EOS Gruppe

Inkassounternehmen, Finanzdienstleistungen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die EOS Holding GmbH ist die Konzernobergesellschaft der EOS-Gruppe, einem Finanzdienstleister mit Sitz in Hamburg und Standorten in 24 Ländern. Schwerpunkt ist das Forderungsmanagement einschließlich Forderungskauf und Inkasso. Die Gruppe gehört zur Otto Group.

Schnelle Fakten
EOS Holding GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Sitz Hamburg, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Marwin Ramcke, CEO
  • Eva Griewel, CFO
  • Stephan Ohlmeyer
  • Sebastian Pollmer
  • Carsten Tidow
Mitarbeiterzahl 6.117 (2023/24)
Umsatz 1053,3 Mio. Euro (2024/25)
Branche Inkasso, Finanzdienstleister
Website www.eos-solutions.com
Stand: 28. Februar 2025
Schließen

Geschichte

Von der Gründung bis zur Jahrtausendwende

Keimzelle war die 1974 gegründete Mercator-Inkasso GmbH & Co. KG, eine Ausgründung aus der Rechtsabteilung des Otto-Versand (heute: OTTO). Der Versandhändler hielt damals 75 Prozent der Anteile.[1] Im Jahr darauf firmierte das Unternehmen um und nannte sich Deutscher Inkasso-Dienst (DID), um Verwechslungen mit einem Wettbewerber zu vermeiden.[2] Das Unternehmen entwickelte sich nach Angaben des Otto-Versand rasch zu einem der größten Inkasso-Unternehmen der Bundesrepublik. Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit war der Einzug offener Forderungen für den Konzern, zugleich betätigte sich der DID auch für konzernfremde Unternehmen.[3] Der Dienstleister setzte frühzeitig auf intensiven Schriftverkehr, Telefonate mit säumigen Zahlern, den Einsatz von EDV, einen eigenen Außendienst, das Vorantreiben außergerichtlicher Einigungen und die Akquisition konzernfremder Mandate.[4][5]

1981 gründete der DID die Euro Incasso-Dienst B.V., eine 100-prozentige Tochtergesellschaft mit Sitz im niederländischen Tilburg.[6] 1987 überstieg die Summe der bearbeiteten Forderungen („bearbeitetes Geschäftsvolumen“) 1 Milliarde DM.[7] Mit dem Kauf der Debita AG betrat der DID 1988 den Schweizer Markt.[8] Ab Mitte der 1980er Jahre begann das Unternehmen, notleidende Kredite von Banken aufzukaufen.[9]

In Österreich gründete der DID 1990 den ÖID Inkasso Dienst Gesellschaft m.b.H. (mit Sitz in Wien), an der er 50 Prozent der Anteile hielt.[10] Innerhalb Deutschlands erwarb der DID 1990 die Frankfurter Inkasso GmbH[10] und 1992 die im Genossenschaftswesen aktive Argus Inkasso GmbH (Sitz: Frankfurt am Main).[11] Der Markteinstieg in Großbritannien erfolgte 1993 durch den Erwerb der Collection Agencies PLC (Edinburgh) und der Logic Group PLC (Newcastle);[12] beide Unternehmen verschmolzen acht Jahre darauf.[13] 1993 lag die Zahl der Mitarbeiter im In- und Ausland bei 1.100. Ein Jahr später erwarb der DID die Mehrheit an der Zahnärztekasse AG (Schweiz), 1995 dann in Deutschland ein führendes Unternehmen für das Verlagsinkasso, die Wallstab & Co. KG.[14] 1997 fasste das Unternehmen in Deutschland seine Außendienstmitarbeiter in einer eigenen Gesellschaft zusammen, sie firmierte als Deutscher Kredit-Schutz GmbH (heute: EOS Field Services GmbH).[15] Im Jahr darauf gründete das Unternehmen ein Callcenter, die Deutscher Tele Kredit-Schutz GmbH (heute: EOS Serviceline GmbH),[16] und beteiligte sich mit 35 Prozent an der Mercator Inkasso GmbH. Dieses Unternehmen mit Sitz in Kamp-Lintfort war bereits 1933 in Duisburg gegründet worden,[17] seine vollständige Übernahme erfolgte im Geschäftsjahr 2004/05.[18] 1998 beteiligte sich der DID an der Wirtschaftsauskunftei Bürgel.[19] 1999 akquirierte der DID die Kasolvenzia in Bad Rappenau, die in Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen präsent war.[20]

