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Durchschnittskosteneffekt

Effekt, der bei der regelmäßigen Anlage gleich bleibender Beträge in Wertpapiere entstehen soll From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Durchschnittskosteneffekt (englisch cost average effect oder dollar cost averagingDCA) ermöglicht den Kauf von Wertpapieren zu durchschnittlichen Marktpreisen, indem regelmäßig ein gleich hoher Betrag angelegt wird.

Indem über einen längeren Zeitraum regelmäßig die gleiche Summe in die gleiche Auswahl von Wertpapieren investiert wird, führen die Wertschwankungen dazu, dass der Anleger seine Anteile bei gleich bleibenden Raten etwas günstiger erhält, als wenn er regelmäßig zu unterschiedlich hohen Preisen eine gleich bleibende Menge von Anteilen kauft. Denn bei hohen Anteilspreisen werden automatisch weniger Anteile gekauft, bei niedrigen Anteilspreisen entsprechend mehr. Dadurch wird je Anteil eines Wertpapiers das harmonische Mittel der Kurse bezahlt. Dieses liegt in der Regel unter dem arithmetischen Mittel, das bei regelmäßigem Kauf gleicher Stückzahlen bezahlt würde.

Vorteile des Durchschnittskosteneffekts:

  • Bei einem Finanzinstitut kann ein Sparplan abgeschlossen werden, durch den z. B. einmal pro Monat der gleiche Betrag in Wertpapieren angelegt wird. Die Geldanlage erfolgt automatisch und erfordert keinen weiteren Aufwand.
  • Marktlage und Kursentwicklung brauchen nicht beobachtet werden, da man auf lange Sicht immer zu einem durchschnittlichen Preis kauft.
  • Es gelingt nur wenigen erfahrenen Anlegern, Wertpapiere dauerhaft zu niedrigen Preisen zu kaufen und zu hohen Preisen zu verkaufen. Einem durchschnittlichen Geldanleger verhilft die passive Geldanlage über einen fixen Sparplan fast immer zu besseren Ergebnissen, als der Versuch durch aktiven Handel geeignete Zeitpunkte zum Kauf und Verkauf bestimmter Wertpapiere zu finden (Market Timing). Dies wird psychologischen Effekten zugeschrieben, die zu irrationalen Entscheidungen führen.[1]

Nachteile:

  • Noch bessere Ergebnisse als der Durchschnittskosteneffekt erzielt ein auf festen Regeln basierender wiederkehrender Kauf von Wertpapieren, der vornehmlich bei niedrigen Preisen erfolgt (sowie gegebenenfalls Verkäufe, die tendenziell bei höheren Preisen erfolgen), sofern dabei psychologische Effekte ausgeschlossen werden. Wenn dabei in regelmäßigen Abständen die Wertentwicklung der zuvor gekauften Wertpapiere betrachtet und allein dies als Grundlage für Käufe oder Verkäufe der stets gleichen Wertpapiere dient, profitiert man vom Value average effect (deutsch etwa Durchschnittswerteffekt).[2]
  • Sofern ein Einmalbetrag zur Verfügung steht, ist es aus statistischer Sicht günstiger, diesen sofort anzulegen, als den Betrag in Raten aufzuteilen, die nach und nach eingesetzt werden. Über einen längeren Zeitraum gesehen steigen die Märkte immer, so dass man einen Teil des Wertzuwachses verpasst, wenn man den Betrag nicht sofort anlegt.[3][4][5]

Wirkung auf den Anleger

Die Vorteile einer Anwendung des Durchschnittskosteneffektes liegen neben dem Ausschalten des Markt-Timing in der finanziellen Disziplin und dem Effekt, dass fallende Kursen als weniger schlimm wahrgenommen werden, da man beim regelmäßigen Kauf auch davon profitiert.

Der Durchschnittskosteneffekt nimmt mit zunehmender Laufzeit des Sparplans ab, da sich im Verlauf des Ansparens immer mehr Kapital ansammelt und die einzelne Rate einen immer kleiner werdenden Anteil dieses Kapitals ausmacht. Das heißt, das angesparte Vermögen verhält sich immer mehr so, als hätte man einmalig den Gesamtbetrag angelegt.[6]

Vergleich mit Einmalanlage

Der US-amerikanische Finanzbuchautor Larry Swedroe weist darauf hin, dass die akademische Literatur den Durchschnittskosteneffekt schon seit 1979 als unterlegene Strategie im Vergleich zur sofortigen Vollinvestition betrachtet.[7]

Einige Kritiker des Durchschnittskosteneffekts führen an, dass es sich dabei auch um ein Verkaufsargument handeln kann. Es solle bei Sparern die Hemmschwelle senken und sie dazu verleiten, durch die automatische (monatliche) Anlage langfristig größere Beträge zu investieren, als sie es sonst bei einer Einmalanlage getan hätten.[8][9]

Empirische Untersuchungen

Die finanzökonomische Forschung kommt zu dem Schluss, dass der Durchschnittskosteneffekt die durchschnittliche Rendite gegenüber einer Einmalanlage nicht erhöht.[3][10][11][12][4]

George M. Constantinides zeigte, dass der Durchschnittskosteneffekt logisch inkonsistent ist und ein rationaler Investor immer die Einmalanlage bevorzugen solle.[3]

Michael S. Rozeff simulierte verschiedene Szenarien und demonstrierte, dass die Einmalanlage die überlegenere Anlagestrategie gegenüber dem Durchschnittskosteneffekt ist.[10]

2012 hat eine Vanguard-Studie gezeigt, dass die Anlage eines Einmalbetrags im Durchschnitt 64 % über sechs Monate und 92 % über 36 Monate eine höhere Rendite erzielte, als eine verteilte, regelmäßige Geldanlage. Die Autoren empfehlen daher für eine maximale Rendite die direkte Anlage des Einmalbetrags. Für Anleger, die kognitiven Verzerrungen wie dem Rückschaufehler unterliegen, kann der Durchschnittskosteneffekt jedoch eine Alternative darstellen.[4]

Forschungsergebnisse der Verhaltensökonomik weisen darauf hin, dass Investmentstrategien, die den Durchschnittskosteneffekt nutzen, Anlegern helfen können einen großen Einmalbetrag anzulegen.[13] Viele Anleger würden nämlich keinesfalls hohe Beträge auf einmal investieren, da sie verschiedene kognitive Verzerrungen aufwiesen. Daher könnte der Durchschnittskosteneffekt helfen, die Opportunitätskosten zu senken.[14]

Negativer Durchschnittskosteneffekt

In der Anlageberatung wird auch der Begriff negativer Durchschnittskosteneffekt verwendet (englisch negative cost average effect). Gemeint ist hier, dass sich bei einem Entnahmeplan aus einem existierenden Depot mit konstanten Auszahlungen methodische Nachteile gegenüber einem Verkauf von einer konstanten Anzahl von Anteilen ergeben.

Der negative Durchschnittskosteneffekt beruht auch auf dem Unterschied zwischen arithmetischem und harmonischem Mittelwert. In der Praxis ist ein Vergleich nicht möglich, weil bei einem Entnahmeplan mit konstanter Auszahlung nicht vorhergesagt werden kann, wie lange es dauert, bis das Depot verbraucht ist. Die Berechnung ist nur für die Vergangenheit möglich und liefert so keine Aussage über künftige Renditen.

Literatur

Einzelnachweise

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