernetzung sowie nachhaltige Produktionsprozesse.[14]
Konzept
Zielgruppe
Die drupa ist als reine Fachmesse konzipiert. Sie richtet sich an ein internationales Publikum entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Druck- und Verpackungsindustrie. Zu den Besuchern zählen insbesondere Führungskräfte aus Druckereien und Verpackungsunternehmen sowie Fachleute aus Verlagen, der Werbewirtschaft, der Kreativbranche und angrenzenden Industrien.[15]
Ein wesentliches Merkmal ist die hohe Entscheidungskompetenz der Teilnehmenden. In der jüngeren Vergangenheit gehörten regelmäßig über drei Viertel der Besucher dem mittleren und oberen Management an.[16][17] Ein Großteil der Fachbesucher reist mit konkreten Investitionsabsichten an, was die Messe zu einem Indikator für die Lage des globalen Druckmarkts macht.[7]
Schwerpunkte
Die inhaltliche Ausrichtung der drupa orientiert sich an zentralen industriellen Megatrends der Druck- und Verpackungsbranche. Dazu zählen insbesondere die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen im Sinne vernetzter, datenbasierter Wertschöpfungssysteme („Print 4.0“). In diesem Zusammenhang gewinnen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik und intelligente Workflows an Bedeutung, etwa in der Produktionssteuerung, der Qualitätskontrolle und der vorausschauenden Wartung.[18][11]
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der nachhaltigen Transformation der Branche. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz, die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftskonzepten sowie der Einsatz umweltverträglicher Materialien und Verfahren mit dem Ziel, die ökologischen Auswirkungen der Print- und Verpackungsproduktion zu verringern.[19]
Mit der strategischen Neuausrichtung zur drupa 2028 soll diese thematische Struktur in eine stärker besucher- und anwendungsorientierte Gliederung überführt werden. Die Messe ist dann in vier thematische Bereiche („Cluster“) unterteilt: „grow“ bündelt Lösungen und Technologien mit Fokus auf industrielle Anwendungen, Automatisierung und Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette. „create“ richtet sich insbesondere an Markenartikler und die Kreativwirtschaft und thematisiert die Rolle von Print und Verpackung in Markenkommunikation und Produktgestaltung. „learn“ umfasst Angebote zum Wissenstransfer, etwa zu technologischen, regulatorischen und nachhaltigkeitsbezogenen Fragestellungen. Der Bereich „play“ dient der interaktiven Vermittlung von Innovationen sowie der Vernetzung innerhalb der Branche.[14]
Angebotsspektrum
Das Angebot der Aussteller reicht von der Druckvorstufe über das Datenmanagement bis hin zu den verschiedenen Drucktechnologien wie Offset-, Flexo-, Tief- und Digitaldruck. Ein stetig wachsender Bereich umfasst die Weiterverarbeitung, die Buchbinderei und die Konvertierung von Verpackungen.[1]
Neben den internationalen Marktführern des Maschinenbaus beteiligen sich zahlreiche Anbieter von Verbrauchsmaterialien. Hierzu zählen Spezialpapiere, Druckfarben und Lacke. Softwareunternehmen, die Lösungen für die Automatisierung und die vernetzte Produktion entwickeln, nehmen einen zunehmend prominenten Platz ein.[11]
Sonderforen
Bei den bisherigen Ausgaben wurde die Ausstellung durch verschiedene Foren ergänzt, die den fachlichen Dialog vertieften. Als zentrale Konferenzplattform diente bis einschließlich der Ausgabe 2024 der drupa cube, in dem Managementstrategien und globale Wirtschaftstrends erörtert wurden. Das Forum drupa next age widmete sich Innovationen von Unternehmensgründern und der Förderung von Nachwuchskräften.[15]
Themenspezifische Schwerpunkte wurden in spezialisierten Bereichen gesetzt, die als Touchpoints bezeichnet wurden. Der touchpoint packaging befasste sich mit der Zukunft der Verpackung unter Einbeziehung von Markenherstellern und Designern. Im touchpoint textile wurden Potenziale des digitalen Textildrucks und vernetzte Produktionsketten aufgezeigt, während sich der touchpoint sustainability mit der Rolle der Industrie in der nachhaltigen Transformation befasste.[15][19]