Ab 2000

Im Jahr 2000 entstand CRIF Decisionline, ein Joint Venture mit der italienischen Wirtschaftsauskunftei-Gruppe Crif.[21] Im selben Jahr wurde die EOS Holding gegründet,[22] mit ihr begann die Einführung der Dachmarke EOS.[23][24] EOS betrat den Markt in den USA mit der Übernahme von Collecto, einem 1992 gegründeten Unternehmen.[25] Im Jahr 2002 überstieg die Zahl der Mitarbeiter die Marke von 2.000.[26] 2003 nahm EOS durch eine Kooperation mit einem lokalen Partner in Rumänien die Geschäfte auf.[27] 2004 gründete EOS ein Spezialunternehmen für ärztliches Inkasso, die EOS Health Honorarmanagement AG, die sich im Laufe der nächsten Jahre vor allem als Dienstleister für Zahnarztpraxen etablierte.[28] Im Juli 2005 erwarb EOS die Mehrheit von Europe Matrix Financial Services S.A. und startete damit seine Geschäftstätigkeit in Griechenland, Bulgarien, Mazedonien und Serbien.[29] Zum Ende des Geschäftsjahres 2005/06 überstieg der Umsatz die 200-Millionen-Euro-Grenze (203,8 Mio. €).[30] Das Geschäftsjahr 2007/08 zeichnete sich durch Markteintritte in Russland, China und den Benelux-Ländern aus. Zugleich stieg EOS beim Adressdienstleister Coxulto (Stuttgart) ein.[31][32][33][34] 2008 erwarb EOS Inkasso Arena (Schweiz) und Rochester Credit Center (USA). 2009 folgte der Kauf des spanischen Inkasso-Dienstleisters Acción de Cobro von Banco Pastor.[35][36] Mit Gründung der EOS Matrix d.o.o. stieg das Unternehmen in den kroatischen Markt ein.[37] Durch eine Mehrheitsbeteiligung an der WCF Finetrading AG erweiterte EOS seine Aktivitäten um den Bereich der Wareneinkaufsvorfinanzierung,[38] ein Geschäftsfeld, das 2017 aufgegeben wurde.[39]

Seit Gründung der TOV EOS Ukraine im Jahr 2010 war das Unternehmen auch in der Ukraine vertreten.[40] Seit April 2011 bietet das Unternehmen seine Dienste ebenfalls in Frankreich an, es übernahm das Inkasso-Unternehmen Credirec.[41] Mit der Absicht, in Kanada Fuß zu fassen, erwarb EOS 2011 ferner das Inkasso-Unternehmen Nor-Don Collection, einen Dienstleister für Banken, Energieversorger und Telekommunikationsanbieter.[42] 2013 übernahm EOS die Inkasso-Einheit der spanischen Banco Popular.[43] 2013 kaufte EOS die SAF Forderungsmanagement von der Deutschen Telekom.[44] In diesem Jahr zählten mehr als 50 Unternehmen in mehr als 25 Ländern zur EOS-Gruppe.[45] Im Mai 2015 erwarb EOS die Swisscom-Inkasso-Tochter Alphapay.[46] Ende 2015 veräußerten EOS und Euler Hermes Bürgel an Crif.[47] Seine Marktposition in Frankreich und Belgien stärkte EOS 2016 durch den Kauf von Contentia.[48] Ende 2018 veräußerte die Gruppe die Health AG sowie die Schweizer Zahnärztekasse AG an die österreichische Bankengruppe BAWAG P.S.K.[49] Über eine gemeinnützige Tochter (finlit foundation gGmbH) betätigt sich EOS seit Ende 2019[50] in der finanziellen Allgemeinbildung von Schülern.[51] Ende 2021 wurde EOS Nordamerika an Transworld Systems verkauft.[52] Im Sommer 2022 gründete das Unternehmen eine Tochtergesellschaft in Portugal.[53]

Gegenwart

Kunden und Standorte

Die EOS-Gruppe bietet Finanzdienstleistungen im Bereich Forderungsmanagement an. Die Aktivitäten sind dabei in drei Geschäftsfeldern organisiert: Forderungen von Unternehmen an Unternehmen, Forderungen von Unternehmen an Verbraucher, Immobilienbesicherte Forderungen.[54] Nach eigenen Angaben betreut EOS rund 20.000 Kunden.[55][56] Zu ihnen gehören vor allem Unternehmen des Versand- und des Onlinehandels, des Bankwesens, der Telekommunikationsbranche, Versorger, die Immobilienwirtschaft und die öffentliche Hand.[57] Ende Februar 2023 war das Unternehmen in mehr als 193 Ländern weltweit aktiv, entweder durch eigene Gesellschaften oder Partnerunternehmen.[58]

Kritik

Weil vollstreckbare Titel 30 Jahre gültig sind, gibt es gelegentlich Irritationen darüber, dass auch jahrzehntealte Beträge eingefordert werden. Die von EOS den Schuldnern in Rechnung gestellten Gebühren gelten als sehr hoch.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat im August 2021 eine Musterfeststellungsklage gegen die EOS Investment GmbH vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg eingereicht. Laut Verband erzeuge das Unternehmen durch die Beauftragung des Schwesterunternehmens EOS Deutscher Inkasso-Dienst GmbH, also durch sogenanntes „Konzerninkasso“, überhöhte Kosten zulasten säumiger Verbraucher. Das Unternehmen wies den Vorwurf zurück.[59][60] Das Hanseatische Oberlandesgericht gab der Klage der Verbraucherzentrale am 15. Juni 2023 zunächst statt.[61][62] Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil jedoch am 19. Februar 2025 auf und wies die Klage als unbegründet ab.[63][64]

Weiteres

Datendiebstahl 2017

Im April 2017 gelangten rund 3 GB Daten in Form von 33.000 Dateien der EOS Schweiz AG in die Hände der Süddeutschen Zeitung. Es soll sich unter anderem um sensible und illegal geführte Personendaten wie Krankenakten, Briefwechsel und Kreditkartenabrechnungen mit Namen von Gläubigern und Schuldnern, deren Meldeadressen und Angaben über die Höhe ausstehender Forderungen gehandelt haben. Die Zeitung gab an, sie habe die Daten von einem Informanten erhalten. Dieser habe wiederum mitgeteilt, sie seien von Hackern erbeutet worden, die eine Schwachstelle in der Serversoftware genutzt hätten. EOS schloss die Sicherheitslücke und kündigte eine Revision der Abläufe an.[65][66][67][68]

Interessenvertretung in Verbänden

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI