EURO Kartensysteme
Unternehmen im Bereich des kartengestützten Zahlungsverkehrs
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Die EURO Kartensysteme GmbH (Abkürzung EKS) ist ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft und übernimmt verschiedene Aufgaben im Bereich des kartengestützten Zahlungsverkehrs im gemeinsamen Interesse der deutschen Banken und Sparkassen. Die EKS ist Scheme-Manager der girocard und übernimmt Produktsteuerung, Vertrieb, Administration, Kommunikation, Sicherheitsstandards sowie die Verwaltung von Mastercard-Lizenzen.[2]
| EURO Kartensysteme GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1982 |
| Sitz | Frankfurt am Main |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 57 (2024)[1] |
| Branche | Finanzmarketing |
| Website | eurokartensysteme.de |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Das girocard-System ist das Debitsystem der deutschen Banken und Sparkassen und mit rund 100 Millionen Karten das am weitesten verbreitete elektronische Bezahlsystem in Deutschland.[3]
Aufgaben und Geschäftsfelder
Die EKS übernimmt Aufgaben im gemeinschaftlichen Interesse der Deutschen Kreditwirtschaft im Bereich des kartengestützten Zahlungsverkehrs. Die Gesellschaft versteht sich als Netzwerk und Interessenvertretung mit dem Ziel, bargeldloses Bezahlen stärker voranzutreiben.[4] Zu diesem Zweck berät sie kreditwirtschaftliche Verbände, Institute, Kartenorganisationen und Partner im Bereich des Kartengeschäfts zu Kredit- und Debitkarten, insbesondere dem girocard-System.[2][5][6]
Die EKS ist auf drei verschiedene Geschäftsfelder ausgerichtet: girocard-Scheme-Management, Sicherheitsmanagement und Lizenzmanagement:
girocard-Scheme-Management
Der Geschäftsbereich Scheme Management des girocard-Systems ist insbesondere für die strategische Weiterentwicklung und die Produktplanung zuständig. Dazu zählen unter anderem die Ausweitung von Anwendungsbereichen, die Einführung neuer Technologien und Funktionen sowie die Begleitung ihrer Implementierung. Zum Aufgabenbereich gehören außerdem das Regulierungs- und Lizenzmanagement, einschließlich der Vertretung in nationalen und internationalen Gremien sowie der Unterstützung bei Durchführung von Vertrags- und Zulassungsverfahren. Darüber hinaus koordiniert die Gesellschaft die Vertriebs- und Kommunikationsmaßnahmen, wozu die Planung und Umsetzung von Informations- und Öffentlichkeitsarbeit gehört.[7][8]
Im Rahmen des Projekts Girocard 4.0 wird das Zahlungssystem der Deutschen Kreditwirtschaft um Funktionen wie In-App-Zahlungen,[9] Integration von Wallet-Anwendungen und Kundenbindungsprogrammen, zum Beispiel Kooperationen mit Payback[10] erweitert.[11][12] Seit 2023 erprobt die EKS im Rahmen von Girocard 4.0 eine digitale Altersverifikation, die Altersprüfungen beim Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch ermöglicht.[11]
Sicherheitsmanagement
Im Bereich Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten arbeitet die EKS an der Bekämpfung und Prävention von Kartenmissbrauch durch Wissensvermittlung, Erfahrungsaustausch, Kooperation und Vernetzung. Dazu gehören Aktivitäten sowohl in Fachkreisen (z. B. Fachtagungen und Arbeitskreise), als auch Aufklärung der Bürger (z. B. als Mitinitiator für den Sperrnotruf 116 116 und das zentrale Informationsportal kartensicherheit.de).[13] Mit EKS-Net betreibt die EKS ein onlinegestütztes System zur Erfassung, Bearbeitung und Prävention der Debitkartenschäden für über 1.500 Banken und Sparkassen.[14]
Außerdem veröffentlicht die EKS regelmäßig aktuelle Debit-Schadenszahlen.[15][16]
Lizenzmanagement
Die EKS ist Principal Member von Mastercard International und vergibt über den Geschäftsbereich Lizenzmanagement Unterlizenzen an deutsche Banken und Sparkassen. Diese berechtigen zur Ausgabe von Mastercard-Produkten und zur Abwicklung von Kartenzahlungen.[1]
Geschichte
Die Ursprünge der EKS liegen in der 1982 gegründeten Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS mbH). Diese entstand durch die Zusammenführung der Eurocard Deutschland und der Deutschen Eurocheque-Zentrale. Mitte der Neunzigerjahre hatte das Unternehmen ca. 1.400 Mitarbeiter. 1997 wurden die verschiedenen Geschäftsbereiche der GZS unternehmerisch getrennt. Der „Stamm“ der GZS wurde zur EURO Kartensysteme, EUROCARD und eurocheque GmbH. Der abgespaltene Processing-Bereich nutzte weiter den Namen GZS.[17]
Im Jahr 2003 schloss EKS eine Neustrukturierung ab: Nach der Fusion von Europay International und Mastercard International richtete sich das Unternehmen auf die Kartenemission für Banken und Sparkassen sowie auf die Interessenvertretung deutscher Institute in Mastercard-Gremien aus; parallel wurde die Concardis GmbH als Dienstleistungsunternehmen im bargeldlosen Zahlungsverkehr neu gegründet.[18]
Im selben Jahr wurde der Firmenname in EURO Kartensysteme GmbH geändert. Gleichzeitig kam es zu einer Neugliederung der Aufgabenbereiche des Gemeinschaftsunternehmens in Vermarktung, Lizenzmanagement und Sicherheitsmanagement.[17]
Seit 2023 übernimmt die EKS die Rolle des Scheme-Managers im girocard-System. Die girocard ist ein von der deutschen Kreditwirtschaft getragenes Debitkartensystem für bargeldlose Zahlungen.[19] Seit den späten 2010er-Jahren verzeichnete die girocard einen deutlichen Anstieg von Transaktionen und Umsätzen. 2018 wurde zudem die mobile Zahlung über eine digitale girocard eingeführt.[19] Von 2019 bis 2023 stieg die Zahl der Transaktionen weiter an.[20] Der Anteil kontaktloser Zahlungen lag 2021 bei rund zwei Dritteln.[21]
Im Jahr 2025 führte die EKS ein akustisches Markenelement für die girocard ein. Das etwa anderthalb Sekunden lange Klangzeichen soll den Abschluss eines Bezahlvorgangs hörbar machen und zur Stärkung der Markenwahrnehmung beitragen.[22]
Unternehmensstruktur
Die EKS hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.[1] Zum 1. November 2022 wurde Oliver Hommel zum Vorsitzenden der Geschäftsführung.[23] Zum 1. Januar 2025 trat Susanne Raupbach als weiteres Mitglied in die Geschäftsführung ein.[24][25]
Die Bilanzsumme belief sich 2024 auf 48,9 Millionen Euro. Zum 31. Dezember 2024 beschäftigte die EKS 57 Mitarbeiter.[1]
Anteilseigner
Die Anteile an der EKS sind wie folgt verteilt:[26][27]
- Sparkassensektor: 40,7 Prozent
- Privatbankensektor: 38,7 Prozent
- Genossenschaftlicher Sektor: 19,6 Prozent
- Öffentlicher Bankensektor: 1 Prozent
Kooperationen und Mitgliedschaften
Die EKS ist Mitglied bei der EHI Retail Institute GmbH.[28] Darüber hinaus ist die EKS Fördermitglied der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e. V.[28][29] Dieser Verein bündelt die Interessen der Mitglieder, die digitale, elektronische und kartengestützte Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft, wie das girocard-System, einsetzen.[30] Die EKS ist Mitglied beim Verein Sperr-Notruf und stellt Stand 2026 die Vorstandsvorsitzende.[31][32]
Im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft[6] richtet die EKS außerdem deren jährliche Informationsveranstaltung zum Thema Zahlungsverkehr aus.[33]