Im Zuge der für die Ausgabe 2028 angekündigten Neuausrichtung soll das begleitende Programm in die vier thematischen Cluster überführt werden.[14]
Statistiken

Die Teilnehmerstatistiken der drupa spiegeln strukturelle Veränderungen innerhalb der Druck- und Verpackungsindustrie wider. Unternehmen entsenden zunehmend kleinere Delegationen und konzentrieren sich verstärkt auf Führungskräfte mit hoher Entscheidungskompetenz.[16]
Während die Messe im Jahr 2012 noch rund 314.000 Besucher verzeichnete, sank diese Zahl bei der Ausgabe im Jahr 2016 auf etwa 260.000.[7][16] Die Veranstaltung im Jahr 2024 erreichte rund 170.000 Fachbesucher und spiegelt damit auch die veränderten Rahmenbedingungen nach der achtjährigen Unterbrechung wider.[20]
Trotz des Rückgangs der absoluten Zahlen stieg die Internationalität und erreichte zuletzt einen Wert von 80 Prozent.[15] Die Zahl der Aussteller lag mit 1.643 Unternehmen aus 52 Nationen im Jahr 2024 unter dem Wert des Jahres 2016 (1.828 Aussteller).[20][2]
Die Ausstellungsfläche erstreckt sich über das gesamte Gelände der Messe Düsseldorf. Mit 18 belegten Hallen ist die drupa die flächenmäßig größte Veranstaltung am Standort.[15]
| Jahr | Ausstellungsfläche in m² | Besucher aus Ländern | Aussteller aus Ländern | Highlights | Präsident |
|---|---|---|---|---|---|
| 1951 | 18.450 | 195.185 | 527 aus 10 | „Original Heidelberger Tiegel“ mit 5000 Druckbogen pro Stunde | Hubert Sternberg |
| 1954 | 35.000 | 226.388 | 764 aus 13 | Klischee-Graviermaschine | Hubert Sternberg |
| 1958 | 43.000 | 185.936 | 688 aus 13 | Fotosatz | Hubert Sternberg |
| 1962 | 48.000 | 180.483 | 678 aus 16 | Offsetdruck | Hubert Sternberg |
| 1967 | 57.785 | 214.694 | 945 aus 19 | Kreuzleger | Hubert Sternberg |
| 1972 | 100.789 | 268.713 | 958 aus 27 | Kleinoffsetdruck mit 8000 Bogen pro Stunde | Kurt Werner |
| 1977 | 99.639 | 284.806 | 1108 aus 22 | UV-härtende Farbsysteme | Kurt Werner |
| 1982 | 104.291 | 293.059 | 1275 aus 29 | Rollenoffsetdruck | Kurt Werner |
| 1986 | 122.711 | 373.656 | 1465 aus 33 | Datenaustausch | Kurt Werner |
| 1990 | 126.811 | 444.214 | 1760 aus 36 | Volldigitalisierte Maschinen und Sekundärsysteme | Kurt Werner |
| 1995 | 142.056 | 385.098 | 1670 aus 44 | Computer to Plate | Hans-Bernhard Bolza-Schünemann |
| 2000 | 158.875 | 428.248 aus 171 | 1943 aus 50 | Komplexe „Lösungsanbieter“ | Albrecht Bolza-Schünemann |
| 2004 | 161.000 | 394.478 aus 127 | 1866 aus 52 | Vernetzung, Book-on-Demand | Albrecht Bolza-Schünemann |
| 2008 | 175.272 | 389.993 | 1968 aus 53 | Digitale Technologien, Großformatmaschinen | Albrecht Bolza-Schünemann |
| 2012 | 165.159 | 314.500 | 1850 aus 52 | Hybrid-Technologie, Nano ink, Printed electronics | Bernhard Schreier[21] |
| 2016 | 157.911 | 260.000 aus 188 | 1837 aus 54 | Druckindustrie 4.0, Inkjetdruckmaschinen | Claus Bolza-Schünemann[22] |
| 2024 | – | 165.551 aus 174 | 1.643 aus 52 | Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik | Andreas Pleßke[20][15] |
Netzwerk
Zur Erweiterung ihrer internationalen Reichweite nutzt die Messe Düsseldorf das Netzwerk der drupa alliance, das Fachmessen in verschiedenen Wachstumsregionen bündelt. Ziel ist es, zentrale Themen und Technologien der drupa in regionale Märkte zu übertragen und dabei spezifische Anforderungen vor Ort zu berücksichtigen.[23]
Zu den Veranstaltungen in Asien zählen unter anderem die All in Print China in Shanghai, die Pack Print International in Bangkok sowie die Pack Print Plas Philippines in Manila. In der Region Nahost und Nordafrika ist das Netzwerk unter anderem mit der Saudi Print and Pack in Riad und der Printpack Alger in Algier vertreten.[23][24] Ergänzt wird das Portfolio durch die jährlich in Düsseldorf ausgerichtete Print & Digital Convention, die als Kongress- und Eventformat den interdisziplinären Austausch zu digitalen Anwendungen, Marketingtechnologien und neuen Geschäftsmodellen fördert.[25]
Durch diese internationale und ganzjährige Ausrichtung wird die globale Vernetzung der Branche unterstützt, während der Standort Düsseldorf der zentrale Treffpunkt der vierjährlich stattfindenden drupa bleibt.[23]