ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi

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Die ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH (ESF, in der Außendarstellung Feralpi Stahl) ist ein sächsisches Unternehmen, das Stahlerzeugnisse für die Bauindustrie produziert. Es gehört zur italienischen Feralpi Group. Die im Riesaer Stahlwerk produzierte Menge an Stahlerzeugnissen liegt bei rund 1 Million Tonnen.[3]

Schnelle Fakten
ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1992
Sitz Riesa, Deutschland
Leitung Giuseppe Pasini (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl 900[1]
Umsatz 603,5 Mio. Euro[2]
Branche Stahlindustrie
Website www.feralpi-stahl.com
Stand: 31. Dezember 2024
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Luftbild vom Betriebsgelände der ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH
Die fünfsträngige Stranggussanlage der ESF

Das Unternehmen produziert seinen Elektrostahl ausschließlich aus Stahlschrott und leistet damit einen Beitrag zum Recyclingkreislauf. Neben den Anlagen zur Rohstahlerzeugung betreibt Feralpi ein Warm-Walzwerk, in dem Stranggussknüppel zu Stabstahl und Walzdraht weiterverarbeitet werden.[4] Auch Betonstahlmatten, Abstandshalter und Bewehrungselemente gehören zum Produktportfolio des Unternehmens.[5] Im Mai 2025 nahm Feralpi Stahl ein klimafreundliches, im Scope 1 emissionsfreies Spooler-Walzwerk in Betrieb, das Knüppel mit direkter Anbindung an die Stranggussanlage verarbeiten kann.[6]

Geschichte

Die Geschichte der Riesaer Stahlproduktion lässt sich bis ins Jahr 1725 zurückverfolgen, als erstmals Eisen und Stahl in der Stadt an der Elbe hergestellt wurde. 1843 gründeten die Brüder Alexander und Heinrich Schönberg ein Eisenwerk auf der Gröbaer Flur für die Fertigung von Puddeleisen und 1888 kam das Siemens-Martin-Verfahren in der Stadt erstmals zum Einsatz. Aus ökonomischen Gründen wurde es ab Ende der 1950er-Jahre in den westlichen Industrieländern Europas nicht mehr eingesetzt, in Riesa jedoch noch bis kurz nach der Wende. Der letzte Abstich erfolgte im April 1991.[7]

Das heutige Riesaer Stahlwerk befindet sich auf dem Gelände, auf dem zu DDR-Zeiten im volkseigenen Betrieb Rohrkombinat Riesa (ROK) – und mit dem VEB Stahl- und Walzwerk Riesa als Stammbetrieb – Stahl hergestellt wurde. Zu der Zeit waren bis 12.000 Menschen im Werk beschäftigt. Nach der Wende wurde das Stahlwerk bis auf die Grundmauern zurückgebaut. Über den Verkauf des Schrotts entstand der Kontakt zu dem italienischen Stahlproduzenten Feralpi, der Anfang 1992 die Firma ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH gründete und kurz darauf 23 Hektar des alten Stahlwerksgeländes erwarb, um anschließend mit den Bauarbeiten zu beginnen. Zudem bekamen die Italiener von der damaligen Treuhandanstalt Auflagen bezüglich der anzustrebenden Mitarbeiterzahl und Produktionsmenge. Direkt von Anfang setzte man auf den Lichtbogenofen, der rund 80 Prozent weniger CO2 emittiert als ein Hochofen in einem integrierten Hüttenwerk.[7][8]

Nach einem Antrag im Sommer 2020 wurde die unmittelbar östlich angrenzende EDF Elbe-Drahtwerke Feralpi GmbH auf die ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH verschmolzen. Dabei wurde auch das südöstlich angrenzende Betriebsgelände in das Werksgelände eingegliedert.[9] Im Juli 2022 erfolgte auf einem Teil des östlichen Werksgeländes der erste Spatenstich für ein neues zweites Spooler-Walzwerk, das die Produktionsmenge erhöhen und den CO₂-Fußabdruck weiter reduzieren soll.[10] Die Erwärmung der Knüppel im Walzwerk geschieht mit Induktion und ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe. Ein 300 Meter langer Heißbeschickungs-Rollgang verbindet das neue Walzwerk direkt mit der bestehenden Stranggussanlage. Diese kontinuierliche Heißführung wird elektrisch betrieben und vermeidet so direkte CO2-Emissionen.[11] Zudem ist mit der Maßnahme ein Ausbau der Arbeitsplätze angestrebt.[8][12] Im Mai 2025 fand die offizielle Eröffnung des neuen Spooler-Walzwerks statt.[6] Für die Detailplanung nutzte Feralpi Stahl einen digitalen Zwilling, der im Elbedome des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung visualisiert wurde und im Anschluss für die Unterstützung der Instandhaltung gedacht ist.[13] Im November 2022 begann der Bau eines neuen Umspannwerks, das eine der weltweit größten Anlagen dieser Art in einem Stahlwerk sein soll und bei dem ein neuartiges Isolationskonzept zum Verzicht auf das Treibhausgas Schwefelhexafluorid (SF6) führt.[14][15] Im September 2023 erfolgte die Inbetriebnahme der ersten Phase der neuen Schrottaufbereitung im Stahlwerk. Zu der Maßnahme, in die bis zu diesem Zeitpunkt knapp 20 Millionen Euro und zwei Jahre Zeit investiert waren, gehört unter anderem eine Einhausung, um Lärm und Emissionen zu reduzieren. Ansonsten soll die Anlage eine effektivere Aufarbeitung des Schrotts und nach Abschluss von Stufe zwei und drei einen vollständig automatisierten Prozess zur Beschickung des Elektrolichtbogenofens ermöglichen.[16] Die Investitionen in das Riesaer Elektrostahlwerk beliefen sich laut Unternehmensangaben auf über 220 Millionen Euro.[3]

Umweltschutz

Seit dem Jahr 2006 veröffentlicht das Unternehmen Umweltberichte, später hat sich das Werk dem EU-Öko-Audit EMAS unterworfen und trägt das Siegel seit 2012 ohne Unterbrechungen.[17][18] Seit mindestens 2013 ist das Stahlwerk auch Teil der Umwelt- und Klimaallianz Sachsen und hat die Mitgliedschaft darin Ende 2023 um weitere drei Jahre verlängert.[19] 2018 wurde Feralpi Stahl zudem in die „Exzellenzinitiative Klimaschutz-Unternehmen“ aufgenommen.[20] Die wichtigsten Produktionskennzahlen und Aussagen zu den wesentlichen Emissionen sowie zum Ressourceneinsatz veröffentlicht Feralpi in einer jährlichen Umwelterklärung.[21]

Nach erheblichen Ausbesserungen durch Feralpi Stahl gehört das Werk heute zu den modernsten Stahlwerken Europas. Die verwendete Technologie in den Entstaubungsanlagen filtert nahezu 100 Prozent der Staubemissionen sowie der Emissionen von Dioxinen, Furanen und PCB. Sie gilt mit Stand Oktober 2020 als die beste verfügbare Technik (BVT) zur effektiven Abgasreinigung in Elektrostahlwerken und wurde, neben anderen, als Referenz in der BREF-Liste der EU für die Eisen- und Stahlindustrie benannt.[22] Darüber hinaus nutzt Feralpi Stahl die bei der Stahlproduktion entstehende Abwärme, um Dampf zu erzeugen, welcher entweder mit Hilfe einer Dampftrasse an die Riesaer Stadtwerke sowie das Reifenwerk von Goodyear geliefert oder zur Stromerzeugung für den Eigenbedarf eingesetzt wird. Für diese Lösung erhielt Feralpi Stahl 2013 den Sächsischen Umweltpreis.[23][24]

Der Betonstahl hat einen Mindestanteil an recycelten, wiederverwerteten und Nebenprodukten von über 98 Prozent.[25] Im neuen Umspannwerk entspricht der Verzicht auf SF6 einer Reduzierung der CO2-Emissionen von 35.000 Tonnen.[26]

Im Ranking „Europe’s Climate Leaders“ der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times und des Statistikdienstleisters Statista gehörte die Feralpi Group 2022 und 2023 zu den 500 europäischen Unternehmen, die in den fünf Jahren zuvor ihre Treibhausgasemissionen im Verhältnis zum Umsatz am stärksten reduziert haben.[27][28] Ende 2022 erhielt das Unternehmen vom Stahlverbund Phoenix der Nordwest Handel AG, Europas größtem Verband mittelständischer Stahlhändler, den Nachhaltigkeitspreis.[29] Seit 2024 sind die Ziele der Muttergesellschaft – und damit auch für den Standort Riesa – zur Reduktion von CO₂-Emissionen und anderen klimarelevanten Gasen seitens der Science Based Targets initiative (SBTi) bis 2030 validiert.[30]

Produkte und Märkte

Das Produktspektrum umfasst unter anderem Betonstahl in Stäben und Coils, Betonstahlmatten, Abstandhalter sowie verschiedene Bewehrungselemente. Die Inbetriebnahme des neuen, im Scope 1 emissionsfreien Spooler-Walzwerk im Mai 2025 erweiterte das Angebot um sogenannte Spooler-Coils mit einem Gewicht von 2,5 bis 8 Tonnen und Abmessungen von 8 bis 25 Millimetern.[31] Das Unternehmen beliefert vorwiegend den deutschsprachigen Raum sowie osteuropäische Länder.[32] Die Produkte werden vor allem im Hoch- und Infrastrukturbau sowie über den Baustahlhandel eingesetzt.

Engagement

Von 1926 bis 1945 war der Stahlstandort Riesa Teil des Stahlhütten-Konglomerats Mitteldeutsche Stahlwerke. Obwohl das 1992 neu gegründete und aufgebaute Unternehmen ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi kein juristischer Nachfolger ist, wurde im Mai 2025 eine Stolperschwelle verlegt, um an die 3000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen zu erinnern, die während der NS-Zeit in Riesa arbeiten mussten.[33][34]

Darüber hinaus engagiert sich Feralpi Stahl vor Ort. So ist das Unternehmen beispielsweise Hauptsponsor der BSG Stahl Riesa[35] und Namensgeber des Fußballstadions (Feralpi-Arena).[36] Zudem veranstaltet Feralpi Stahl im Park von Schloss Gröba das Familienfest „Bella Gröba“, das im Jahr 2023 rund 3000 Besucher anzog.[37]

Siehe auch

Commons: ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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